Philippinen führen neues Identitätssystem für Menschen mit Behinderungen ein
EditUm Betrug und Fälschungen entgegenzuwirken, führen die Philippinen ein einheitliches Identitätssystem für Menschen mit Behinderungen (PWD) ein. Das National Council on Disability Affairs (NCDA) hat das sogenannte Unified Persons with Disabilities Identification System (UPWDIS) gestartet, um die Registrierung der landesweit rund 2,9 Millionen Betroffenen zu zentralisieren und zu sichern. Das System wurde bereits im Januar 2025 entwickelt und nach Pilotphasen sowie Systemtests im August desselben Jahres offiziell unter der NCDA-Verwaltungsanordnung Nr. 1 im September 2026 wirksam.
Hintergrund der Maßnahme ist eine massive Diskrepanz bei den Registrierungszahlen: Während im Jahr 2024 offiziell nur 1,89 Millionen Menschen mit Behinderungen registriert waren, wurde im Jahr 2024 vermutet, dass es bis zu 8,5 Millionen illegitime Nutzer des Status gab. Laut NCDA-Direktorin Glenda Relova führte dies dazu, dass die Glaubwürdigkeit der PWD-Ausweise untergraben wurde, was insbesondere Menschen mit nicht unmittelbar sichtbaren Behinderungen benachteiligte, da deren Status häufig angezweifelt wurde.
Das Ziel der Behörde ist es, alle 2,9 Millionen berechtigten Personen bis Dezember 2027 im neuen Portal zu erfassen. Bestehende, authentische Ausweise bleiben während der dreijährigen Übergangsphase gültig, bevor die alten Karten voraussichtlich bis zum Jahr 2030 vollständig ausgemustert werden. Bis zum aktuellen Stand der Umsetzung haben bereits rund 1.100 der 1.LGUs das UPWDIS eingeführt, wobei über 190.000 Personen registriert und mehr als 128.000 digitale Ausweise bereits ausgestellt wurden.
Die neuen Ausweise verfügen über ein standardisiertes Design mit einem QR-Code und einer alphanumerischen Identifikationsnummer, was die Fälschungssicherheit gegenüber den bisherigen, von lokalen Behörden unterschiedlich gestalteten Karten erhöht. Während Personen mit dauerhaften Behinderungen einen lebenslangen Ausweis erhalten, müssen Inhaber von Ausweisen für nicht sichtbare Behinderungen diesen alle fünf Jahre validieren lassen. Dies stellt eine Änderung gegenüber der bisherigen Praxis dar, bei der PWD-Ausweise generell eine Gültigkeit von fünf Jahren hatten. Der Ausweis ist primär digital konzipiert, physische Karten können jedoch weiterhin angefordert werden.
Die Registrierung erfolgt über die örtlichen Persons with Disability Affairs Offices (PDAO). Personen mit offensichtlichen Behinderungen, wie etwa Blinden oder Menschen mit Gliedmaßenverlust, können sich ohne spezielles Attest registrieren lassen, während bei nicht sichtbaren Beeinträchtigungen eine Bewertung durch das PDAO und die Hinterlegung eines Zertifikats im UPWDIS erforderlich ist. Um auch abgelegene, benachteiligte und unterversorgte Gebiete zu erreichen, sollen mobile Registrierungsteams in Zusammenarbeit mit den Barangays (Ortsteilen) eingesetzt werden. Das NCDA hat zudem Schulungen mit den lokalen Behörden durchgeführt, um die direkte Registrierung in das neue System zu erleichtern.
Das UPWDIS ermöglicht eine lückenlose Rückverfolgbarkeit: Das System generiert die eindeutigen Nummern und protokolliert, welche Beamten Daten eingegeben, genehmigt oder den Ausweis gedruckt haben. Nur PDAO-Mitarbeiter und IT-Personal der Kommunen haben Zugriff auf das System. Sollten PDAO-Beamte Zweifel an einer Diagnose haben, wird das Dokument zur Überprüfung durch Spezialisten an das NCDA weitergeleitet. Geschäfte und Behörden können die Echtheit der Ausweise künftig einfach durch das Scannen des QR-Codes über die Webseite verify.alaga.ph überprüfen. Dies soll die bisherige, oft unzuverlässige Verifizierung über das Gesundheitsministerium oder lokale Behörden ersetzen, da die alten Register oft nicht aktuell waren.
Die wirtschaftlichen Folgen von gefälschten Ausweisen sind erheblich. In einer Senatsanhörung wurde berichtet, dass dem Staat durch illegitime Inanspruchnahme von Vergünstigungen rund 88,2 Milliarden Pesos an Einnahmen verloren gingen. Diese Mittel hätten für soziale Dienste wie Rehabilitationszentren, Stipendien für die Ausbildung von Ergänzungs- und Logopäden oder Hilfsmittel für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stehen können. Obwohl seit dem Bekanntwerden der Fälschungen Ende 2024 noch keine Strafen verhängt wurden, laufen mehrere Verfahren. Parallel dazu mahnen lokale Räte wie das Local Council on Disability Affairs (LCDA) in Baguio City dazu, Verstöße gegen die Rechte von Menschen mit Behinderungen konsequent nach dem Gesetz RA 9442 zu verfolgen. Dieses sieht bei Diskriminierung oder öffentlicher Herabwürdigung hohe Geldstrafen von bis zu 200.000 Pesos und Haftstrafen vor. Bei Missbrauch von Vergünstigungen drohen Geldstrafen sowie Freiheitsstrafen. Unternehmen, die Rabatte verweigern, riskieren den Entzug ihrer Betriebserlaubnis, während ausländische Täter nach Verbüßung ihrer Haftstrafe unmittelbar abgeschoben werden können.




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