Gesellschaft: Landesweit

Vaping-Epidemie unter philippinischen Jugendlichen nimmt massiv zu

Der Konsum von E-Zigaretten unter philippinischen Schülern ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen. Laut Daten der Nationalen Ernährungsumfrage (National Nutrition Survey) des Department of Science and Technology - Food and Nutrition Research Institute (DoST-FNRI) stieg die Nutzung von E-Zigaretten bei Jugendlichen von 7,5 % im Jahr 2021 auf 39,9 % im Jahr 2023. Damit ist das Dampfen mittlerweile die am weitesten verbreitete Form des Nikotinkonsums unter philippinischen Schülern, wie das Gesundheitsprogramm der National Institutes of Health der University of the Philippines Manila zeigt. Zudem ist eine signifikante Anzahl von Jugendlichen durch den Dual-Use, also den gleichzeitigen Konsum von E-Zigaretten und herkömmlichen Zigaretten, betroffen.

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Quelle: PIA

Die aktuelle Situation zeigt zudem eine zunehmende Verbreitung anderer Nikotinprodukte. Der Global Youth Tobacco Survey 2024 ergab, dass der gesamte Tabakkonsum von 10,1 % auf 13,5 % gestiegen ist, wobei 7,1 % Zigaretten und 7,4 % erhitzte Tabakprodukte nutzen. Zudem gaben 12,8 % der Befragten an, E-Zigaretten zu verwenden. Besonders besorgniserregend ist der frühe Beginn des Konsums: 55,8 % der Schüler begannen mit erhitzten Tabakprodukten und 22,4 % mit E-Zigaretten bereits vor ihrem zehnten Lebensjahr. Dieser frühe Nikotinzugang ist kritisch, da er die Entwicklung des jugendlichen Gehirns stören und Funktionen wie Lernen, Aufmerksamkeit sowie die Impulskontrolle beeinträchtigen kann.

Trotz bestehender Altersbeschränkungen bleibt der Zugang für Minderjährige sehr einfach. Über die Hälfte der rauchenden Schüler (56,2 %) erwarb Zigaretten in Einzelhandelsgeschäften, kleinen Nachbarschaftsläden oder bei Straßenverkäufern. Die Nikotinindustrie bewirbt E-Zigaretten zwar als Werkzeug zur Schadensminimierung für erwachsene Raucher, doch Daten auf Bevölkerungsebene stützen diese Wirksamkeit als Mittel zur Raucherentwöhnung nicht. Vielmehr deuten Erkenntnisse darauf hin, dass E-Zigaretten Versuche zur Raucherentwöhnung behindern und das Risiko eines Rückfalls in den Tabakkonsum erhöhen können.

Die rechtliche Lage in den Philippinen ist durch das im Jahr 2022 verabschiedete Gesetz zur Regulierung von Produkten mit und ohne Nikotin (Republic Act No. 11900, bekannt als Vape Law oder Vaporized Nicotine and Non-Nicotine Products Regulation Act) geprägt. Obwohl die Verfasser des Gesetzes Schutzmaßnahmen für Minderjährige versprachen, wird die aktuelle Entwicklung als Ausweitung einer Jugend-Nikotin-Epidemie gewertet. Ein Problem stellt dabei die Verwirrung um Geschmacksrichtungen dar. Während das Sin Tax Law (RA No. 11467) eigentlich fast alle Aromen außer Tabak und Menthol verbietet, schuf das Vape Law Spielraum für die Industrie. Das Gesetz enthielt zwar ein Verbot von Geschmacksbeschreibungen, die Minderjährige übermäßig ansprechen könnten, etwa Frucht-, Süßwaren- oder Dessert-Aromen sowie Zeichentrickfiguren -, doch die Industrie nutzte die entstandene Unklarheit aus. Das Justizministerium (Department of Justice) musste hierzu in einem Rechtsgutachten (Opinion 8, s. 2025) bestätigen, dass das Verbot der Geschmacksstoffe nach dem Sin Tax Law weiterhin in Kraft ist.

Dennoch berichten Jugendliche laut der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health weiterhin massiv von der gezielten Ansprache durch eine Fülle an verfügbaren Produkten mit süßen, fruchtigen oder nach Süßigkeiten schmeckenden Aromen. Diese Aromen mildern das kratzende Gefühl beim Inhalieren ab, was das Inhalieren erleichtert und das sich entwickelnde Gehirn auf eine lebenslange Abhängigkeit konditioniert. Wissenschaftliche Studien weisen zudem darauf hin, dass bestimmte Aromen wie Zimt, Mango oder Vanille Entzündungen, Zellschäden und Veränderungen im Herz-Kreislauf-System auslösen können. In Tierstudien wurden zudem Atemwegssymptome, eine reduzierte Lungenfunktion und DNA-Schäden in Mundzellen beobachtet. Die US-amerikanische Flavor and Extract Manufacturers Association (FEMA) warnt zudem davor, dass die Einstufung von Aromen als sicher für den Verzehr in Lebensmitteln (GRAS-Status) keine Aussage über die Sicherheit beim Inhalieren zulässt.

Angesichts dieser Entwicklung fordert der Bürgermeister von Baguio City, Benjamin Magalong, ein Verbot von E-Zigaretten. Baguio City gilt als Vorbild bei der Durchsetzung rauchfreier Verordnungen und erhielt in diesem Jahr den Gold Award der ASEAN Smoke-free Awards. Die Stadt sieht sich jedoch nicht nur mit der Verbreitung von Vapes konfrontiert, sondern auch mit deren Nutzung für illegale Drogen. Auch Singapur, eines der acht ASEAN-Länder, die E-Zigaretten verbieten, unterstützt diesen Kurs. Singapurs Gesundheitsminister Ong Ye Kung plädierte dafür, dass sich die ASEAN-Staaten auf ein vollständiges Verbot einigen sollten. Er betonte, dass die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Kosten die Steuereinnahmen bei weitem übersteigen würden. Experten der Southeast Asia Tobacco Control Alliance (SEATCA) mahnen zudem, dass die Philippinen als amtierender ASEAN-Vorsitzender das kollektive Wohlergehen der Region priorisieren sollten, indem sie E-Zigaretten verbieten und strenge Grenzkontrollen sowie lokale Durchsetzungen implementieren.