Gesellschaft: Landesweit

Debatte über Fehlverhalten älterer Menschen: Alter als Entschuldigung für Unhöflichkeit abgelehnt

In der philippinischen Gesellschaft wird zunehmend darüber diskutiert, ob das fortgeschrittene Alter als Rechtfertigung für unhöfliches oder respektloses Verhalten dienen darf. Aktuelle Berichte und soziale Medien verdeutlichen eine Tendenz, bei der ältere Menschen grundlegende Umgangsformen missachten und sich dabei auf ihren Status als Senioren berufen.

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Symbolbild: Envato

Ein Beispiel für diese Entwicklung war ein viraler Beitrag der Schauspielerin Rita Avila. Sie schilderte eine Begegnung im Kino, bei der ein älterer Mann ihr gegenüber sein laut klingelndes Mobiltelefon nicht ausschaltete. Auf ihren Hinweis, dass man sich in einem Kinosaal befinde, entgegnete der Mann lediglich, dass er bereits ein Senior sei. Avila konterte darauf, dass sie selbst ebenfalls zur älteren Generation gehöre.

Auch im öffentlichen Nahverkehr kam es zu Vorfällen, die das Thema verdeutlichen. Avila berichtete von einer Situation in einem vollbesetzten Zug, in der zwei Schulkinder in den Bereich geraten waren, der durch ein dünnes Seil für Senioren und Menschen mit Behinderungen reserviert war. Die Jugendlichen waren offensichtlich versehentlich dorthin gelangt, was für die meisten Fahrgäste kein Problem darstellte, da genügend Platz vorhanden war. Eine ältere Frau reagierte jedoch massiv und begann, die Jugendlichen lautstark und ununterbrochen zu beschimpfen. Sie bezeichnete sie als undiszipliniert, ungehorsam und respektlos. Trotz der Versuche anderer Senioren im Zug, die Situation zu beruhigen und darauf hinzuweisen, dass die Jugendlichen genug Zurechtweisung erhalten hätten, hörte die Frau nicht auf. Die Situation endete erst, als die Jugendlichen gezwungen waren, an der nächsten Station auszusteigen. Avila verglich das Verhalten dieser Frau mit dem US-amerikanischen Phänomen der sogenannten „Karen“, die ihren Privilegien ausnutzt.

Kritiker sehen in der Praxis, älteren Menschen bei Fehlverhalten einen Freipass zu gewähren, eine Gefahr für die soziale Erziehung. Es bestehe das Risiko, dass jüngere Generationen solch unangemessenes Verhalten verinnerlichen und nachahmen. Während viele Senioren den Verlust von Höflichkeit und Anstand bei der Jugend beklagen, wird angemerkt, dass viele ältere Menschen selbst kein gutes Vorbild mehr bieten. Dies wird durch die Beobachtung gestützt, dass viele Senioren die Fähigkeit verloren haben, die soziale Situation richtig einzuschätzen oder ihre Sensibilität gegenüber Mitmenschen zu wahren.

Die Ursachen für diese Entwicklung werden vielfältig interpretiert. Es wird vermutet, dass manche Senioren durch eine zunehmende Selbstbezogenheit die Fähigkeit verlieren, ihr Verhalten angemessen an die Umgebung anzupassen. Oft sprechen sie unangebracht oder sagen verletzende Dinge, da sie nicht mehr die Befürchtung haben, von noch älteren Personen zurechtgewiesen zu werden. Zudem könnten Faktoren wie Angst, Groll, Frustration, Bitterkeit, ein Gefühl des Scheiterns oder körperliche Schmerzen zu einem gesteigerten Anspruchsdenken führen. Manche Senioren nutzen ihr Alter als Schutzschild, um ein Gefühl der Privilegiertheit zu erzwingen, in dem sie glauben, es sei ihr Recht, bedient zu werden, da ihre Tage gezählt sind.

Ein weiterer Aspekt der gesellschaftlichen Veränderung ist die zunehmende Rohheit in der öffentlichen Kommunikation. Die Debatte zieht Parallelen zu politischen Diskursen, insbesondere im Hinblick auf einen ehemaligen Präsidenten, der als Senior Bürger in seinen Reden oft derbe „Kanto-Sprache“ verwendete und öffentlich fluchte. Da er dafür sogar Applaus erhielt und als authentisch wahrgenommen wurde, markierte dies einen Wendepunkt in der soziokulturellen Geschichte der Philippinen. Dies führte zu einer Normalisierung von Grobheit und Vulgarität, die sich nun auch in sozialen Medien und im Alltag widerspiegelt, wo Schimpfwörter und respektloses Verhalten kaum noch einen Schockeffekt haben.

Abschließend wird gefordert, das Konzept des Seniorenalters neu zu definieren. Anstatt das Alter als Mittel zur Durchsetzung persönlicher Ansprüche oder als Ausrede für schlechtes Benehmen zu nutzen, sollten ältere Menschen wieder die Rolle von Vorbildern und Ältesten einnehmen. Das Ziel sei es, traditionelle Werte wie den Respekt gegenüber dem Nächsten, im philippinischen Sinne „paggalang sa kapwa“, durch Wort und Tat wieder fest in der Gesellschaft zu verankern und die Würde des Menschseins durch gute Manieren zu bewahren.