Sicherheit: Metro Manila

Schulen auf den Philippinen fordern umfassendere Sicherheitskonzepte über Kameras und Wachpersonal hinaus

Nach einem Vorfall an der Camarin High School in Caloocan City, bei dem eine Schülerin ein Bild einer Schusswaffe zusammen mit einer Drohung in sozialen Medien teilte, wird die Debatte über die Sicherheit an philippinischen Schulen neu entfacht. Die Schulleiterin der Einrichtung, Marissa B. Feliciano, erklärte gegenüber BusinessWorld, das Kind habe behauptet, es sei lediglich ein Scherz gewesen. Dennoch wurde die Schulleitung auf die Unangemessenheit des Verhaltens aufmerksam, insbesondere angesichts der jüngsten Ereignisse. Infolgedessen wurden die Polizei, Sozialbehörden und Ermittler für Cyberkriminalität eingeschaltet.

Police, hand and gun with a law enforcement officer standing outdoor in the city while on patrol clYuriArcursPeopleimages
Symbolbild: Envato

Der Vorfall verdeutlicht die Schwierigkeit für Bildungseinrichtungen, Gewalt zu verhindern, die durch Online-Drohungen, Mobbing oder Probleme im häuslichen Umfeld ausgelöst wird. Die Camarin High School, die rund 9.500 Schüler unterrichtet, setzt bereits auf die Zusammenarbeit mit Eltern, Gemeindevertretern und der PTA. Auf Anfrage werden zudem Beamte der örtlichen Polizeistation hinzugezogen. Die Schule hat zudem Maßnahmen ergriffen, wie etwa die Installation von Kameras vor Toiletten und die Schließung einiger Toiletten im vierten Stock nach Vorfällen mit E-Zigaretten und Fehlverhalten. Zudem werden Taschenkontrollen unter Einbeziehung von Eltern und Disziplinarbeamten durchgeführt.

Die Notwendigkeit erweiterter Schutzmaßnahmen wird durch mehrere gewalttätige Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit untermauert. Am 22. Juni kam es an der San Jose National High School in Tacloban City zu einer Schießerei, bei der zwei Schüler der 9. Klasse drei Mitschüler töteten und 20 weitere verletzten. Im August ereignete sich an der Ateneo de Zamboanga University ein tödlicher Vorfall durch einen Mitschüler, der sich anschließend selbst das Leben nahm; zwei weitere Personen wurden hospitalisiert, während andere wegen Verletzungen oder Panikattacken behandelt werden mussten. Zudem gab es am 18. September eine Schießerei an der Banga National High School in South Cotabato, die drei Tote und acht Verletzte forderte.

Roman T. Romulo, Vorsitzender des Ausschusses für Grundbildung im Repräsentantenhaus aus Pasig City, wies darauf hin, dass die Sicherheitsrichtlinien des Bildungsministeriums (Department of Education, DepEd), konkret die im ersten Quartal erlassene DepEd Order No. 6, zwar einen Rahmen bieten, die Umsetzung jedoch uneinheitlich sei. Er betonte, dass die Zuweisung von Sicherheitspersonal nicht allein auf der Schülerzahl basieren dürfe, sondern Faktoren wie die Gebäudestruktur, Ein- und Ausgänge sowie das umliegende Viertel berücksichtigen müsse. Zudem prüft das DepEd derzeit, wie viele der etwa 47.000 Schulen landesweit über funktionierende Überwachungskameras verfügen, wobei eine frühere Schätzung die Abdeckung auf etwa 48 Prozent bezifferte. Romulo warnte zudem, dass installierte Kameras nur wenig Schutz böten, wenn sie nicht funktionstüchtig seien. Da Sicherheit nicht die Kernfunktion des DepEd sei, sollten Schulen verstärkt mit lokalen Regierungen, der Polizei, Nichtregierungsorganisationen und Sicherheitsexperten zusammenarbeiten.

