Wahlwende in den USA: Demokratische Siege gefährden Boom der KI-Rechenzentren
EditDie US-Wahlen haben eine politische Verschiebung bewirkt, die den rasanten Ausbau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) massiv unter Druck setzt. In mehreren Schlüsselstaaten haben demokratische Kandidaten die Regierungsführung übernommen und fordern nun eine strengere Regulierung oder sogar einen Baustopp für diese großflächigen Anlagen. Dieser Wandel ist Teil eines breiteren Wahlerfolgs der Demokraten, denen es gelang, die Kontrolle über das US-Repräsentantenhaus und den Senat von den Republikanern zu übernehmen. Getrieben wurde dieser Erfolg durch die Frustration der Wähler über die Lebenshaltungskosten sowie den Krieg im Iran. Die neuen Machthaber dürften nun eine deutlich engmaschigere Kontrolle über die Interessen des Silicon Valley ausüben, die während der ersten zwei Amtszeiten von Präsident Donald Trump weitgehend verschont geblieben waren.
Besonders betroffen ist der Bundesstaat Texas, der laut der Forschungsfirma SemiAnalysis fast 30 Prozent der in den USA für das Jahr 2028 geplanten Rechenzentrumskapazitäten stellt. Mit dem Sieg von Gina Hinojosa, der ersten demokratischen Gouverneurin des Lone Star State seit mehr als drei Jahrzehnten, stehen zahlreiche Projekte vor einer ungewissen Zukunft. Bereits unter dem republikanischen Gouverneur Greg Abbott gab es Versuche, die Genehmigungen für Rechenzentren auszusetzen, doch Hinojosa bezeichnete diese Maßnahmen als bloßen Wahlkampfstunt. Sie forderte während ihres Wahlkampfs wiederholt ein sofortiges Moratorium für die Entwicklung von Rechenzentren. Sie warf den Betreibern vor, die Stromtarife für die Bevölkerung in die Höhe zu treiben und die Wasserressourcen zu erschöpfen. Zudem kündigte sie an, Genehmigungen so lange auszusetzen, bis eine neue Gesetzgebung verabschiedet wird, die die Interessen der texanischen Kommunen gegenüber globalen Konzernen schützt. Ihr Ansatz sieht vor, dass Kommunen eine stärkere Stimme erhalten, die Stromrechnungen der Haushalte geschützt werden und die steuerlichen Anreize für Rechenzentren beendet werden.
Der Einfluss dieser Wahlergebnisse erstreckt sich über mehrere Bundesstaaten. In Ohio besiegte die Demokratin Amy Acton den Unternehmer Vivek Ramaswamy und forderte ebenfalls ein bedingtes Moratorium, das an strenge Auflagen für Entwickler gekoppelt ist. Acton hat versprochen, gegen die ungeprüfte Entwicklung von Rechenzentren vorzugehen. Auch in Georgia gewann Keisha Lance Bottoms die Gouverneurswahl, nachdem der Staat über zwei Jahrzehnte in republikanischer Hand war. Trotz der historischen Bedeutung Georgias als einer der drittgrößten Standorte für Rechenzentren forderte Bottoms im Wahlkampf einen Baustopp für Neubauten. Die Wahl in Georgia zeigte laut Analysen von Jefferies eine besonders klare Spaltung der Wählerschaft auf, wobei ein Sieg von Bottoms zu einem vorübergehenden landesweiten Baustopp führen könnte.
In Pennsylvania wird erwartet, dass der amtierende Gouverneur Josh Shapiro den Status quo weitgehend beibehält, wenngleich er sich mittlerweile kritischer gegenüber spekulativen Projekten äußert, die auf lokalen Widerstand stoßen. Zuvor hatte Shapiro die Ansiedlung von Rechenzentren im Staat aktiv gefördert. Insgesamt könnten die Siege der Demokraten dazu führen, dass etwa die Hälfte der geplanten KI-Rechenzentrum-Erweiterungen in den USA einer deutlich strengeren lokalen Prüfung unterzogen wird. Experten wie Libby Cantrill von PIMCO warnten davor, dass selbst wenn keine landesweiten Moratorien verhängt werden, der Ausbau der KI-Infrastruktur durch langwierigere Genehmigungsverfahren und notwendige Zugeständnisse der Entwickler erheblich verlangsamt werden könnte.
Die Finanzmärkte reagierten bereits auf die drohenden regulatorischen Verschärfungen. Am Mittwoch fielen die S&P 500-Index-Kontrakte um bis zu 1,2 Prozent, während die Nasdaq 100-Futures um 2,2 Prozent nachgaben. Diese Marktreaktionen überschatteten sogar positive Quartalszahlen von KI-Chipherstellern wie Advanced Micro Devices Inc. und Server-Zulieferern wie Super Micro Computer Inc. Auch Hardware-Zulieferer in Asien, die eine Schlüsselrolle beim US-KI-Ausbau spielen, verzeichneten Verluste: In Südkorea sanken die Aktien von Samsung Electronics und SK Hynix um bis zu 4 Prozent, während der taiwanesische Chiphersteller TSMC ebenfalls an Wert verlor.
Analysten von GLJ Research wiesen darauf hin, dass in Texas allein etwa 13 Gigawatt Kapazität unmittelbar von der Entscheidung Hinojoseas betroffen sind, eine Menge, die theoretisch ausreichen würde, um 10 Millionen Haushalte gleichzeitig mit Strom zu versorgen. Die Auswirkungen auf die Projekte hängen von deren Status ab: Projekte, die bereits über Stromanschlüsse, Genehmigungen und Material verfügen, werden vermutlich fortgesetzt. Projekte, die zwar Strom, aber noch keine staatlichen Umweltgenehmigungen haben, könnten sich um 12 bis 18 Monate verzögern. Projekte, die weder über Strom noch über Genehmigungen verfügen, könnten jedoch ganz in Bundesstaaten wie Louisiana oder Oklahoma abwandern oder ganz scheitern. Die Analysten von Jefferies stufen Texas infolge des Wahlerfolgs Hinojoseas zudem von einer politischen Risikostufe 3 auf Stufe 4 hoch.






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