Zwei Männer sterben bei traditionellem Ritual zur Landstreitigkeit in Sarangani
EditEin traditionelles Ritual zur Beilegung eines Landstreits hat in der Gemeinde Alabel in der Provinz Sarangani zu zwei Todesfällen geführt. Die Männer, Gaspar Palasanon und sein Onkel Tonny Mansag, starben nach der Teilnahme an einem Wettbewerb am Glamang River. Der Vorfall ereignete sich laut Berichten von GMA News Online während einer Zeremonie, die bei den Blaan als Sulif und bei den Tagakaulo als Kallep bekannt ist.
Der Streit drehte sich um ein etwa 15 Hektar großes Grundstück. Die beteiligten Familien hatten vereinbart, den Konflikt durch dieses Ritual zu lösen. Bei diesem Verfahren müssen die Teilnehmer unter Wasser bleiben; wer zuerst auftaucht, gilt als Verlierer und verliert den Anspruch auf das Land. Um den Wasserstand für den Wettbewerb zu erhöhen, hatten Beamte der Barangay Steine platziert, wodurch das Wasser eine Kniehöhe erreichte.
Augenzeugen berichteten, dass die beiden Männer mehrere Minuten lang unter Wasser blieben, woraufhin die Sorge unter den Zuschauern wuchs. Der Zeuge Francisco gab an, dass die lange Wartezeit zu großer Ungewissheit geführt habe und er sogar lautstark befürchtet habe, dass beide bereits verstorben seien. Barangay-Beamte erklärten, sie hätten den Wettbewerb nach etwa zehn Minuten als Unentschieden gewertet. Als die Männer schließlich aus dem Wasser gezogen wurden, waren beide bereits leblos. Ein Zeuge beschrieb die Situation als beispiellos, da es das erste Mal in der Geschichte des Stammes sei, dass zwei Teilnehmer gleichzeitig bei diesem Ritual starben.
Die Hinterbliebenen der Verstorbenen äußerten sich tief erschüttert. Die Ehefrau von Gaspar, Antonina, die aufgrund einer Behinderung auf die Unterstützung ihres Mannes angewiesen war, zeigte sich fassungslos über den Verlust. Sie betonte, dass Gaspar die Familie unterstützte, darunter auch ihre zwei Kinder, die das College bzw. die High School besuchten. Die Tochter von Gaspar, Michelle, gab an, dass sie versucht hatten, ihren Vater von der Teilnahme am Sulif-Ritual abzubringen, er jedoch darauf beharrte. Sie äußerte zudem den Wunsch, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole, da ein verlorenes Leben nicht zurückgebracht werden könne.
Rogelio, der Sohn von Tonny, berichtete, dass sein Vater beim Herausziehen aus dem Wasser bereits keine Luft mehr holte und sein Körper steif wie Holz war. Trotz des Tragischen gaben beide Familien an, den Beamten der Barangay keine Schuld zu geben, da die Entscheidung zur Teilnahme bei den Männern selbst gelegen habe. Die Familien brachten die Verstorbenen anschließend für die Trauerfeiern und Beerdigungen nach Hause.
Die Ursache des Landstreits ist komplex. Die Familie von Gaspar beabsichtigte, das Land für den Anbau von Mais und Kokospalmen zu nutzen. Michelle ergänzte, dass ihre Familie eine starke Bindung zum Land habe, da ihr Großvater und ihr Vater dort gelebt hatten, und dass Gaspar gehört habe, dass jemand das Grundstück entwickeln wolle. Die Familie von Tonny hingegen vertrat die Ansicht, das Land sei ihren Vorfahren als Bangon übertragen worden, einer traditionellen Form der Entschädigung für ein Tötungsdelikt innerhalb der Gemeinschaft, die neben Land auch Pferde oder Wasserbüffel umfassen kann. Gaspar's Onkel, Lemon, widersprach dieser Darstellung und behauptete, die Entschädigung sei bereits geleistet worden und das Land gehöre somit der Familie von Gaspar.
Vor dem tödlichen Vorfall hatten die Familien bereits vier Monate lang versucht, den Streit durch Gespräche und Schlichtungsverfahren auf Ebene der Barangay zu lösen. Barangay-Captain Franklin berichtete von drei Treffen vor dem Schlichtungsausschuss sowie einem weiteren Gespräch mit ihm, wobei keine Einigung erzielt werden konnte. Obwohl die Parteien an die National Commission on Indigenous Peoples (NCIP) oder an den Indigenous Peoples Mandatory Representative (IPMR) verwiesen wurden, bevorzugten sie die traditionelle Praxis als letzte Instanz.
Ein Vertreter des IPMR erläuterte, dass das Sulif-Ritual seit unvordenklichen Zeiten praktiziert werde, wenn Diskussionen scheitern. Ein Vertreter des Sarangani Province Indigenous Peoples Congress fügte hinzu, dass es Teil des gewohnheitsrechtlichen Justizsystems sei, kritisierte jedoch, dass es nicht zur Bestimmung von Landbesitz genutzt werden sollte, da hierbei die historische Herkunft des Grundstücks und die Aussagen der Menschen vor Ort berücksichtigt werden müssten. Ein lokaler IPMR wies zudem darauf hin, dass beim Tauchen Sand in Nase, Mund oder Ohren eindringen kann, erwähnte aber auch den Gemeinschaftsglauben, dass ein Unschuldiger durch göttlichen Segen unter Wasser atmen könne.
Rechtliche Experten wiesen darauf hin, dass das Indigenous Peoples' Rights Act (IPRA) zwar das Recht auf die Ausübung traditioneller Gesetze anerkennt, diese jedoch nicht im Widerspruch zum nationalen Recht, der öffentlichen Ordnung oder internationalen Menschenrechtsstandards stehen dürfen. Ein Anwalt der Blaan-Gemeinschaft betonte, dass die Gewohnheitsrechte somit nicht absolut seien und mit dem Zivilgesetzbuch vereinbar sein müssen.
Die NCIP hat nach dem Vorfall eine Untersuchung eingeleitet und die Ergebnisse an die regionalen und nationalen Büros weitergeleitet. Um den Konflikt nun friedlich beizulegen, wurde ein Kompromissvorschlag erarbeitet, nach dem das umstrittene Land zu gleichen Teilen, also jeweils 50 Prozent, zwischen den Familien aufgeteilt werden soll. Die Familien lehnten die Einleitung von Strafverfahren ab. Der Sarangani Province Indigenous Peoples Congress appellierte zudem an die Öffentlichkeit, die Traditionen der Gemeinschaft nicht zu verspotten und kritisierte die Online-Verbreitung von Aufnahmen des Rituals, da dieses als heilig gilt.
Innerhalb der Gemeinschaft wurden nun Forderungen laut, Schutzmaßnahmen für zukünftige Rituale einzuführen. Es wurde vorgeschlagen, eine Zeitbegrenzung von zwei bis drei Minuten einzuführen, um ähnliche Tragödien zu verhindern, ohne die Tradition gänzlich aufzugeben. Ein früherer Fall aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Teilnehmer das Ritual nach etwa drei Minuten abbrachen, wenn sie die Belastung nicht mehr ertragen konnten.






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