Politik: Landesweit

Korruptionsvorwürfe gegen Romualdez: Marcos setzt auf Rechenschaftspflicht

Ein massiver Skandal um Hochwasserschutzprojekte, bei dem zwischen 2022 und 2024 Verluste in Höhe von schätzungsweise 118,5 Milliarden Pesos entstanden sind, steht im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dies entspricht mehr als 20 Prozent des gesamten Budgets für Hochwasserschutzmaßnahmen in diesem Zeitraum. Präsident Ferdinand Marcos Jr. betonte in seiner jüngsten Ansprache an die Nation (State of the Nation Address, SONA) im Jahr 2026 das Thema Rechenschaftspflicht und nahm damit Bezug auf diesen Skandal.

President Ferdinand Marcos der Philippinen – Portrait
Quelle: Google

Im Zentrum der Ermittlungen steht der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses, Martin Romualdez, der zudem ein Cousin des Präsidenten ist. Der Ombudsmann, die zuständige Behörde für die Untersuchung von Regierungsfehlverhalten, hat bereits eine Voruntersuchung eingeleitet. Dabei geht es um den Vorwurf, Romualdez habe durch Betrug bei Hochwasserschutzprojekten unrechtmäßig 56 Milliarden Pesos erlangt.

Neben Romualdez wurden auch dessen Assistentin Jocelyn Sereño, der ehemalige Vorsitzende des Haushaltsausschusses Zaldy Co sowie verschiedene Anwälte und Führungskräfte der Samchan Foreign Exchange Corp. zur Abgabe von Gegenäußerungen aufgefordert. Präsident Marcos erklärte öffentlich, dass er nicht der Präsident seiner Familie oder seiner Freunde sei, sondern der des Volkes und betonte die Notwendigkeit, das Richtige zu tun, auch wenn dies schmerzhaft für seine Verwandten sei.

Innerhalb der Familie zeigten sich die Mitglieder diszipliniert: Der Parlamentsmehrheitsführer Sandro Marcos erklärte, das Land müsse an erster Stelle stehen, während Romualdez selbst die Aussagen des Präsidenten respektiere. Kritiker äußern jedoch Zweifel an der Unparteilichkeit der Maßnahmen und sprechen von selektiver Justiz.

Es bestehe die Sorge, dass die Ermittlungen gegen Romualdez lediglich dazu dienen könnten, die öffentliche Empörung zu besänftigen, ohne dass die Spuren der Korruption bis in den Palast von Malacañang führen. Dies wird durch die Ernennung der ehemaligen Budgetsekretärin Amenah Pangandaman zur Vorsitzenden der staatlichen Al-Amanah Islamic Investment Bank untermauert, obwohl sie zuvor mit Vorwürfen konfrontiert war, massiv Gelder für Infrastrukturprogramme in den Haushalt eingeschleust zu haben. Zudem wiesen Untersuchungen des PCIJ darauf hin, dass Hochwasserschutzmaßnahmen mehr als die Hälfte der nicht programmierten Mittel für die Prioritätsprojekte des Präsidenten in den Jahren 2023 und 2024 ausmachten.