Finanzinstitute prognostizieren weitere Zinserhöhungen bis Anfang 2027
EditNach der überraschenden Anhebung des Leitzinses durch die philippinische Zentralbank (Bangko Sentral ng Pilipinas, BSP) rechnen verschiedene Think Tanks und Finanzinstitute mit weiteren Zinsschritten. Experten gehen davon aus, dass der Zinssatz bis zum ersten Quartal 2027 auf mindestens 6 Prozent steigen könnte, um dem zunehmenden Inflationsdruck und weiteren Aufwärtsrisiken bei der Inflation entgegenzuwirken.
Die Entscheidung des Geldpolitischen Rates der BSP, den Zielzinssatz (Target Reverse Repurchase Rate) zuletzt um 50 Basispunkte auf 5,50 Prozent anzuheben, begründete Gouverneur und Vorsitzender des Monetary Board, Eli M. Remolona Jr., mit unerwartet schlechten Preisentwicklungen. Die Anhebung am 22. Oktober war größer als die zuvor im Jahr durchgeführten Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkten. Die Zentralbank sah eine dringende Notwendigkeit für eine restriktive Geldpolitik, um die Inflation zu dämpfen, sogenannte Zweitrundeneffekte zu verhindern und die Inflationserwartungen fest zu verankern. In diesem Zusammenhang hob die BSP ihre Inflationsprognose für das Jahr 2027 von zuvor 5,4 Prozent auf nun 6 Prozent an, während für 2026 ein Durchschnittswert von 6,1 Prozent erwartet wird. Die Zentralbank betonte zudem, bereit zu sein, bei Bedarf weitere geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um die Rückkehr der Inflation in den Zielbereich sicherzustellen.
Unterschiedliche Institute zeichnen nun detaillierte Szenarien für die kommenden Monate. Nomura Global Markets Research prognostiziert eine weitere deutliche Erhöhung um 50 Basispunkte bei der nächsten Sitzung des Monetary Board im Dezember. Dies begründet das Institut mit Prognosen einer Headline-Inflation von etwa 7 Prozent in den nächsten zwei Monaten sowie einer weiter steigenden Kerninflation. Für das erste Quartal 2027, voraussichtlich im Februar, erwartet Nomura eine Verlangsamung der Zinsschritte auf 25 Basispunkte, sofern die Preise für Rohöl (Brent) sinken sollten. Dennoch verweist das Institut auf eine relativ hohe Unsicherheit bei seinen Prognosen. Das Risiko einer steigenden Inflation bleibe bestehen, insbesondere durch die potenzielle Gefahr eines starken El Niño-Phänomens in den kommenden Monaten sowie anhaltend hohe Energiepreise, falls die geopolitischen Spannungen im Iran anhalten.
Auch die australische ANZ Research geht von zwei weiteren Zinserhöhungen aus, die den Leitzins bis zum ersten Quartal 2027 auf 6 Prozent treiben könnten. ANZ weist darauf hin, dass trockenere Wetterbedingungen durch El Niño die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigen und somit die Lebensmittelpreise Ende 2026 sowie Anfang 2027 in die Höhe treiben könnten. Die Zentralbank beobachte dabei besonders die Breite der Inflation, die Dynamik der Kerninflation sowie die Teuerungsrate, mit der die untersten 30 Prozent der Haushalte nach Einkommen konfrontiert sind. Die Risiken für die Prognosen von ANZ hängen primär von der Schwere der El-Niño-Auswirkungen auf die Lebensmittelpreise und der Entwicklung der Rohölpreise ab.
Die US-Bank Citi unterstützt die Einschätzung weiterer Steigerungen und sieht für Dezember 2026 sowie Februar 2027 jeweils Erhöhungen um 25 Basispunkte. Citi wertet die Botschaft der BSP, dass das aktuelle Zinsniveau noch nicht restriktiv genug sei, als klares Signal für weitere Schritte. Zudem könnten geopolitische Risiken und Ölpreise dazu führen, dass sich die Inflation bis Anfang 2027 ausweitet. Citi merkt an, dass hohe Ölpreise die Inflation nicht nur über die Logistik und Transportkosten beeinflussen, sondern auch über den Wechselkurskanal aufgrund einer Verschlechterung der Terms of Trade. Nach dem neuen Jahr könnten zudem Preislisten für verschiedene Waren und Dienstleistungen deutlichere Anpassungen erfahren.
Eine etwas vorsichtigere Einschätzung gibt Oxford Economics ab. Das Institut erwartet zwar eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte im Dezember, geht jedoch davon aus, dass die Zentralbank die Zinsen im weiteren Verlauf des Jahres 2027 unverändert lässt. Oxford Economics wertet die angepassten Inflationsprognosen der BSP als Bestätigung für deren restriktive, oder „hawkish“, Geldpolitik, die darauf abzielt, die Inflation unter Kontrolle zu halten.





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