Traditionen und Aberglaube: Wie die Philippinen das Totengedenken an Undas pflegen
EditMit dem bevorstehenden Undas-Fest rücken die vielfältigen Bräuche der Philippinen in den Fokus, mit denen die Verstorbenen geehrt werden. Viele dieser Traditionen sind tief in lokalen Vorstellungen und Aberglauben verwurzelt, die das Unglück abwenden oder den Übergang der Seelen begleiten sollen.
Ein verbreiteter Brauch bei der Vorbereitung von Leichen ist das Anlegen feinster Kleidung, wobei oft ein zerbrochener Rosenkranz um die gefalteten Hände auf der Brust gelegt wird. Dieser symbolisiert den Glauben, dass durch das Brechen des Rosenkranzes verhindert wird, dass weitere Familienmitglieder versterben. Während es in anderen Kulturen üblich ist, Verstorbene mit Schuhen zu bekleiden, da man glaubt, die Seele müsse gut gekleidet vor den Schöpfer treten, werden die Füße auf den Philippinen oft bar gelassen. Dies wird einerseits spirituell als Erleichterung für die Seele gedeutet, damit diese ungehindert in den Himmel aufsteigen kann, hat aber auch praktische Gründe: Nach dem Eintritt der Totenstarre wird das Anziehen von Schuhen an den Füßen der Verstorbenen erheblich erschwert. Im Gegensatz dazu ist es in der traditionellen chinesischen oder koreanischen Kultur üblich, die Schuhe zwar mit in den Sarg zu geben, sie aber nicht direkt an den Füßen der Toten zu bekleiden.
Auch das Verhalten der Hinterbliebenen gegenüber Besuchern ist durch spezifische Regeln geprägt. In manchen Regionen gilt es als schlechtes Omen, Gäste während einer Totenwache zur Tür zu begleiten, da dies eine Kette von Todesfällen in der Familie auslösen könnte. Dieser Brauch ist jedoch nicht überall verbreitet; so praktizieren die Hiligaynons in Regionen wie Capiz oder Iloilo diese Regel offenbar nicht, was beispielsweise bei Beisetzungen in Roxas City deutlich wurde. In Manila hingegen ist das Unterlassen des Begleitens der Gäste oft schwierig, da die weggehenden Besucher die Hinterbliebenen ständig dazu auffordern, sie zur Tür zu geleiten.
Ein weiterer Aspekt betrifft den Umgang mit Lebensmitteln. Es gibt die Vorstellung, dass das Mitnehmen von Speisen von einer Totenwache negative Energien oder Unglück nach Hause bringt, da man so den Tod oder Pech zu denjenigen trägt, die die Reste mitnehmen. Demgegenüber steht die moderne Sichtweise, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und Reste an Freunde zu verteilen. In der philippinisch-chinesischen Gemeinschaft (Chinoy) ist zudem die Tradition verbreitet, im Jahr nach einem Todesfall keine freudigen Anlässe zu feiern, weshalb Hochzeiten oft verschoben werden, um Respekt zu zeigen und kein Unglück heraufzubeschwören. Dies gilt insbesondere, wenn ein Elternteil verstorben ist, um das Brautpaar nicht mit sofortigem Unglück zu belasten, wenngleich es vorkommt, dass Paare Hochzeiten auf Wunsch des Brautvaters dennoch durchführen.
Regionale Unterschiede zeigen sich auch in der Atmosphäre der Trauerfeiern. In Silang, Cavite, das als Zentrum für Marschkapellen gilt, können Blaskapellen mit Tanz und Musik die letzte Phase einer Totenwache begleiten. Diese Kapellen, die in Cavite als besonders bedeutend gelten, spielen oft traditionelle Melodien, die später in Popmusik übergehen, während Majoretten mit Stöcken tanzen. Dies kann an die Funeral Parades in New Orleans erinnern, bei denen Blaskapellen die Trauerzüge anführen. In Manila hingegen ist es üblich, den Familien der Verstorbenen bei der Teilnahme an der Wache Geldgeschenke in Höhe von einigen hundert oder tausend Pesos zu überreichen. Die Ilonggos wiederum bringen oft Speisen zur Wache mit, selbst wenn die Familie bereits für die Gäste vorsorgt hat.
Besondere Rituale betreffen auch Kinder und den Weg nach Hause. Um zu verhindern, dass der Geist eines Verstorbenen in den Albträumen eines Kleinkindes erscheint, wird das Kind gelegentlich über den Sarg getragen. Zudem existiert der Brauch des sogenannten „Pagpag“. Dabei besuchen Menschen nach einer Totenwache einen weiteren Ort, wie etwa ein Geschäft oder ein Café, anstatt direkt nach Hause zu gehen. Dies soll verhindern, dass man unbeabsichtigt böse Geister mit nach Hause nimmt. Ein Internet-Meme suggerierte sogar scherzhaft, dass Convenience-Stores wie 7-Eleven durch die vielen Besucher diesen Zweck erfüllen, da die Läden bereits voll von Geistern seien. Das Unternehmen 7-Eleven hat jedoch keine offizielle Bestätigung oder einen öffentlichen Appell dazu abgegeben, auch wenn es das Meme nicht explizit dementierte.
Letztlich dienen diese vielfältigen Bräuche, ob durch das Brechen von Rosenkränzen oder das Durchführen von Umwegen nach der Wache, oft dazu, den Hinterbliebenen in der Zeit der Trauer emotionalen Halt und Trost zu geben. Auch wenn diese Superstitionen für Außenstehende wenig Sinn ergeben mögen, helfen sie den Menschen, mit dem Verlust umzugehen und die Hoffnung zu bewahren, das Unglück abzuwenden.





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