Politik: Landesweit

Marcos' Versprechen zur schnellen Krisenbewältigung im Widerspruch zu Zeitplänen

In seiner fünften Rede zur Lage der Nation (State of the Nation Address, SONA) stellte Präsident Ferdinand Marcos Jr. seine Regierung als proaktiv und schnell handelnd dar. Er verwendete Begriffe wie „sofort“ oder „schnell“ wiederholt, um die Reaktion seiner Administration auf die Wirtschaftslage, die Infrastruktur und die Krise im Nahen Osten zu beschreiben. Recherchen von Rappler zeigen jedoch, dass die tatsächlichen Zeitabläufe hinter diesen Aussagen oft deutlich länger waren als vom Präsidenten suggeriert.

President Ferdinand Marcos der Philippinen – am Rednerpult stehend
Quelle: Google

Ein zentraler Punkt der Rede war die Reaktion auf die Krise im Nahen Osten, die am 28. Februar 2026 begann. Marcos behauptete, die Regierung habe sofort gehandelt. Tatsächlich dauerte es jedoch fast einen Monat, bis am 24. März 2026 per Dekret ein nationaler Energie-Notstand ausgerufen wurde. Die Aussetzung der Verbrauchssteuer auf LPG und Kerosin trat erst am 17. April in Kraft, 48 Tage nach Beginn der Krise und 23 Tage nach der Befugnis durch den Kongress. Auch die Deckelung der Reispreise auf 50 Pesos pro Kilogramm erfolgte erst am 13. Mai, also etwa zwei Monate nach Ausbruch der Krise.

Auch im Bereich der Wirtschaft zeichnet sich ein anderes Bild als in der Rede geschildert. Marcos gab an, um steigende Preise gegengesteuert zu haben, indem Banken und E-Wallet-Anbieter zur Senkung von Transaktionsgebühren bewegt wurden. Die erste Reduzierung erfolgte jedoch erst 82 Tage nach Beginn der Krise im Nahen Osten. Die staatliche LANDBANK senkte ihre InstaPay-Gebühren erst am 21. Mai von 15 auf 8 Pesos und stellte Gebühren für Online-Regierungszahlungen erst ab dem 1. Juni ein.

Hinsichtlich der Infrastruktur behauptete der Präsident, beschädigte Brücken in Regionen wie Eastern Visayas, Isabela, Cagayan, Samar und Iligan seien umgehend repariert worden. Die Realität der Sanierungsarbeiten ist jedoch differenzierter. Die San Juanico-Brücke in Eastern Visayas wird weiterhin instand gesetzt und soll erst im Oktober 2026 wieder voll nutzbar sein, nachdem bereits im Mai 2025 Lastbeschränkungen verhängt wurden. Die Brücke Cabagan-Sta. Maria in Isabela ist nach aktuellem Stand im März 2026 nur für Fahrzeuge bis zu drei Tonnen befahrbar. An der Calbiga-Brücke wurde im Juni 2026 lediglich die erste Phase der Sanierung abgeschlossen, während die Piggatan-Brücke in Cagayan nicht repariert, sondern durch eine Behelfsbrücke ersetzt wurde, während der Bau einer dauerhaften Konstruktion noch andauert.