Globale Ungleichheit bei der Brustkrebsbehandlung: Lehren für die Philippinen
EditIm Jahr 2024 fielen etwa 70 Prozent aller Todesfälle durch Brustkrebs auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt. Die Überlebenschancen zeigen eine drastische Kluft: In einkommensstarken Nationen liegt die mediane Fünfjahresüberlebensrate bei 87,3 Prozent, in einkommensschwachen Regionen lediglich bei 41,9 Prozent.
Die medizinische Versorgung von Brustkrebspatientinnen bleibt weltweit ein kritisches Thema, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Barrieren wie die Entfernung zu Krankenhäusern, hohe Kosten für Diagnosen oder ein Mangel an medizinischem Fachpersonal erschweren den Zugang zur Behandlung massiv. Eine Diagnose darf nicht zwangsläufig zum Todesurteil werden, nur weil Frauen keinen Zugang zu Tests haben oder zu weit von medizinischen Zentren entfernt leben.
Internationale Ansätze in Ländern wie Mexiko, Ruanda und Peru bieten verschiedene Lösungsmodelle. In Mexiko ist Brustkrebs die führende Ursache für krebsbedingte Todesfälle bei Frauen, wobei etwa jede Stunde ein Leben verloren geht. Um dem entgegenzuwirken, hat die Regierung im Oktober 2025 ihr „Universal Care Model for Breast Cancer“ eingeführt. Diese nationale Strategie soll eine rechtzeitige Erkennung, Diagnose und kontinuierliche Behandlung unabhängig vom Versicherungsstatus sicherstellen. Das Modell setzt auf öffentliche Aufklärung, die Förderung der Brustgesundheit ab einem Alter von 20 Jahren sowie zweijährliche Mammographien für Frauen ab 40 Jahren. Ein wesentliches Ziel ist es, den Zeitraum von der ersten Verdachtsdiagnose bis zum Behandlungsbeginn durch feste Zeitvorgaben drastisch zu verkürzen: Diagnostische Verfahren sollen innerhalb von 30 Tagen nach Verdacht abgeschlossen und die Behandlung innerhalb von 21 Tagen nach der Diagnose eingeleitet werden. Mexiko plant zudem die Anschaffung von 1.000 Mammographie-Geräten und 1.000 Ultraschallgeräten, was die Kapazität auf etwa 8,9 Millionen Mammographien pro Jahr ausweiten könnte. Ergänzend sollen 20 zusätzliche Diagnosezentren mit spezialisiertem Personal für Bildgebung und Pathologie aufgebaut werden.
Ruanda setzt hingegen auf die Entlastung des Fachpersonals durch sogenannte „Task-Sharing“-Modelle. Da viele Patientinnen erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden, ermöglicht dieses Modell geschulten Pflegekräften und Hebammen, erste Brustuntersuchungen und klinische Untersuchungen durchzuführen, um Patientinnen bei Bedarf an Spezialisten weiterzuleiten. In Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen und akademischen Institutionen unterstützt das ruandische Gesundheitsministerium zudem gemeindebasierte Dienste, um die Aufklärung und Früherkennung auch in unterversorgten Gebieten zu verbessern. Während klinische Untersuchungen die Bildgebung oder Biopsien nicht ersetzen können, dienen sie als wichtiger erster Kontaktpunkt für Frauen in entlegenen Regionen.
Peru wiederum konzentriert sich auf die Beseitigung rechtlicher und finanzieller Hürden. Das nationale Krebsgesetz von 2021 schuf einen Rahmen für universelle und kostenlose Krebsleistungen. Ergänzend dazu gewährt das Gesetz Nr. 31561 aus dem Jahr 2022 Arbeitnehmerinnen im öffentlichen und privaten Sektor Anspruch auf einen bezahlten, nicht kompensierbaren freien Tag pro Jahr für die Krebsvorsorge bei Brust- und Gebärmutterhalskrebs. Dies erkennt an, dass der Zugang zur Versorgung auch davon abhängt, ob Frauen die Zeit für Untersuchungen nehmen können. Zudem setzt Peru auf eine risikobasierte Früherkennung, etwa durch verstärkte Überwachung bei erblichen Vorbelastungen, und nutzt Initiativen zur Patientenbegleitung, um den Weg durch das Gesundheitssystem zu erleichtern.
Für die Philippinen ergeben sich aus diesen internationalen Erfahrungen wertvolle Impulse. Zwar bietet der National Integrated Cancer Control Act (NICCA) von 2019 bereits einen gesetzlichen Rahmen für die Prävention, Diagnose, Behandlung, das Überleben und die unterstützende Pflege von Krebspatienten, doch die Herausforderung besteht darin, diese Verpflichtungen landesweit in verlässliche Dienstleistungen umzusetzen. Teodoro B. Padilla, Exekutivdirektor der Pharmaceutical and Healthcare Association of the Philippines, betont, dass der Fortschritt nicht allein an neuen Einrichtungen, durchgeführten Tests oder verabschiedeten Richtlinien gemessen werden sollte, sondern daran, wie viele Frauen tatsächlich eine rechtzeitige, angemessene Behandlung erhalten und überleben.





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