Mitglied der Iglesia Ni Cristo kritisiert selektive Justiz in den Philippinen
In den Philippinen hat ein Mitglied der Religionsgemeinschaft Iglesia Ni Cristo (INC) in einem offenen Brief die Forderung nach einer gleichberechtigten Untersuchung von Korruptionsvorwürfen gegen hochrangige Regierungsmitglieder erhoben. Vor einer sogenannten „selektiven Justiz“ wird gewarnt, bei der Untersuchungen je nach politischer Zugehörigkeit unterschiedlich bewertet würden.
Im Zentrum der Kritik steht die Diskrepanz in der Wahrnehmung laufender Untersuchungen. Während die Ermittlungen im Zusammenhang mit Korruption bei Hochwasserschutzprojekten, die Präsident Ferdinand Marcos Jr. und dessen Verbündete betreffen, als notwendiger Schritt für Gerechtigkeit und Wahrheit angesehen werden, werden Untersuchungen gegen Vizepräsidentin Sara Duterte und Senator Rodante Marcoleta als bloße politische Schikane abgetan. Der Autor des Briefes betont, dass die Unregelmäßigkeiten bei den Hochwasserschutzprojekten zwar finanziell schwerer wiegen könnten als die ungeklärten Geheimgelder oder nicht deklarierten Wahlkampfspenden anderer Politiker, beide Themen jedoch gleichermaßen aufgeklärt werden müssten.
Der Brief bezieht sich auf die politische Stimmung, die durch Demonstrationen für Transparenz und eine bessere Demokratie geprägt ist. Frühere Aussagen von INC-Vertretern werden dabei angeführt, wie etwa die von General-Evangelist Bienvenido Santiago Jr., der im November 2025 dazu aufrief, alle Verantwortlichen für Korruption unabhängig von ihrer Position zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Arnel Tumanan äußerte sich bei einem Protest auf der EDSA im Juli 2026 kritisch über das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgern und gewählten Amtsträgern.
Der Verfasser des offenen Briefes betont zudem das Recht der Bürger auf politische Teilhabe und Protest. Er weist darauf hin, dass Kritik an der Regierung nicht automatisch als Verfolgung der Religionsgemeinschaft gewertet werden sollte, insbesondere wenn die Angelegenheiten das gesamte Land betreffen. Er mahnt an, dass die INC in der Vergangenheit bei großen politischen Skandalen, von der Ära Estrada bis Duterte, oft zu schweigsam geblieben sei und fordert nun eine aktivere Rolle bei der Forderung nach Rechenschaftspflicht.
Quellen
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