Davao City: 85.000 BPO-Mitarbeiter durch Nachtarbeit und Naturkatastrophen belastet
EditIn der philippinischen Stadt Davao City sind rund 85.000 Beschäftigte im Bereich Business Process Outsourcing (BPO) von den besonderen Herausforderungen der Nachtarbeit betroffen. Während der Großteil der Stadt gegen 6 Uhr morgens erwacht, beenden diese Arbeitskräfte nach acht bis neun Stunden oft ihre Schichten, die meist Kunden in den USA oder Australien dienen. Sie müssen anschließend den morgendlichen Berufsverkehr bewältigen und versuchen zu schlafen, während die Stadt immer lauter wird. Laut einer Mitteilung der Stadträtin Pamela Librado-Morata, die sie am 21. Oktober 2025 in einer Privilegierten Rede hielt, machen diese Angestellten einen erheblichen Teil der insgesamt etwa einer Million Erwerbstätigen in Davao aus. Obwohl die Branche eine Erfolgsgeschichte der Stadt darstellt, birgt sie auch versteckte Belastungen.
Die Belastung für die Beschäftigten wurde durch die jüngsten Naturereignisse verschärft. Nach den Doppel-Erdbeben vom 10. Oktober 2025, die von der Offshore-Region Manay ausgingen, berichteten viele BPO-Mitarbeiter in Hochhäusern über mangelnde Anweisungen während der Krise. Einige Unternehmen forderten das Personal zur Arbeit auf, während die Sicherheitsinspektionen der Gebäude noch im Gange waren. Dies führte bei vielen zu Erschöpfung, da sie versuchten, sich von den Erschütterungen zu erholen und gleichzeitig ihre Nachtschichten einzuhalten. Zudem fehlten vielen Mitarbeitern, die in gemieteten Zimmern als Boarder leben, geeignete Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice. Die Angst vor weiteren Erschütterungen blieb auch Wochen nach den Beben bestehen, da Bewohner bei der kleinsten Vibration Panik verspürten. Eine BPO-Arbeiterin schilderte zudem das Gefühl der Hilflosigkeit, während sie arbeitete und ihr Kind gleichzeitig in der Schule war.
Neben den physischen Gefahren stellt die psychische Belastung ein dauerhaftes Problem dar. Die Nachtarbeit führt oft zu kürzerem und leichterem Schlaf sowie zu einer sozialen Isolation, da die Arbeitszeiten nicht mit denen von Freunden und Familie übereinstimmen. Agenten verbringen zudem Stunden damit, die Wut anderer Menschen höflich entgegenzunehmen, und kehren danach oft allein nach Hause zurück. Berichte zeigen, dass die psychische Gesundheit der Betroffenen leidet; so schilderte eine 27-jährige Callcenter-Agentin im Oktober 2025 gegenüber Davao Today ihre persönlichen Kämpfe mit Depressionen, die sie während ihrer Tätigkeit bei drei verschiedenen Unternehmen weitgehend allein in einem Boarding House bewältigen musste.
Um den Schutz der Arbeitnehmer zu verbessern, hat Stadträtin Librado-Morata eine Resolution vorgeschlagen. Es besteht die Forderung an die Stadtverwaltung und die Arbeitgeber, Themen wie Entlohnung, Arbeitszeiten, Sicherheit und klare Katastrophenschutz-Protokolle anzugehen. Als ergänzende Maßnahme zur psychischen Entlastung wird empfohlen, dass Beschäftigte am Ende ihrer Schicht kurze Schreibübungen durchführen. Studien, darunter eine Untersuchung aus einem Schlaflabor aus dem Jahr 2018, legen nahe, dass Menschen, die vor dem Schlafengehen fünf Minuten lang eine To-do-Liste für die kommenden Tage schreiben, schneller einschlafen als jene, die lediglich bereits erledigte Aufgaben notieren. Das Festhalten von Sorgen auf Papier scheint dem Geist zu helfen, zur Ruhe zu kommen. Auch das Schreiben über Gefühle kann helfen: Eine Analyse aus dem Jahr 2006 über 146 Studien zeigte moderate, aber reale Vorteile durch expressives Schreiben. Eine Routine könnte darin bestehen, Unvollendetes, belastende Anrufe oder auch positive Erlebnisse wie einen netten Kunden oder einen Witz unter Kollegen kurz zu notieren.
Unternehmen könnten zudem durch einfache Maßnahmen wie die Bereitstellung von Ruhebereichen, die Beigabe eines Notizbuchters in Willkommenspaketen oder kurze Schreibpausen nach schwierigen Kampagnen zur Unterstützung der mentalen Gesundheit beitragen. Dennoch wird betont, dass solche Methoden keine strukturellen Probleme wie unsichere Gebäude, unbezahlte Überstunden oder Schichtmuster, die den Schlaf über Jahre hinweg ruinieren, ersetzen können. Für Menschen in psychischen Krisen, insbesondere bei anhaltender gedrückter Stimmung oder Gedanken der Selbstverletzung, stehen professionelle Hilfsangebote zur Verfügung: Das SPMC Institute of Psychiatry and Behavioral Medicine bietet eine Krisen-Hotline unter (082) 227-1531 an, zudem ist das National Center for Mental Health unter der Nummer 1553 erreichbar.






Keine Werbeblöcke mehr mit Supporter-Abo!