Politik – Bulacan
Korruptionsskandal um Hochwasserschutz: Dutzende Verfahren nach Marcos-Versprechen eingeleitet
Ein Jahr nach dem Versprechen von Präsident Ferdinand Marcos Jr., Korruption bei Hochwasserschutzprojekten konsequent zu verfolgen, sind erste rechtliche Schritte erfolgt. Während der Präsident in seiner Ansprache zur Lage der Nation am 28. Juli 2025 ankündigte, sowohl schuldige Beamte als auch beteiligte Bauunternehmen landesweit strafrechtlich zu verfolgen, wurden bislang gegen mindestens 30 Personen verschiedene Klagen eingereicht.
Unter den DPWH. Die Liste der Involvierten umfasst auch prominente politische Akteure wie den Senator Jinggoy Estrada und den ehemaligen Senator Bong Revilla. Viele der Betroffenen befinden sich bereits in Haft. Der ehemalige Abgeordnete von Ako Bicol, Zaldy Co, der mit mehreren Bauunternehmen in Verbindung gebracht wird, ist hingegen bislang nicht gefasst.
Die Untersuchungen haben weitreichende Verflechtungen innerhalb der Regierung aufgedeckt. Laut Ermittlungen von Rappler fungierten Mitglieder des Marcos-Kabinetts, zahlreiche Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie lokale Amtsträger wie Bürgermeister und Stadträte gleichzeitig als staatliche Bauunternehmer. Dies führte zu massiven Fragen bezüglich Interessenkonflikten, da diese Personen Multimillionen-Projekte für Infrastruktur sicherten.
Besonders schwer wiegt die Verwicklung von Martin Romualdez, dem Cousin des Präsidenten und damaligen Sprechers des Repräsentantenhauses. Das Büro des Ombudsmanns bezeichnete ihn als zentrale Figur in einem System zur Zweckentfremdung öffentlicher Gelder, die eigentlich für den Hochwasserschutz vorgesehen waren. In der Folge trat Romualdez von seinem Amt zurück. Auch die ehemalige Budgetsekretärin Amenah Pangandaman legte ihr Amt nieder, nachdem sie mit mutmaßlichen Budgetmanipulationen in Verbindung gebracht wurde; sie ist nun Vorsitzende der staatlichen Al-Amanah Islamic Investment Bank.
Die finanziellen Auswirkungen des Skandals sind immens. Während die Regierung in den letzten 15 Jahren über 1,9 Billionen Pesos für Hochwasserschutzprojekte über das DPWH bereitgestellt hat, schätzt der Senator Panfilo „Ping“ Lacson, dass etwa 60 Prozent dieses Budgets durch Korruption veruntreut wurden. Dies entspräche einem Verlust von rund 1,14 Billionen Pesos. Bisher konnten Behörden lediglich 611,379 Millionen Pesos von Personen zurückfordern, die mit dem System verknüpft sind. Dazu gehören unter anderem 290 Millionen Pesos von DPWH-Unterstaatssekretär Roberto Bernardo und 180,379 Millionen Pesos von dem Bezirksingenieur Henry Alcantara aus Bulacan.
Der Skandal löste landesweite Proteste aus, bei denen Tausende Menschen auf die Straße gingen und teilweise sogar den Rücktritt von Präsident Marcos forderten. Während das Repräsentantenhaus eine Untersuchung einleitete, wurde diese nach wenigen Anhörungen eingestellt, da die Abgeordneten einer neuen, von Marcos eingesetzten Untersuchungskommission den Vorzug geben wollten. Die Glaubwürdigkeit der parlamentarischen Untersuchung wurde jedoch infrage gestellt, da viele Gesetzgeber selbst Verbindungen zu Bauunternehmen unterhalten.