Kriminologieprofessor Raymund R. Narag von der Southern Illinois University Carbondale erklärte, dass Gewalt an Schulen aus verschiedenen Ursachen wie Mobbing, Demütigung, sozialer Ablehnung, familiären Konflikten, dem Kontakt mit Gewalt oder dem Zugang zu Waffen resultieren kann. Online-Beiträge könnten zwar Warnsignale liefern, er mahnte jedoch zur Vorsicht: Warnverhalten sei kein Beweis für kriminelle Absichten. Explizite Drohungen, detaillierte Pläne oder Versuche, Waffen zu beschaffen, seien zwar Warnzeichen, doch Isolation oder Wut allein seien kein Beweis für eine bevorstehende Gewalttat. Schulen bräuchten daher vertrauliche Meldesysteme, Risikobewertungen und eine zeitnahe Weiterleitung an Berater, statt auf übermäßige Überwachung und automatische Bestrafungen zu setzen, da dies das Vertrauen untergraben könne. Er betonte, dass eine Lehrkraft, die die Sorgen eines Schülers ernst nimmt, oft mehr zur Gewaltprävention beitragen kann als eine Kamera, die niemand konsequent überwacht.

Die Organisation Child Rights Network (CRN), eine Koalition für Kinderrechte, ergänzte, dass Sicherheit auch den Schutz vor sexuellem Missbrauch, Diskriminierung und Cybermobbing umfassen müsse, da diese Erfahrungen das Selbstvertrauen, die psychische Gesundheit und die schulische Leistung beeinträchtigen können. Um dies zu gewährleisten, fordert die Koalition geschulte Lehrkräfte, funktionierende Kinderschutzkomitees, vertrauliche Meldesysteme, psychosoziale Unterstützung und eine enge Koordination mit Familien und Fachkräften. Schüler sollten in der Lage sein, Missbrauch ohne Angst vor Vergeltung zu melden, und sollten bei der Gestaltung von Sicherheitsmaßnahmen einbezogen werden.

Ein zentrales Problem bleibt der Mangel an Fachpersonal. Zwar sieht der 'Basic Education Mental Health and Well-Being Promotion Act' Stellen für Beraterassistenten vor, doch von den für dieses Jahr geplanten 10.000 Positionen wurden bisher nur etwa die Hälfte besetzt. Zudem ist der Zugang zu psychiatrischer Versorgung schwierig; an staatlichen Kliniken wie dem Tala Hospital können Wartezeiten von sechs bis acht Monaten für Termine entstehen. Ver E. Reyes von der Psychological Association of the Philippines betonte, dass Lehrkräfte nicht die Rolle von Fachkräften für psychische Gesundheit übernehmen sollten, sondern darin geschult werden müssten, Notlagen zu erkennen und an Spezialisten zu verweisen. Sie verwies zudem darauf, dass die Unterstützung durch die Familie, einschließlich Großeltern und Verwandter, besonders wichtig sei, wenn Eltern im Ausland arbeiten.

Auch im digitalen Bereich gibt es Bestrebungen zur Regulierung. Der im Repräsentantenhaus bereits beschlossene 'SAFE Kids Act' sieht vor, Kindern unter 13 Jahren die Nutzung sozialer Medien zu untersagen und Funktionen für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, wie etwa Livestreaming, Chats oder Interaktionen mit KI-Chatbots, einzuschränken. Dabei sollen von der DepEd autorisierte Bildungstechnologien erlaubt bleiben. Ronald B. Gustilo von der Kampagne Digital Pinoys plädierte jedoch dafür, digitale Räume sicherer zu gestalten und die Medienkompetenz zu fördern, statt pauschale Verbote auszusprechen. Sein Ziel sei es, Kinder auf die digitale Welt vorzubereiten, anstatt sie lediglich von Plattformen fernzuhalten.

Zusätzlich thematisiert die politische Debatte die Disziplin an Schulen. Roman T. Romulo erwähnte ein geplantes 'Teacher Protection Law', das klären soll, welche Disziplinarmaßnahmen nicht gegen das Anti-Kindesmissbrauchsgesetz verstoßen, um die Angst der Lehrkräfte vor Beschwerden zu mindern. An der Camarin High School wurden zudem Lockdown-Übungen nach Vorgabe des DepEd eingestellt und durch Orientierungen zu Notfallverfahren in den Klassenzimmern ersetzt. Schulleiterin Feliciano betonte abschließend die Notwendigkeit einer Balance zwischen akademischen Anforderungen und außerschulischen Aktivitäten sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen Schule und Familien, um den Schutz der Kinder zu gewährleisten.