Experten fordern individualisierte Behandlung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
EditHerz-Kreislauf-Erkrankungen sollen künftig stärker auf die individuellen Risikoprofile der Patienten zugeschnitten werden. Statt allgemeingültiger Behandlungsansätze sollten laut Experten die persönliche Blutdruckkontrolle und angepasste Therapiestrategien im Vordergrund stehen, um schwerwiegende Komplikationen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Herzinsuffizienz zu verhindern.
Diese Kernbotschaft stand im Zentrum einer eintägigen CV Masterclass in den Philippinen, die vom globalen Gesundheitsunternehmen Viatris organisiert wurde. Die Veranstaltung fungierte als regionale Plattform, um medizinische Fachkräfte zusammenzubringen und evidenzbasierte Ansätze auf Grundlage internationaler Forschung sowie klinischer Erfahrungen aus der Praxis zu diskutieren. Insgesamt nahmen 101 Teilnehmer an der Masterclass teil, wobei Themen wie Bluthochdruck, Lipidmanagement, Herzinsuffizienz, Blutdruckvariabilität und digitale Gesundheitslösungen im Fokus standen. Dabei wurde auch erörtert, wie internationale Leitlinien in asiatischen Kontexten angewendet werden können, unter Berücksichtigung spezieller und unterrepräsentierter Bevölkerungsgruppen.
Professor Ian Wilkinson, ehemaliger Präsident der British and Irish Society und Professor für Therapeutik an der University of Cambridge, betonte die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und einer maßgeschneiderten Behandlung zur Risikominimierung. Er erklärte, dass Leitlinien eine Risikobewertung empfehlen, um die Wahrscheinlichkeit eines kardiovaskulären Ereignisses zu verstehen und die Therapie zu personalisieren. Wilkinson erläuterte hierzu den sogenannten 4S-Ansatz zur Blutdruckkontrolle, der die Reduzierung oder den Ersatz von Salz, die Auswahl und Dosierung geeigneter Medikamente, die Identifizierung pseudoresistenter Hypertonie sowie die Untersuchung sekundärer Hypertonie, die durch andere medizinische Zustände verursacht wird, umfasst. Er unterstrich, dass Behandlungsentscheidungen stets durch das klinische Profil des Patienten und dessen Reaktion auf die Therapie geleitet werden sollten.
Um eine pseudoresistente Hypertonie sicher zu bestätigen, empfahl Wilkinson den Einsatz von mobiler Blutdruckmessung (ABPM) oder Heim-Blutdruckmessung (HBPM), um persistierenden Bluthochdruck von Messwerten zu unterscheiden, die durch andere Faktoren beeinflusst werden. Dr. Alejandro Bimbo Diaz, Präsident der Philippine Society of Hypertension, ergänzte die Notwendigkeit, die Blutdruckvariabilität (BPV) genau zu beobachten. Er verglich die Schwankungen des Blutdrucks über den Tag, die Wochen oder verschiedene Zeiträume hinweg mit dem Wetter, da dies ein klareres Bild der allgemeinen Gesundheit liefert. Solche Schwankungen könnten die Organe, insbesondere Nieren und Gehirn, belasten und mit negativen Folgen wie Schlaganfällen oder kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung stehen. Durch dieses Wissen ließen sich potenzielle Komplikationen besser antizipieren und Behandlungspläne individueller gestalten.
Die medizinische Notwendigkeit für solche spezialisierten Ansätze wird durch globale Statistiken untermauert. Im Jahr 2021 entfielen mehr als 61 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf Asien. Prognosen des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) und des Global Burden of Disease (GBD) deuten darauf hin, dass die Zahl der Todesfälle durch diese Erkrankungen bis zum Jahr 2050 auf jährlich 24,1 Millionen ansteigen könnte, was einem Zuwachs von etwa 91,2 Prozent gegenüber dem Stand von 2025 entspricht. Dr. Nagendra Ramanjinappa, Leiter der medizinischen Abteilung von Viatris für die Regionen KLAM & I-AM, wies darauf hin, dass sich die kardiovaskuläre Landschaft ständig weiterentwickle und die Ansätze zur Bekämpfung mitwachsen müssten.
Im Rahmen der Masterclass wurde zudem die BEAT App (BPV Engagement & Adherence Tool) vorgestellt. Diese digitale Anwendung soll Patienten und medizinischem Personal dabei helfen, Blutdrucktrends zu analysieren und zu visualisieren, um das Verständnis für die Blutdruckvariabilität zu fördern. Die App bietet Funktionen wie Trendgrafiken, ein Dashboard für Ärzte, Lernmodule und Erinnerungsfunktionen, wobei lokalisierte Grafiken die Benutzerfreundlichkeit verbessern sollen. Ergänzend dazu verwies Viatris auf Initiativen wie die Patient Academy, die NCD Academy und eine medizinische Informationsplattform, um die Patientenbildung zu stärken und den Zugang zu medizinischen Informationen zu verbessern.





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