Impeachment-Verfahren gegen Sara Duterte: NBI-Chef warnt vor Folgen ihrer Drohungen
Während der neunten Verhandlungstag am Mittwoch, den 22. Juli 2026, stand insbesondere der vierte Artikel der Anklage im Fokus, der sich mit schweren Drohungen gegen Präsident Ferdinand Marcos Jr., die First Lady Liza Araneta-Marcos und den ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, Martin Romualdez, befasst. Im laufenden Impeachment-Verfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte hat der Direktor des National Bureau of Investigation (NBI), Melvin Matibag, vor den weitreichenden Folgen ihrer mutmaßlichen Drohungen gewarnt.
Der NBI-Chef erläuterte vor dem Impeachment-Gericht das Konzept der sogenannten „kinetischen Kraft“. Dieser Begriff beschreibt laut Matibag, wie die häufigen und ernsthaften Drohungen der Vizepräsidentin eine Dynamik auslösen können, die zu Unruhen und Angriffen führt. Als aktuelles Beispiel nannte er die Belästigung der Palast-Pressbeauftragten Claire Castro in Vancouver, Kanada, Anfang des Monats.
Die Verteidigung der Vizepräsidentin, vertreten durch den Anwalt Mark Vinluan, versuchte, die Aussagen Dutertes als humorvoll oder aus dem Kontext gerissen darzustellen. Vinluan spielte ein Video aus dem Oktober 2024 vor, in dem Duterte äußerte, sie stelle sich vor, wie sie Marcos den Kopf abschneidet. Der NBI-Direktor entgegnete daraufhin, dass er den Geisteszustand der Vizepräsidentin nicht beurteilen könne, diese Aussagen jedoch ein wesentlicher Bestandteil eines erkannten Gewaltmusters seien.
Ein weiterer Punkt der Verhandlung betraf vergangene Vorfälle, die die Verteidigung als Teil einer gewalttätigen Vorgeschichte einordnete. Dazu gehörte ein Vorfall aus dem Jahr 2011 in Davao City, bei dem Duterte als damalige Bürgermeisterin den Sheriff Abe Andres geschlagen haben soll. Der NBI-Chef hielt fest, dass dies die Darstellung der damaligen Bürgermeisterin sei. Zudem thematisierte die Verteidigung das Affidavit von Arturo Lascañas, einem ehemaligen Mitglied der sogenannten Davao Death Squad (DDS), welches bereits beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gegen den Vater der Vizepräsidentin, den ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte, verwendet wurde.
Vinluan bezeichnete das Dokument als wertloses Papier und warf Lascañas Perjury (Meineid) vor. Senator Chiz Escudero, der als vorsitzendes Mitglied fungiert, ließ Matibag zu den Fragen der Verteidigung Stellung nehmen, während der Chef der Anklage, Gerville Luistro, gegen die spekulativen Fragen der Verteidigung Einspruch erhob. Auf die Frage der Verteidigung, ob solche Vorfälle im Ausland stattfinden könnten, antwortete Matibag, dass dies aufgrund der weltweiten Vernetzung durch soziale Medien durchaus möglich sei.