Wirtschaft: Metro Manila

Ökonom warnt vor tief verwurzelter Korruption und strukturellen Mängeln in der philippinischen Wirtschaft

Der politische Ökonom Calixto „Toti“ Chikiamco hat im Rahmen der 25. Jaime V. Ongpin Annual Memorial Lecture an der Ateneo de Manila University eine tiefgreifende Analyse der wirtschaftlichen Strukturen der Philippinen vorgelegt. Er bezeichnete Korruption nicht als vorübergehendes Phänomen, sondern als fest verankertes „Betriebssystem“ des Landes, das auf jahrzehntelanger Pfadabhängigkeit beruht.

Aerial view of Manila city
Symbolbild: Envato

Als Ursprung dieser Entwicklung identifizierte Chikiamco den Bell Trade Act von 1946. Dieser habe die monetäre Souveränität zugunsten von Paritätsrechten nach dem Krieg aufgegeben und damit ein System aus Importkontrollen und Devisenrationierung geschaffen. Während die Ära von Ferdinand Marcos Sr. durch Staatskredite und Monopole geprägt war, habe die Verfassung von 1987, ursprünglich als Schutz gegen eine Diktatur gedacht, die bestehenden Oligarchien unbeabsichtigt in ihrer Machtposition gefestigt. Seit fast vier Jahrzehnten nutzen Gesetzgeber und Regulierungsbehörden den Nationalismus, um etablierte Konglomerate vor Wettbewerb zu schützen, wodurch Behörden eher als Wächter von Privilegien denn als Verbraucherschützer agieren.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser Strukturen werden durch Daten des OECD Economic Survey 2026 verdeutlicht. Der Anteil der verarbeitenden Industrie am Bruttoinlandsproduin (BIP) ist von 22 % auf 16 % gesunken. Während der Dienstleistungssektor 63 % des BIP ausmacht, liegt der Anteil der Warenexporte bei lediglich 12 %, was im Vergleich zu Vietnam mit 85 % sehr gering ist. Zudem sind zwei Drittel der philippinischen Erwerbstätigen in informellen Beschäftigungsverhältnissen ohne ausreichenden sozialen Schutz tätig. In Metro Manila liegt der tägliche Mindestlohn zwischen 718 und 755 PHP, während die Bevölkerung gleichzeitig mit einigen der höchsten Strom- und Telekommunikationskosten der Region konfrontiert ist, da vertikal integrierte Konzerne die Infrastruktur kontrollieren.

Auch im Agrarsektor führten veraltete Landbesitzgrenzen dazu, dass landwirtschaftliche Betriebe nicht skalieren konnten, was ländliche Familien verarmte und Importkartelle begünstigte. Der Politikwissenschaftler Christopher Nex Bengson Beñas mahnte in diesem Zusammenhang vor einer unbedachten Liberalisierung der Eigentumsregeln, um Landenteignungen durch ausländisches Kapital zu verhindern. Er betonte, dass die Reihenfolge der Reformen entscheidend sei.

Als Lösungsansätze schlug Chikiamco eine schrittweise Reformstrategie vor. Dazu gehöre der Aufbau einer leistungsorientierten, professionellen Bürokratie sowie eine stärkere Entwicklungsorientierung der Bangko Sentral ng Pilipinas (Zentralbank). Zudem solle der Fokus der sozialen Gerechtigkeit von der reinen Landparzellierung hin zur Investition in Humankapital, etwa durch technische Bildung in Bereichen wie Agribusiness oder maschinelles Lernen, verschoben werden. Um die Verbindung zwischen Wahlkampfspendern und regulatorischen Gefälligkeiten zu kappen, müsse der Kongress zudem eine staatliche Finanzierung politischer Parteien einführen.