Gesellschaft: Landesweit

Experten fordern Ausweitung der HPV-Impfungen zur Bekämpfung von Gebärmutterhalskrebs auf den Philippinen

Die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs auf den Philippinen könnte durch eine breitere Abdeckung mit HPV-Impfungen beschleunigt werden. Experten des European Parliamentary Forum for Sexual and Reproductive Rights (EPF) fordern daher eine Ausweitung der Impfprogramme, insbesondere auch auf Jungen, die derzeit nicht oder nicht ausreichend geimpft werden. Dies gilt als entscheidender Schritt zur Verbesserung der Prävention. Die jüngste Vorstellung des „HPV Prevention Policy Atlas Asia-Pacific 2026“ im philippinischen Repräsentantenhaus verdeutlichte dabei die Notwendigkeit, die Lücken zwischen bestehenden politischen Rahmenbedingungen und deren praktischer Umsetzung vor Ort zu schließen.

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Symbolbild: Envato

Im Vergleich zu ihren südostasiatischen Nachbarn liegt das Land bei der Prävention von Gebärmutterhalskrebs zurück. Der Atlas, der als Benchmark-Instrument und nicht als epidemiologische Studie konzipiert ist, bewertet nationale Rahmenbedingungen in den Bereichen HPV-Impfung, Gebärmutterhalskrebs-Screening und den Zugang zu verifizierten Gesundheitsinformationen im Internet. Die Philippinen erreichten dabei eine Punktzahl von 71,6 Prozent. Damit liegen sie hinter mehreren Nachbarstaaten zurück, darunter Brunei Darussalam mit 87,7 %, Malaysia mit 86 %, Indonesien mit 84,2 %, Singapur mit 79,7 % und Thailand mit 78,9 %. Diese Ergebnisse unterstreichen die Diskrepanz zwischen den etablierten Richtlinien und der tatsächlichen Umsetzung in den Gemeinden.

Das staatliche Schulimpfprogramm (School-Based Immunization Program, SBIP) bietet derzeit Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren in öffentlichen Schulen zwei kostenlose HPV-Impfungen an. Marina Davidashvili, Leiterin für Politik und Forschung beim EPF, kritisiert jedoch, dass die politischen Grundlagen zwar vorhanden seien, es jedoch an der praktischen Umsetzung vor Ort fehle. Einige lokale Regierungen und öffentliche Krankenhäuser führen ergänzend Impfkampagnen für bedürftige Patienten durch, doch bleiben Mädchen ohne Schulbesuch am Tag der Impfung ungeschützt. Davidashvili betont, dass Mädchen, die am geplanten Impftag nicht in der Schule sind, keine andere Möglichkeit haben, die Impfung zu erhalten, weshalb robuste Nachholprogramme und verbesserte Systeme zur Verfolgung des Impfstatus zwingend notwendig seien.

Das EPF sieht zudem die Notwendigkeit, die Impfung auf Jungen auszuweiten, um eine geschlechtsneutrale Strategie zu verfolgen. Da das HPV-Virus auch bei Männern verschiedene Krebsarten auslösen kann, ist das Bewusstsein für dieses Risiko noch zu gering. Neil Datta, Gründer und Exekutivdirektor des EPF, erklärt, dass eine Impfung von Jungen die Übertragung des Virus in der gesamten Bevölkerung reduzieren und den Schutz verbreitern könnte. Er sieht eine geschlechtsneutrale Impfung als ein Ziel an, das mittelfristig angestrebt werden muss.

Um die Finanzierung der Präventionsmaßnahmen zu verbessern, schlägt das EPF vor, lokale Mittel für Geschlechtergerechtigkeit und Entwicklung (Gender and Development, GAD) verstärkt für HPV- und Gebärmutterhalskrebs-Initiativen zu nutzen. Datta weist darauf hin, dass das potenzielle Geld vorhanden sei, es jedoch an klaren administrativen Richtlinien fehle, um diese Mittel für diesen Zweck freizugeben. Da das philippinische Gesundheitssystem dezentral organisiert ist, könnten lokale Regierungseinheiten (Local Government Units, LGUs), die politischen Willen zeigen, Programme schneller umsetzen, ohne auf Anweisungen aus der Hauptstadt warten zu müssen.

Die Diskussion im Repräsentantenhaus, an der auch etwa zehn Abgeordnete, darunter hochrangige Kongressmitglieder, sowie Überlebende von Gebärmutterhalskrebs und zivilgesellschaftliche Gruppen teilnahmen, verlief laut Datta konstruktiv. Alle Beteiligten suchten nach Lösungen. Um diesen Schwung beizubehalten, sei eine koordinierte Zusammenarbeit erforderlich: Der Kongress müsse die Aufsicht führen, damit öffentliche Mittel die vorgesehenen Empfänger erreichen, nationale Behörden müssten klare Finanzierungs- und Betriebsrichtlinien vorgeben und die lokalen Verwaltungen müssten die Bereitstellung der Dienste in den Gemeinden stärken. Ein langfristiges nationales Engagement über verschiedene Regierungsperioden hinweg sei essenziell, um den Rückstand gegenüber den regionalen Spitzenreitern aufzuholen.