Politik: Landesweit

Rechtsstreit um ICC-Haftbefehl gegen Senator Dela Rosa spitzt sich zu

Die Suche nach Senator Ronald dela Rosa intensiviert sich, während die philippinische Supreme Court noch über die Kernfrage seiner Petition entscheidet. Im Zentrum des Verfahrens steht die Frage, ob der Internationale Strafgerichtshof (ICC) nach dem Austritt der Philippinen aus dem Römischen Statut im Jahr 2019 noch eine Zuständigkeit für den Fall besitzt. Obwohl die höchste Instanz in dieser Hauptfrage noch keine endgültige Entscheidung getroffen hat, wächst der Druck auf die Behörden, was unter Experten für internationales Recht zu Debatten führt.

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Symbolbild: Envato

Der Hintergrund der aktuellen Lage ist komplex: Der ICC hatte bereits am 6. November 2025 einen geheimen Haftbefehl gegen Dela Rosa erlassen. Dieser blieb bis zum vergangenen Mai verborgen, bis der Senator, der sich zu diesem Zeitpunkt im Senat aufhielt, im Morgengrauen untertauchte. Seitdem führen das National Bureau of Investigation (NBI) und die Polizei die Fahndung fort, wobei davon ausgegangen wird, dass sich Dela Rosa weiterhin auf dem Staatsgebiet der Philippinen befindet. Im Gegensatz zum ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte, der sich bei seiner Festnahme im Ausland befand, ist Dela Rosa noch im Land, was der Supreme Court theoretisch die Möglichkeit gibt, vor einer möglichen Auslieferung ins Ausland zu entscheiden.

Am 20. Mai lehnte die Supreme Court in einer speziellen En-Banc-Sitzung einen Antrag von Dela Rosa mit einer Abstimmung von 9 zu 5 zu 1 ab. Er hatte eine einstweilige Verfügung oder eine Status-quo-ante-Anordnung beantragt, um zu verhindern, dass lokale Behörden ihn aufgrund des ICC-Haftbefehls ohne einen zusätzlich von den Philippinen ausgestellten nationalen Haftbefehl festnehmen.

Innerhalb der Justiz herrscht Uneinigkeit über die rechtliche Lage. Während Justice Alfredo Benjamin Caguioa argumentierte, dass für eine Festnahme durch den ICC kein separater philippinischer Haftbefehl erforderlich sei, vertrat Justice Ramon Paul Hernando die Ansicht, dass der nationale Prozess eine solche Festnahme nicht autorisiere und der ICC keine Zuständigkeit besitze. Bei der Abstimmung im Mai gab es zudem einen Richter, der sich nicht zu der Frage äußerte.

Experten und Beobachter diskutieren nun über verschiedene Gründe für die wachsende Dringlichkeit der Fahndung. Eine Theorie besagt, dass eine Auslieferung nach Den Haag kaum rückgängig zu machen sei; sollte Dela Rosa erst einmal in der Gewalt des ICC sei, würde eine spätere Entscheidung der philippinischen Gerichte über die fehlende Zuständigkeit kaum noch Auswirkungen haben. Dies wurde auch von den Richtern Ricardo de Rivera Rosario und Ramon Paul Hernando in ihren Sondervoten thematisiert. Rosario betonte, dass eine spätere Entscheidung den entstandenen Schaden nicht heilen könne, während Hernando darauf hinwies, dass bei Duterte die lokale Rechtsmittelmöglichkeit durch die sofortige Überführung nach Den Haag hinfällig geworden war.

Ein weiterer Aspekt ist der Präzedenzfall des ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte, dessen Fälle sich nach der Festnahme sehr schnell entwickelten. Der ICC bestätigte alle Anklagepunkte gegen Duterte am 23. April 2026. Behördenvertreter haben gesehen, wie schnell sich Verfahren nach einer Inhaftierung bewegen, und könnten ein ähnliches Ergebnis anstreben. Zudem wird vermutet, dass die Regierung ihre eigenen Ermittlungsschritte an das Gericht gekoppelt hat. So erklärte das Justizministerium, die Bemühungen zur Vollstreckung des Haftbefehls vorübergehend auszusetzen, damit das Gericht die rechtlichen Fragen klären kann. Auch das Department of the Interior and Local Government (DILG) wartete auf eine Entscheidung darüber, ob der Haftbefehl ohne lokale gerichtliche Anordnung durchsetzbar sei. Sollte das Gericht gegen die Regierung entscheiden, fielen diese Gründe für das Zögern weg und die Fahndung müsste fortgesetzt werden.

Der Solicitor General betonte gegenüber dem Gericht, dass die Philippinen niemals ein Zufluchtsort für Straflosigkeit werden dürften und kritisierte Dela Rosas Vorgehen vor dem Gericht mit dem Vorwurf der unsauberen Hände. Die Debatte dreht sich letztlich um den Konflikt zwischen der Durchsetzung von Recht und den verfassungsrechtlichen Grenzen bei der Erhebung von Anklagen. Eine Feststellung der fehlenden ICC-Zuständigkeit würde keine Unschuld bedeuten, da die Philippinen dieselben Taten vor ihren eigenen Gerichten untersuchen und verfolgen könnten. Es geht primär um den Weg zur Gerechtigkeit unter Einhaltung des Gesetzes.