Gesellschaft: Metro Manila

Demenzprävention: Experten raten zu lebenslangem Fokus auf die Gehirngesundheit

Der Schutz der geistigen Leistungsfähigkeit ist keine Aufgabe des hohen Alters, sondern ein lebenslanger Prozess, der bereits in der Kindheit beginnt. Laut Dr. Socorro Martinez, Neurologin am St. Luke’s Medical Center in Quezon City und Global City sowie Leiterin des Instituts für Neurowissenschaften am St. Luke’s-Quezon City, können Prozesse, die zu einem kognitiven Abbau führen, bereits Jahre vor dem Auftreten erster Symptome im Gehirn ablaufen.

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Symbolbild: Envato

Dr. Martinez weist darauf hin, dass bei der Alzheimer-Demenz die biologischen Veränderungen oft schon 15 bis 20 Jahre vor den ersten Anzeichen von Kurzzeitgedächtnisverlusten einsetzen. Die WHO unterteilt präventive Maßnahmen in drei Bereiche: die Förderung eines gesunden Lebensstils durch Interventionen zur Verhaltensänderung, die Behandlung von Gesundheitszuständen oder biologischen Faktoren, die das Risiko erhöhen, sowie die Adressierung von Umweltfaktoren.

Obwohl eine Demenz nicht immer verhindert werden kann, kann die Adressierung modifizierbarer Risikofaktoren und die Einhaltung gesunder Lebensgewohnheiten helfen, das Risiko eines kognitiven Abbaus im späteren Leben zu senken. Ein wesentlicher Pfeiler der kognitiven Gesundheit ist die Bildung. Studien belegen, dass Menschen mit einer längeren Schul- und Ausbildungszeit ein geringeres Demenzrisiko aufweisen. Dr. Martinez betont daher, dass der Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung, frühkindliche Förderung durch interaktive Lernprozesse sowie geistig anregende Lernumgebungen eine Priorität für die Regierung sein sollten, um die langfristige Gehirngesundheit der Bürger zu fördern. Bildung bietet jedoch keinen absoluten Schutz, da auch genetische, medizinische und lebensstilbedingte Faktoren das individuelle Risiko beeinflussen.

Der Schutz des Gehirns setzt sich über das Klassenzimmer hinaus fort. In der Phase des jungen Erwachsenenalters, etwa zwischen den Teenagerjahren und dem 35. Lebensjahr, rückt der Schutz vor Kopfverletzungen in den Fokus. Verletzungen durch Sportunfälle oder Verkehrsunfälle stellen hier ein besonderes Risiko für die langfristige Gehirngesundheit dar. Die Vermeidung von Kopfschäden ist eine wesentliche Methode, um die Gehirngesundheit über die Zeit zu sichern.

Mit zunehmendem Alter gewinnt die Herz-Kreislauf-Gesundheit an Bedeutung. Dr. Martinez identifiziert unkontrollierten Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas in der mittleren Lebensphase als Faktoren, die den kognitiven Abbau begünstigen können. Sie warnt insbesondere vor Bluthochdruck, da dieser das Risiko für Schlaganfälle erhöht, welche wiederum eine Ursache für Demenz sind. Aufgrund des hohen gesellschaftlichen Stresses wird vermehrt Bluthochdruck auch bei jüngeren Millennials beobachtet, was deren Schlaganfallrisiko erhöht. Das Management chronischer Erkrankungen sollte daher nicht nur zum Schutz des Herzens, sondern explizit auch zur Pflege des Gehirns betrachtet werden.

Ernährung und Schlaf spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Als Orientierung für eine ausgewogene Ernährung empfiehlt die Expertin neben der mediterranen Diät oder der DASH-Diät auch das staatliche Programm „Pinggang Pinoy“ der Philippinen. Eine gesunde Ernährung dient dabei sowohl dem Herzen als auch dem Schutz des Gehirns. Ein weiterer kritischer Faktor ist der Schlaf. Laut Dr. Martinez sollten Menschen sieben bis acht Stunden ununterbrochenen, qualitativ hochwertigen Schlaf erhalten. Dabei ist sowohl die Schlafdauer als auch die Fähigkeit, einzuschlafen oder durchzuschlafen, entscheidend. Während der Tiefschlafphase nutzt das Gehirn das sogenannte glympathische System, um toxische Substanzen wie Beta-Amyloid- und Tau-Proteine auszuspülen, die in der Kaskade der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Ein regelmäßiger morgendlicher Aufenthalt im Sonnenlicht bei einem zügigen Spaziergang, idealerweise für 30 bis 60 Minuten, kann dabei helfen, den biologischen Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren und so einen erholsamen Nachtschlaf zu fördern.

Zu den weiteren Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil gehören mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, soziale Aktivitäten, das Suchen nach neuen Erfahrungen wie Reisen oder neuen Hobbys, geistige Herausforderungen sowie das Vermeiden von übermäßigem Alkoholkonsum und Rauchen. Auch Umweltfaktoren wie die Luftverschmutzung könnten ein Risiko für Demenz im späteren Leben darstellen, wobei deren genauer Einfluss noch weiter erforscht werden muss.

Wenn Veränderungen in der Wahrnehmung auftreten, sollten diese ernst genommen werden. Dr. Martinez berichtet von zunehmenden Beschwerden über „Gehirnnebel“ (Brain Fog), Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken bei Erwachsenen zwischen 18 und 35 Jahren. Diese Symptome können teilweise mit Folgen von COVID-19 zusammenhängen, aber auch durch Depressionen, Schlafmangel oder Stress verursacht werden. Ein einmaliges Auftreten von Gehirnnebel bedeutet jedoch nicht automatisch eine kognitive Beeinträchtigung oder Demenz. Wenn solche Symptome jedoch beständig werden und fast täglich auftreten, ist eine professionelle Abklärung notwendig. Warnsignale sind unter anderem Schwierigkeiten bei der Urteilsbildung, das Vergessen neu gelernter Informationen, Desorientierung in vertrauter Umgebung, Wortfindungsstörungen oder das Schwierigkeiten, einer laufenden Konversation zu folgen. Wenn die Probleme fortschreiten, können sie die Fähigkeit beeinträchtigen, alltägliche Aktivitäten selbstständig auszuführen. Auch Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen können Anzeichen für eine fortschreitende Demenz sein. Da einige Ursachen behandelbar sein können, ist eine professionelle Untersuchung wichtiger als eine Selbstdiagnose. Das Memory Center am St. Luke’s Medical Center bietet umfassende kognitive und verhaltensbezogene Untersuchungen an, um die Ursachen solcher Schwierigkeiten zu ermitteln und die nächsten Schritte festzulegen. Das Ziel ist es, die kognitive Funktion und Unabhängigkeit so lange wie möglich zu bewahren.