Trend zu „lebenden Beerdigungen“: Menschen feiern ihr Leben noch zu Lebzeiten
EditAnstatt auf den Tod zu warten, um über ein Leben zu reflektieren, gewinnt ein neuer Trend an Bedeutung: die sogenannte „lebende Beerdigung“. Bei diesen Veranstaltungen versammeln sich Familie und Freunde, um das Leben einer Person zu feiern, während diese noch anwesend ist. Ziel ist es, die persönlichen Würdigungen, Umarmungen und Geschichten direkt mit dem Hauptakteur zu teilen, anstatt sie erst nach dessen Ableben zu äußern. So können die Geehrten die Reden hören, während sie noch selbst lachen können.
In den Philippinen rückte diese Praxis durch den Komiker Ate Gay, geboren als Gil Aducal Morales, in den Fokus der Öffentlichkeit. Morales, der im Alter von 55 Jahren am 1. November 2026 verstarb, hatte bereits am 15. Oktober 2026 eine solche Feier im Forest Lake Memorial Park in Biñan, Laguna, ausgerichtet. Die Entscheidung fiel etwa zwei Wochen vor seinem Tod. Morales war seit September 2025 an einem fortgeschrittenen muzukoidem Karzinom der Speicheldrüsen erkrankt, einem seltenen Krebs, der im Stadium 4 diagnostiziert wurde. Während seiner gesamten Behandlungsphase hielt er die Öffentlichkeit über seinen Gesundheitszustand auf dem Laufenden. Kurz vor seinem Ableben litt er zudem unter einem Schlaganfall sowie akutem Atemversagen infolge einer Lungenentzündung.
Bei der Veranstaltung in Laguna nahmen Verwandte, Freunde und Kollegen aus der Unterhaltungsbranche teil. So hielten unter anderem der Komiker Boobsie Wonderland und der Content-Creator Arman Salon Reden in Anwesenheit des Erkrankten. Morales wollte die Gelegenheit nutzen, um die Menschen, die ihm wichtig waren, noch einmal zu sehen und ihre Gefühle unmittelbar mitzuerleben. Für ihn bot der Tag die Möglichkeit, das volle Ausmaß seines Einflusses auf andere wahrzunehmen, solange er noch anwesend war.
Das Phänomen ist jedoch nicht auf die Philippinen beschränkt. In Großbritannien organisierte die Brustkrebs-Aktivistin Kris Hallenga, Gründerin der Wohltätigkeitsorganisation CoppaFeel!, im Juni 2023 eine Art „Fun-eral“ in der Kathedrale von Truro. Hallenga, die seit ihrer Diagnose im Alter von 23 Jahren an Brustkrebs im Stadium 4 litt, entschied sich für diese Feier, um sie zu begehen, solange sie noch die nötige Kraft dafür hatte. Bei der Zeremonie hielt unter anderem die Schauspielerin Dawn French eine humorvolle Laudatio. Hallenga verstarb später im Mai 2024 im Alter von 38 Jahren.
Auch in Singapur gab es im Juli 2026 eine solche Zeremonie durch die Komikerin Abigail Chay, die eine „Afterlife Farewell Ceremony“ abhielt. Im Gegensatz zu Hallenga war Chay nicht lebensbedrohlich erkrankt; sie nutzte das Format, um Tabus rund um das Thema Tod und die Planung von Beerdigungen zu brechen. Sie gab an, dass die Reden ihr halfen, die Tiefe der Zuneigung ihrer Freunde zu erkennen und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu feiern.
Die Gestaltung solcher Feiern reicht von informellen Treffen mit Musik, Mahlzeiten und Diashows bis hin zu formellen Zeremonien mit Reden. Die Veranstaltungsorte variieren dabei von traditionellen Kapellen über private Häuser bis hin zu öffentlichen Hallen. Dienstleister wie die Forest Lake Development, Inc., die auch das Event von Ate Gay koordinierte, bieten mittlerweile spezialisierte Beratungen für diese Art der persönlichen Abschiedsfeier an. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit für manche Menschen belastend sein kann. Zudem müssen Familien bei schweren Krankheiten die körperliche Energie der Betroffenen sorgfältig berücksichtigen.






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