Impeachment-Verfahren gegen Vizepräsidentin Duterte: Anklage wegen Millionenvermögens
EditDas Impeachment-Verfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte-Carpio wird am 9. November wieder aufgenommen. Die Ankläger des Repräsentantenhauses sehen die Verteidigung der Vizepräsidentin vor einer schwierigen Aufgabe, da sie umfangreiche Dokumente entkräften muss, die sie mit nicht erklärtem Vermögen in Höhe von mindestens 817 Millionen Pesos in Verbindung bringen. Laut Angaben der Anklage könnte die Summe sogar bis zu 1,5 Milliarden Pesos erreichen.
Robert Ace S. Barbers, Sprecher und Berater der Anklage, erklärte am Dienstag gegenüber Journalisten, dass die Beweise aus Regierungsunterlagen und den eigenen Offenlegungen von Duterte selbst stammen. Er bezeichnete die Situation für die Verteidigung als eine Art Schachmatt. Die Anklagebehörde habe Bankunterlagen, Dokumente des Bureau of Internal Revenue (BIR, die philippinische Steuerbehörde) sowie Erklärungen zu Vermögenswerten, SALN vorgelegt. Diese Dokumente zeigten Diskrepanzen zwischen den erklärten Vermögenswerten der Vizepräsidentin und ihrem tatsächlichen Finanzbesitz auf.
Barbers stellte infrage, ob die Verteidigung Zeugen von der Steuerbehörde, Banken oder dem Anti-Geldwäsche-Rat (Anti-Money Laundering Council) benennen könne, die den offiziellen Aufzeichnungen widersprechen könnten. Er verwies zudem auf die erklärten geschäftlichen Interessen von Duterte und forderte Klärung darüber, ob sie diese während ihrer Amtszeit als Vizepräsidentin ordnungsgemäß veräußert habe. Während die Verteidigung plant, mehr als 90 Zeugen zu präsentieren, betonte Barbers, dass dies weniger entscheidend sei als die Widerlegung der vorliegenden Dokumente. Er äußerte zudem Zweifel daran, ob die Behauptung, Duterte habe von bestimmten Banktransaktionen ihres Vaters oder Ehemanns nichts gewusst, ausreichen würde, um die Beweise der Anklage zu entkräften. Er zeigte sich zudem interessiert an der Aussage eines Experten für Finanzforensik, den die Verteidigung nach dem Anklagezeugen Alexander B. Cabrera aufrufen könnte.
Die Anklage konzentriert sich nun primär auf den Vorwurf des nicht erklärten Vermögens sowie falscher Angaben in den Vermögensverzeichnissen. Zuvor hatte das Anklagegremium des Repräsentantenhauses drei weitere Artikel der Anklage, die Vorwürfe der Veruntreuung vertraulicher Gelder, Bestechung sowie schwerer Drohungen gegen Präsident Ferdinand Marcos Jr., die First Lady Marie Louise Araneta-Marcos und einen ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, fallen gelassen. Duterte selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten. Der Senat hatte die Anhörungen bereits am 6. Juli begonnen, sie jedoch aufgrund von Haushaltsberatungen und zur Prüfung der Beweise bis zum 9. November ausgesetzt.
Angesichts des Verfahrens ist die politische Debatte über eine mögliche Nachfolge hitzig. Das Präsidialamt (Malacañang) wies Spekulationen über eine Nachfolge von Duterte als „äußerst verfrüht“ zurück. Clarissa A. Castro, Pressereferentin des Palastes, betonte in einer Pressekonferenz in Cagayan de Oro, dass Präsident Ferdinand Marcos Jr. wünsche, dass das Verfahren nach dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit und dem Gebot des Due Process bis zum Ende durchlaufen werde. Sie forderte zudem dazu auf, das Amt der Vizepräsidentin zu respektieren, ungeachtet politischer Differenzen oder negativer Äußerungen gegenüber dem Präsidenten.
Die Diskussion um die Nachfolge wurde durch Äußerungen des Senators Alan Peter S. Cayetano befeuert, der die Senatoren-Richter aufforderte, etwaige Angebote zur Übernahme des Vizepräsidentenamtes abzulehnen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Er betonte in einem Facebook-Post, dass Senatoren politisch neutral bleiben müssten. Castro kritisierte diesen Vorstoß als unzulässig und wies darauf hin, dass Cayetano weder die Entscheidung der Senatoren diktieren noch die Entscheidungen des Präsidenten vorwegnehmen könne. Laut Verfassung muss der Präsident im Falle einer Amtsenthebung einen Nachfolger aus dem Senat oder dem Repräsentantenhaus nominieren, der anschließend von einer Mehrheit der Mitglieder beider Kammern in getrennten Abstimmungen bestätigt werden muss. Auch andere Senatoren wie Joseph Victor „JV“ G. Ejercito und Francis G. Escudero äußerten sich zu der Problematik möglicher Interessenkonflikte bei der Nachfolge.
Sollte eine Verurteilung erfolgen, würde dies zur Amtsenthebung von Sara Duterte führen und sie von der Ausübung öffentlicher Ämter disqualifizieren. Dies könnte ihre Pläne, im Jahr 2028 für das Präsidentenamt zu kandidieren, massiv beeinträchtigen.






Keine Werbeblöcke mehr mit Supporter-Abo!