Gesellschaft: Cotabato

Identitätsstreit in Mindanao: Indigene Gruppen verteidigen Begriff „Lumad“

In Mindanao gibt es eine anhaltende Debatte über die korrekte Bezeichnung der dort ansässigen indigenen Völker. Während die nationale Kommission für indigene Völker (National Commission on Indigenous Peoples, NCIP) die Verwendung des Sammelbegriffs „Lumad“ ablehnt, bestehen indigene Organisationen darauf, dass dieser Begriff eine gültige kollektive Identität für jene Gemeinschaften darstellt, die ihn selbst gewählt haben.

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Quelle: Google

Nancy Catamco, die Vorsitzende der NCIP, vertritt die Position, dass die indigenen Gruppen in Mindanao aufgrund ihrer unterschiedlichen Sprachen, Traditionen, Gewohnheitsrechte und Regierungssysteme einzeln identifiziert werden sollten. In Beiträgen auf Facebook vom 22. und 24. Oktober erklärte sie, dass die Entscheidung einiger Gemeinschaften, sich als „Lumad“ zu bezeichnen, nicht automatisch zur Identität aller indigenen Völker in der Region werden könne. Sie selbst identifizierte sich dabei als Angehörige der Bagobo-Tagabawa und Ubu Monuvu aus North Cotabato. Sie forderte Bildungseinrichtungen, Universitäten, Medien und andere Institutionen auf, stattdessen die spezifischen ethnolinguistischen Zugehörigkeiten zu benennen, anstatt pauschal den Begriff „Lumad“ für alle indigenen Völker in Mindanao zu verwenden.

Diese Haltung der NCIP stützt sich auf die Resolution Nr. 08-009-2021 aus dem Jahr 2021, die den Begriff „Lumad“ ebenfalls kritisierte und die Öffentlichkeit dazu ermutigte, indigene Völker über ihre jeweiligen ethnolinguistischen Merkmale anzusprechen. Die Behördenleitung möchte, dass die Öffentlichkeit die Gemeinschaften über ihre jeweiligen ethnolinguistischen Merkmale anspricht.

Indigene Vertreterinnen und Vertreter weisen diese Argumentation zurück. Kat Dalon, ein Mitglied der Sabokahan Unity of Lumad Women und Angehörige der Obo Manobo, erklärte gegenüber Davao Today, dass die Identitäten nicht gegensätzlich seien. Man könne sich sowohl über die spezifische ethnolinguistische Zugehörigkeit als auch über die kollektive Identität als „Lumad“ definieren. Sie verdeutlichte dies mit der Aussage, dass sie sowohl Manobo als auch Lumad sei. Dalon kritisierte zudem Versuche, den Begriff zu diskreditieren, indem man ihn mit kommunistischen Bewegungen in Verbindung bringe. Sie betonte, dass die NCIP sich eher auf dringende Probleme wie die Auswirkungen von El Niño, den Schutz des angestammten Landes und das Recht auf Selbstbestimmung konzentrieren sollte. Sie forderte die Behörde auf, konkrete Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu ergreifen.

Auch die ehemalige Abgeordnete Eufemia Cullamat verteidigte den Begriff. Sie argumentierte, dass „Lumad“ Solidarität unter Gruppen widerspiegle, die ähnliche Kämpfe gegen Landraub, die Ausbeutung von Ressourcen und Menschenrechtsverletzungen führen. Einheit bedeute nicht, die Unterschiede zwischen den Gruppen auszulöschen. Cullamat betonte, dass die Gemeinschaften ihre spezifischen Namen, Sprachen, Kulturen und Geschichten behalten, auch wenn sie eine kollektive Identität nutzen. Zudem unterstrich sie die Wichtigkeit der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) bei Entscheidungen, die die indigenen Völker und deren angestammte Gebiete betreffen.

Die Debatte wird durch die Rolle der NCIP in staatlichen Gegeninsurgency-Bemühungen verschärft. Die Allianz Katribu Kalipunan ng Katutubong Mamamayan ng Pilipinas kritisierte in einer Erklärung vom April 2026 die Mitgliedschaft der Kommission in der Nationalen Task Force zur Beendigung des lokalen kommunistischen bewaffneten Konflikts. Die Gruppe äußerte die Besorgnis, dass die Verknüpfung von indigener Identität und Interessenvertretung mit der Aufständischenbewegung das Recht auf legitime Forderungen indigener Völker untergraben könnte. In diesem Zusammenhang forderte die Allianz sogar die Abschaffung der NCIP.

Der Begriff „Lumad“ hat eine feste politische Bedeutung. Laut Ian Christian Zerrudo, einem Forscher des Nationalmuseums der Philippinen, wurde die Bezeichnung am 26. Juni 1986 bei einer Versammlung in Cotabato von Vertretern 15 verschiedener ethnolinguistischer Gruppen als gemeinsame Identität angenommen. Ziel war es, Solidarität für kulturelle Anerkennung, den Schutz des angestammten Landes und Selbstbestimmung auszudrücken. Zerrudo merkte an, dass eine Institution das Recht der indigenen Völker auf Selbstbestimmung nicht untergraben dürfe, indem sie ihnen die Definition ihrer eigenen Identität absage. Er betonte, dass eine kollektive Identität für einige Gemeinschaften bedeutsam sein könne, ohne für andere verpflichtend zu sein. Er wies darauf hin, dass Konsultationen nicht nur die Meinung der Gemeinschaften abfragen dürften, sondern dass deren gewählte Identität auch reale Konsequenzen für die institutionelle Politik haben müsse. Der rechtliche Rahmen, darunter der Indigenous Peoples’ Rights Act von 1997 sowie die Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker, erkennt das Recht der Gemeinschaften an, ihre eigene Identität und Zugehörigkeit gemäß ihren Traditionen selbst zu bestimmen.