Gesellschaft: Metro Manila

Studie warnt vor körperlicher Züchtigung als Erziehungsmethode

Körperliche Bestrafungen wie Schläge oder der Einsatz von Gegenständen wie Stöcken, Besen oder Kleiderbügeln werden in vielen Familien oft als wirksame Disziplinierungsmethode angesehen. Viele Eltern folgen dabei dem Prinzip, dass man Kinder durch körperliche Züchtung korrigiert, um sie vor Fehlverhalten zu bewahren. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese Form der „harten Liebe“ keine positiven Effekte auf die Entwicklung von Kindern hat und stattdessen langfristige psychische Probleme fördern kann. Entgegen der Annahme, dass solche Methoden Kinder widerstandsfähiger gegen künftige Krisen machen, zeigt die Wissenschaft, dass Gewalt keine positive Erziehung darstellt.

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Symbolbild: Envato

Dr. Liane Peña Alampay, Professorin für Psychologie an der Ateneo de Manila University, stellte diese Erkenntnisse im Rahmen der „Ateneo Breakthroughs Lecture“ vor. Sie bezog sich dabei auf das internationale Forschungsprojekt „Parenting Across Cultures“ (PAC), eine über 15 Jahre laufende Langzeitstudie, die als das weltweit größte multikulturelle Projekt dieser Art gilt. Das Projekt untersuchte rund 4.500 Familien in neun Ländern, darunter die Philippinen, China, Kolumbien, Italien, Jordanien, Kenia, Schweden, Thailand und die USA. Als Leiterin des philippinischen Standorts untersuchte Alampay, wie die Erziehung die kindliche Entwicklung prägt und wie die Kultur die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern beeinflusst.

Die Ergebnisse der PAC-Studie verdeutlichen, dass häufige körperliche Züchtigung mit einer Zunahme von Angstzuständen und Aggressionen bei Kindern einhergeht. Obwohl die kulturelle Akzeptanz solcher Praktiken die negativen Auswirkungen in manchen Fällen abmildern mag, bleibt die Methode laut Alampay in keinem Fall vorteilhaft. Sie betonte, dass Disziplinierung durchaus notwendig sei, diese jedoch ohne Schmerz oder Härte erfolgen müsse. Die Forschung zeigt, dass die Einstellungen, Verhaltensweisen und die Beziehung der Eltern die persönliche, körperliche und psychologische Anpassung sowie die kognitive Entwicklung und das soziale Verhalten der Kinder maßgeblich formen.

Im philippinischen Kontext wird körperliche Züchtigung, oft als „pamamalo“ bezeichnet, häufig mit dem Begriff der Disziplin gleichgesetzt. Alampay stellte jedoch klar, dass es viele Formen der Erziehung gibt. Sie unterschied dabei zwischen einem autoritären Erziehungsstil, der auf strenger Gehorsamkeit und Respekt vor Autorität basiert, und einem autoritativen Stil. Letzterer kombiniert klare Regeln und Erwartungen mit emotionaler Wärme, offener Kommunikation und der Berücksichtigung der Perspektive des Kindes. Die untersuchten philippinischen Eltern zeigten unter den Teilnehmern tendenziell die stärksten autoritären Einstellungen.

Die Forschung zeigt zudem, dass Ablehnung, Vernachlässigung oder Feindseligkeit innerhalb der Familie mit emotionalen und verhaltensbezogenen Schwierigkeiten zwischen dem siebten und vierzehnten Lebensjahr korrelieren. Im Gegensatz dazu schützt ein wertschätzendes Umfeld Kinder vor Depressionen, Angstzuständen und antisozialem Verhalten. Alampay wies darauf hin, dass auch die Beziehung in der Schule eine Rolle spielt: Eine harte Erziehung zu Hause kann in Kombination mit Mobbing und Ausgrenzung in der Schule dazu führen, dass Jugendliche anfälliger für gewaltverherrlichende Online-Gruppen werden. Um Schulgewalt zu verhindern, müssten Schulen nicht nur physisch sicher sein, sondern auch durch Lehrer und Mitschüler als sichere Räume fungieren.

Ein interessanter Aspekt sind die engen familiären Bindungen, die als potenzielle Stärke gelten. Das Übernehmen von Familienverantwortlichkeiten, wie die Unterstützung von Geschwistern oder die Hilfe im Haushalt, konnte später hilfreiches Verhalten fördern und bei philippinischen Teilnehmern sogar vor den negativen Auswirkungen einer harten Erziehung schützen. Alampay merkte jedoch an, dass äußere Faktoren wie finanzielle Not, unsichere Wohnviertel oder Instabilität im Haushalt den Stress der Eltern erhöhen und das Risiko für harte Erziehungsmethoden steigern können.

Als praktisches Hilfsmittel wurde das Programm „Masayang Pamilya“ (MaPa) vorgestellt, eine philippinische Anpassung der Intervention „Parenting for Lifelong Health“. Das Programm soll positive Beziehungen zwischen Bezugspersonen und Kindern fördern, das Wohlbefinden aller Beteiligten steigern und häusliche Gewalt verhindern. Durch praktische Übungen, Modellskripte, illustrierte Geschichten und Stressmanagement lernen Eltern neue Fähigkeiten. Eine kontrollierte Studie zeigte, dass MaPa die Misshandlung von Kindern auch ein Jahr nach Abschluss des Programms nachhaltig reduzierte.

Aktuell arbeitet das Team von Alampay mit dem Department of Social Welfare and Development (DSWD) zusammen, um MaPa über Entwicklungsgespräche für Empfänger von bedingten Geldtransfers auszuweiten. Alampay betonte, dass Eltern oft nicht absichtlich negativ erziehen, sondern häufig selbst das Ergebnis ihrer eigenen Erziehung sind und oft nicht wissen, wie sie ihre Kinder optimal fördern können. Unterstützung und Empathie statt Verurteilung seien daher der beste Weg, um Eltern dabei zu helfen, alte Muster abzulegen und positive Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen.