Manila Film Center: Ein Denkmal zwischen Architektur und Tragödie
EditAm Rande der Manila Bay steht ein umstrittenes Bauwerk, das weit über seine brutalistische Architektur hinaus Bedeutung besitzt: das Manila Film Center. Während Autofahrer auf dem Roxas Boulevard das massive, wettergegerbte Betongebäude oft mit einem antiken griechischen Tempel vergleichen, steht das Bauwerk für die Familien der Arbeiter, die während der Errichtung ums Leben kamen.
Die Geschichte des Gebäudes ist eng mit dem politischen Ehrgeiz der damaligen First Lady Imelda Marcos verbunden, die Manila als das „Cannes Asiens“ etablieren wollte. Der Architekt Froilan Hong entwarf das Zentrum für das erste Manila International Film Festival, das im Januar 1982 stattfinden sollte. Um diesen extrem engen Zeitplan einzuhalten, wurde der Bau im August 1981 mit massivem Zeitdruck und in Schichten durch tausende Arbeiter vorangetrieben. Dieser enorme Zeitdruck wurde zu einem untrennbaren Teil der problematischen Geschichte des Gebäudes.
Ein schweres Unglück ereignete sich am frühen Morgen des 17. November 1981 gegen 3 Uhr morgens: Während Beton gegossen wurde, stürzten Gerüste ein, wodurch Stahl, Holz und nasser Zement auf die Arbeiter unterhalb der Konstruktion krachten. Die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute Gegenstand von Diskussionen und politischer Kontroverse. Während die Regierung zunächst nur drei und später offiziell sieben Todesfälle meldete, berichtete die Nachrichtenagentur United Press International von 26 Toten. Es gibt zudem hartnäckige, aber nicht belegte Behauptungen, dass bis zu 168 oder 169 Arbeiter in den Fundamenten des Gebäudes eingemauert worden seien. Die Behauptung, dass Körper absichtlich im Beton versenkt wurden, bleibt umstritten, doch das Unglück wurde zu einer politischen Blamage für die Regierung, die wegen der überstürzten Bauweise und der Opferzahlen scharf kritisiert wurde.
Trotz der Tragödie wurde der Bau fertiggestellt, sodass das Filmfestival wie geplant im Januar 1982 eröffnet werden konnte, während das Land noch mit den Berichten über die getöteten Arbeiter rang. In der Folgezeit entwickelte sich das Gebäude zu einem der bekanntesten Orte für Geistergeschichten auf den Philippinen, da Besucher über unerklärliche Geräusche, Schritte und andere Störungen berichteten. Gruppen von Paranormal-Forschern besuchten das dunkle Bauwerk, was die Verbindung zu den verstorbenen Arbeitern verstärkte. Neben der paranormalen Folklore bleibt das Erbe des Zentrums jedoch vor allem eine Frage der Rechenschaftspflicht, der Arbeitsrechte und der menschlichen Kosten politischer Ambitionen. Das Gebäude hat im Laufe der Jahrzehnte unter Vernachlässigung gelitten, unter anderem durch einen Brand im Jahr 2013, der den Theaterbereich beschädigte.
Während über einen Abriss oder den Erhalt als historisches Mahnmal gegen die Exzesse der autoritären Herrschaft debattiert wird, setzen sich Künstler mit der Geschichte auseinander. Die Theaterproduktion „Sayaw ng mga Ilaw“ von Tanghalang Pilipino thematisiert die Tragödie aus der Sicht der Hinterbliebenen und rückt so den Fokus von Geistergeschichten auf das Leid der Arbeiter, die Erinnerung und den Kampf für Arbeitsrechte. Das Manila Film Center ist dabei nicht zu verwechseln mit dem Hauptkomplex des Cultural Center of the Philippines, der derzeit umfassend saniert wird und im ersten Quartal 2027 wiedereröffnet werden soll.






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