Wirtschaft: Iloilo

Philippinsche KI-Strategie: Fokus auf lokale Anwendungen statt Wettbewerb mit dem Silicon Valley

Die philippinische Regierung verfolgt bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) einen pragmatischen Kurs, der sich bewusst gegen einen direkten technologischen Wettlauf mit dem Silicon Valley stellt. Während des AI Fest 2026 in Iloilo City erklärte Wissenschaftsminister Renato Solidum Jr., dass es nicht das Ziel der Nation sei, die technologischen Giganten der USA zu übertreffen. Angesichts globaler Investitionssummen von über 6,6 Milliarden US-Dollar für das Training massiver Sprachmodelle wird ein direkter Wettbewerb als finanziell nicht realisierbar eingestuft.

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Quelle: Google

DOST auf die Entwicklung von KI-Lösungen, die auf die spezifischen Lebensrealitäten der Philippinen zugeschnitten sind. Ziel ist es, Technologien zu schaffen, die beispielsweise lokale Verkehrsmittel wie Jeepneys erkennen können oder Wettermodelle, die auf tropische Zyklone spezialisiert sind, anstatt auf die klimatischen Bedingungen gemäßigter Zonen.

Ein entscheidender Schritt zur Umsetzung dieses Vorhabens ist die Konsolidierung verschiedener Regierungsprojekte unter dem National Artificial Intelligence Center for Research and Innovation (NAICRI). Diese Zentralisierung wird als notwendige technische Voraussetzung angesehen, um eine fundierte Datenbasis zu schaffen. Da KI-Modelle maßgeblich von der Qualität der Trainingsdaten abhängen, ist der Aufbau einer eigenen, strukturierten Datenlandschaft essenziell, um die Unzulänglichkeiten ausländischer Modelle im lokalen Kontext zu beheben.

Die technische Umsetzung steht jedoch vor komplexen Hürden. Projekte wie das visuelle Verkehrssystem vBANT.AI, das Dreiräder (Tricycles) erfassen soll, benötigen Millionen von präzise beschrifteten Datenpunkten philippinischer Straßen. Ebenso stellen sprachbasierte Werkzeuge wie iTanong eine Herausforderung dar, da die Bevölkerung in fast jedem Satz zwischen verschiedenen Regionalsprachen und Englisch wechselt (Code-Switching). Ohne diese lokalen Daten können ausländische Modelle den kulturellen und sprachlichen Kontext nicht korrekt abbilden.

In der Region Western Visayas zeichnet sich bereits eine Vorreiterrolle ab. Der dortige Regional Development Council hat als erste Instanz sowohl einen KI-Aktionsplan als auch Richtlinien für Governance und Ethik verabschiedet. Durch die Bereitstellung von Rechenkapazitäten an lokalen Bildungseinrichtungen wie der West Visayas State University (WVSU) und der Iloilo Science and Technology University (ISAT U) soll technisches Talent dezentralisiert werden. Dies soll verhindern, dass Fachkräfte für die Entwicklung lokaler Werkzeuge zwangsläufig in die Hauptstadt Manila abwandern müssen.

Trotz dieser Ansätze besteht eine erhebliche Diskrepanz bei der praktischen Anwendung der Technologie. Laut Solidum verfügen zwar 80 Prozent der philippinischen Betriebe über eine grundlegende digitale Infrastruktur, doch lediglich etwa 15 Prozent nutzen bereits fortgeschrittene KI-Werkzeuge. Diese Nutzung beschränkt sich derzeit vor allem auf große Unternehmen in urbanen Gebieten. Es besteht die Sorge, dass die nationale KI-Strategie (NAIS-PH) den Zugang für die verbleibenden 85 Prozent der Unternehmen, vor allem kleine und mittlere Betriebe, nicht ausreichend demokratisiert. Ein Mangel an spezialisierten Fachkräften trifft diese kleineren Unternehmen besonders hart, da sie nicht mit den Gehältern großer Konzerne konkurrieren können, was die digitale Kluft im Land weiter vertiefen könnte.