Kritik an kolonialem Erbe und politischer Machtstruktur auf den Philippinen
EditIn einem aktuellen Kommentar setzt sich Carvajal kritisch mit der historischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Philippinen auseinander. Unter Bezugnahme auf die Worte des dänischen Philosophen und lutheranischen Theologen Søren Kierkegaard, wonach das Leben rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden müsse, argumentiert der Text, dass eine mangelnde Auseinandersetzung mit der dunklen kolonialen Vergangenheit die Entwicklung des Landes behindere und die heutige politische Landschaft präge.
Carvajal zieht Parallelen zwischen der Geschichte der Kolonialisierung und der gegenwärtigen Machtverteilung. Er führt an, dass die Wahrnehmung historischer Ereignisse maßgeblich beeinflusst, wie die nationale Identität verstanden wird. Dies gelte insbesondere, wenn Ferdinand Magellan weiterhin als Entdecker der Philippinen dargestellt wird, die USA als Befreier gelten oder die Ära des Kriegsrechts unter Marcos Sr. als positiv dargestellt wird, wie es etwa dessen Sohn Marcos Jr. bei vielen Menschen erreicht habe. Laut dem Kommentar habe die Unterwerfung unter fremde Mächte wie das katholische Spanien und die USA dazu geführt, dass die Filipinos ihr Selbstwertgefühl verloren haben. Die Geschichte werde dabei stets von den Siegern geschrieben und nicht von den Besiegten.
Diese historische Entwicklung habe den Weg für die heutige Dominanz lokaler politischer Dynastien geebnet. Carvajal beschreibt diese Dynastien als die heutigen „Jäger“, denen die Bevölkerung durch eine tief verwurzelte Unterwürfigkeit und ein falsches Verständnis von Autorität weiterhin dient. Er nutzt das afrikanische Sprichwort, dass die Geschichten der Jagd immer die Jäger verherrlichen, solange die Löwen keine eigenen Historiker haben. Die Filipinos seien von einstigen Eigentümern des Landes zu Untertanen des spanischen Königs und des US-Präsidenten geworden, um schließlich den politischen Dynastien zu dienen. Ein wesentlicher Faktor sei die Lehre des katholischen Spaniens, wonach alle Autorität von Gott komme und somit der König von Spanien gehorchen müsse. Diese Vorstellung, dass die Autorität der Elite gottgegeben sei, habe sich im Unterbewusstsein verankert und führe dazu, dass die reiche Minderheit die arme Mehrheit regiert.
Als Lösung für diesen Zustand wird auf die pädagogischen Ansätze des brasilianischen Erziehers Paulo Freire verwiesen, der Ende der 1960er Jahre die „Pädagogik der Unterdrückten“ veröffentlichte. Diese ziele darauf ab, kolonialisierte Völker von einer Kultur der Selbstverleugnung zu befreien. Anstatt ein rein reproduktives oder „bankenartiges“ Bildungssystem beizubehalten, das soziale Hierarchien als gottgegeben oder normal erscheinen lässt, sei eine befreiende Bildung notwendig. Freires Ansatz solle die Ehrfurcht und die daraus resultierende Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen abbauen, damit Menschen als freie, selbstbestimmte Individuen auf Augenhöhe mit Autoritäten agieren können. Da die aktuellen Herrscher und auch die katholische Kirche kaum ein Interesse daran hätten, die koloniale Mentalität zu überwinden, liege es an der Bevölkerung selbst, ein neues Bewusstsein zu entwickeln, um aktiv an einer gerechten Regierungsführung teilzunehmen.





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