Wirtschaftlicher Druck auf philippinische Unternehmen durch schwachen Peso und Inflation
EditUnternehmen auf den Philippinen stehen vor der Herausforderung, steigende Betriebskosten mit der sinkenden Kaufkraft der Konsumenten in Einklang zu bringen. Eine im Oktober veröffentlichte Studie von Organic Intelligence verdeutlicht die finanzielle Not der Bevölkerung: 42 Prozent der befragten Stadtbewohner gaben an, sich für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel oder Transportmittel verschuldet zu haben. Zudem sahen 45 Prozent die Inflation als Grund an, dass ihre Motivation für den wirtschaftlichen Aufstieg gesunken sei.
Um die Kundenbindung in diesem schwierigen Umfeld zu stärken, könnten Preisstopps eine wirksame Strategie sein. Laut der Untersuchung von Organic Intelligence bevorzugten 27 Prozent der Befragten Preisgarantien, um sich einer Marke treu zu fühlen. Die Forscher der Studie erklärten gegenüber Rappler, dass eine Kampagne mit Preisstopps äußerst effektiv beim Aufbau von Kundenloyalität bei preisbewussten Verbrauchern sein könnte. Andere Maßnahmen wie kleinere Packungsgrößen (16 %), kostenloser Versand (14 %) oder Aktionsbündel (12 %) schnitten weniger stark ab. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 800 Bewohnern städtischer Gebiete im Mai.
Die makroökonomische Lage bleibt angespannt. Die Inflationsrate erreichte im September 7,2 Prozent, wobei für die Oktober-Zahlen, die am 5. November erwartet werden, mit einer weiteren Beschleunigung gerechnet wird. Parallel dazu verzeichnete der Peso am 27. Oktober einen historischen Tiefstand von 64,17 Pesos pro US-Dollar. Dies geschah trotz einer unerwartet hohen Leitzinserhöhung der Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) um 50 Basispunkte vor fünf Tagen, die vom Monetary Board beschlossen wurde. Damit stieg der Leitzins auf 5,50 Prozent, was die vierte aufeinanderfolgende Erhöhung in diesem Jahr darstellt.
Die Zentralbank hat zudem ihre Inflationsprognose für das Jahr 2027 von 5,4 Prozent auf 6 Prozent angehoben. Gouverneur Eli Remolona Jr. erklärte, die BSP werde den Wechselkurs weitgehend dem Markt überlassen und nur intervenieren, um übermäßige Schwankungen abzufedern, die die Inflation weiter anheizen könnten. Der ehemalige BSP-Vize-Gouverneur Diwa Guinigundo verwies unterdessen auf tieferliegende Probleme wie schwache Kapitalzuflüsse, ein Defizit in der Zahlungsbilanz, geringe Auslandsinvestitionen sowie Unsicherheiten durch Korruptionsvorwürfe und ein laufendes, schwieriges Amtsenthebungsverfahren.
Die Zahlungsbilanz der Philippinen wies in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 ein Defizit von 9,1 Milliarden US-Dollar auf, verglichen mit 5,3 Milliarden US-Dollar im Vorjahr. Zudem verzeichneten ausländische Portfolioinvestitionen von Januar bis August Nettoabflüsse in Höhe von 4,25 Milliarden US-Dollar, was einen deutlichen Gegensatz zu den Nettozuflüssen von 4,58 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum darstellt. Die hohen Importkosten, insbesondere bei Mineralölprodukten, die im ersten Halbjahr 2026 um 2,56 Milliarden US-Dollar stiegen, belasten die Devisenreserven zusätzlich. Diese sanken von 104,8 Milliarden US-Dollar im August auf 99,5 Milliarden US-Dollar im September, was teilweise auf Devisenmarktoperationen der BSP, Bewertungseffekte und staatliche Abhebungen zurückzuführen ist. Dennoch reichen die Reserven noch für Importe von 6,2 Monaten aus. Für das Jahr 2027 prognostiziert die BSP ein weiteres Defizit der Zahlungsbilanz in Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar sowie ein Leistungsbilanzdefizit von 19,4 Milliarden US-Dollar.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind je nach Branche unterschiedlich verteilt. Während importabhängige Hersteller, Einzelhändler, Fluggesellschaften und Unternehmen mit ungesicherten Dollar-Schulden unter den hohen Kosten leiden, BPO, die ihre Einnahmen in Dollar erzielen, vom schwachen Peso. Höhere Zinsen verteuern zudem neue Kreditaufnahmen und Refinanzierungen. Emilio Neri Jr., Chefökonom der Bank of the Philippine Islands, warnte, dass eine anhaltende Inflation die wirtschaftliche Wachstumsrate stärker gefährden könnte als die hohen Zinsen, da der private Konsum etwa 70 Prozent der Wirtschaft ausmacht. Die nächsten wichtigen Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) werden am 9. November veröffentlicht, nachdem das Wachstum im zweiten Quartal 2026 lediglich 2,3 Prozent betrug.
Trotz der schwierigen Bedingungen suchen Unternehmen weiterhin nach Kapital. Der GCash-Mutterkonzern Mynt schloss am 20. Oktober den größten Börsengang in der Geschichte der Philippinen mit einem Angebot der Philippine Stock Exchange in Höhe von 60,9 Milliarden Pesos ab. Zudem plant das in Cebu ansässige Unternehmen Aznar Shipping einen kleineren Börsengang von bis zu 737 Millionen Pesos mit dem Ziel einer Notierung am 18. Dezember, um die Erweiterung seiner Flotte und Werften zu finanzieren.






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