Studie: Über die Hälfte der Filipinos meidet aktiv Nachrichten
EditIn den Philippinen meiden 51 Prozent der Bevölkerung aktiv die Nachrichten, wie ein aktueller Digital News Report des Reuters Institute for the Study of Journalism zeigt. Dies stellt nicht nur ein Problem des Medienkonsums dar, sondern gefährdet auch die Fähigkeit der Bürger, aktiv an der Demokratie teilzunehmen, so Michael Henry Yusingco in einem Kommentar für den Daily Guardian.
Wenn sich ein so großer Teil der Bevölkerung bewusst von Informationen über öffentliche Maßnahmen und die Ausübung politischer Macht abwendet, fehlt es an der Grundlage, um Regierungsmitglieder kritisch zu hinterfragen oder politische Behauptungen zu bewerten. Yusingco verweist in diesem Zusammenhang auf das Wort des Fernseh-Weisen Ka Ernie Baron, wonach ohne Wissen auch keine Macht existiere. Dadurch entsteht ein Vakuum, das durch parteiische Narrative, emotionale Social-Media-Inhalte und oberflächliche Persönlichkeiten gefüllt wird, die eher auf Provokation als auf Verständnis setzen. Dies begünstigt ein Umfeld, in dem Gruppenzwang und politische Loyalität gegenüber Dynastien wichtiger werden als unabhängiges Urteilsvermögen. Menschen folgen oft den Meinungen ihrer sozialen Gruppen, Gemeinschaften oder politischen Anführer, anstatt Beweise kritisch zu prüfen.
Ein wesentlicher Aspekt dieser Entwicklung ist die sogenannte „Celebrification“ der Politik, bei der Politiker wie Entertainer oder Prominente vermarktet werden. Ihr Privatleben, dramatische Konfrontationen und sorgfältig kultivierte öffentliche Bilder werden schwerer gewichtet als ihre tatsächlichen legislativen Leistungen oder politischen Programme. Der politische Wettbewerb wird dadurch zu einem reinen Persönlichkeitswettstreit, bei dem Wahlpopularität fälschlicherweise mit Regierungsfähigkeit gleichgesetzt wird. Die Öffentlichkeit wird dazu eingeladen, einem „Pied Piper“ zu folgen, ohne zu hinterfragen, wohin der Weg führt.
Die Folgen sind nicht nur enttäuschende Wahlergebnisse, sondern können jahrelange schlechte Regierungsführung, verschwendete öffentliche Ressourcen, schwache Institutionen und anhaltende soziale Probleme bedeuten. Yusingco sieht die Ursachen auch in einer Bildungskrise, die über den bloßen Schulbesuch hinausgeht. Es fehlt an der Fähigkeit, komplexe politische Inhalte zu verstehen, Beweise zu werten, irreführende Argumente zu erkennen und politische Kompetenz von bloßer Performance zu unterscheiden. Wirtschaftliche Unsicherheit und ungleicher Zugang zu verlässlichen Informationen schränken die Wahlmöglichkeiten der Menschen ein. Dennoch betont Yusingco die Notwendigkeit, bürgerschaftliche Bildung und kritisches Denken ernst zu nehmen, da eine Demokratie nicht funktionieren kann, wenn den Bürgern die Werkzeuge zur Kontrolle der Regierenden fehlen.
Gleichzeitig kritisiert der Autor die Regierungsführung, die oft nur reaktiv auf Symptome statt auf die zugrunde liegenden strukturellen Probleme reagiert. Er beschreibt dies als eine Art „Whack-a-mole“-Politik, bei der ein Symptom unterdrückt oder eine Krise bewältigt wird, bevor die eigentlichen Ursachen angegangen werden können. Da Interventionen oft fragmentiert sind und es an nachhaltigen institutionellen Reformen mangelt, kehren die Missstände immer wieder zurück. Als Lösung schlägt er eine politische Organisation an der Basis vor. Bürger sollten sich zwischen den Wahlen organisieren, anstatt nur bei politischer Mobilisierung zu reagieren. Gemeinschaften benötigen dauerhafte Organisationen, die öffentliche Dienste überwachen, Budgets prüfen, Transparenz einfordern und politische Alternativen entwickeln, um von passiven Steuerzahlern zu aktiven Stakeholdern zu werden.






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