Studie warnt vor drohendem Kollaps weltweiter Korallenriff-Ökosysteme
EditWeltweite Korallenriff-Ökosysteme stehen laut einer aktuellen globalen Bewertung vor einem hohen Risiko des Kollapses innerhalb der nächsten 50 Jahre. Als Hauptursachen für diese Entwicklung werden die Erwärmung der Ozeane sowie zunehmende Hitzewellen identifiziert. Die Ozeane verzeichnen dabei extreme Temperaturen; so lag die durchschnittliche jährliche Meeresoberflächentemperatur fernab der Pole im Jahr 2024, dem bisher heißesten Jahr der Aufzeichnungen, bei einem Rekordwert von 20,87 Grad Celsius.
Ein Zusammenbruch der Riffe hat weitreichende Folgen: Die Hartkorallen verschwinden und werden durch Algen, Trümmer und Schwämme ersetzt. Dadurch geht die Fähigkeit des Riffs verloren, ein vielfältiges Ökosystem zu stützen, das von kleinen Wirbellosen bis hin zu Fischarten wie dem Zackenbarsch reicht. Da Korallenriffe etwa ein Viertel aller Meeresarten beherbergen, sind sie essenziell für die marine Biodiversität. Zudem dienen sie Küstengemeinschaften als wichtige Quelle für Meeresfrüchte und Tourismus sowie als natürlicher Schutz gegen Küstenerosion und Stürme. Die IUCN bezeichnet die Korallenriffe zudem als einen der deutlichsten Vitalparameter für den Gesundheitszustand der Ozeane.
Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) veröffentlichte die Ergebnisse der ersten umfassenden Bewertung der globalen Korallenriff-Liste am Rande einer UN-Biodiversitätskonferenz in Armenien. Dem Bericht zufolge sind bereits etwa 96 Prozent der Flachwasser-Riffsysteme kritisch gefährdet und könnten bis zum Jahr 2075 verschwinden. Betroffen sind auch bedeutende Riffsysteme wie das Great Barrier Reef in Australien, das Korallendreieck im Westpazifik und Südostasien, das mesoamerikanische Barriereriff-System sowie die Korallenriffe des Roten Meeres. Diese befinden sich alle auf der höchsten Gefahrenstufe. Ergänzend dazu stellte eine vor einer Woche in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte Studie der IUCN fest, dass fast 44 Prozent der riffbildenden Korallenarten aufgrund des Klimawandels einem erhöhten Aussterberisiko ausgesetzt sind.
Die Untersuchung umfasste 127 tropische und subtropische Ökoregionen mit einer Fläche von rund 188.362 Quadratkilometern. Die IUCN bezeichnet den Klimawandel als die beständigste Bedrohung für den weltweiten Rückgang der Riffe. Mishal Gudka, wissenschaftlicher Leiter der IUCN-Bewertung zur Roten Liste der Korallenriff-Ökosysteme, betonte jedoch, dass die Situation als Weckruf und nicht als Grund zur Verzweiflung verstanden werden müsse. Korallen hätten eine bemerkenswerte Fähigkeit gezeigt, sich von Bleichereignissen zu erholen, weshalb man durch gezielte Maßnahmen resiliente Riffbestände schützen müsse. Es könne in der Zukunft noch Taschen mit überlebenden, widerstandsfähigen Korallenriffen geben, sofern man alles in seiner Macht Stehende tue, um deren Erfolg zu sichern.
Neben der Reduzierung globaler Emissionen fordern Experten wie die IUCN-Generaldirektorin Grethel Aguilar verstärkte Anstrengungen gegen Verschmutzung, Überfischung und die Erschließung von Küstengebieten. Sie betont zudem die Notwendigkeit ambitionierter Emissionsminderungen, eines stärkeren Schutzes sowie kontinuierlicher Investitionen in widerstandsfähige Küstenökosysteme und die von ihnen abhängigen Gemeinschaften. Andrew Baker vom Coral Reef Futures Lab der University of Miami ergänzte, dass auch der Einsatz neuer Technologien zur Korallenrestaurierung entscheidend sei. Innovative Ansätze könnten den kämpfenden Riffen eine Lebenslinie bieten und die dringend benötigte Zeit verschaffen, um den notwendigen ökologischen Wandel zu vollziehen.





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