Politik – Landesweit
Bilanz vor der SONA: Wirtschaftliche Herausforderungen bremsen Marcos-Regierung
Im Vorfeld der bevorstehenden Rede zur Lage der Nation (State of the Nation Address, SONA) von Präsident Ferdinand Marcos Jr. zeichnet sich ein gemischtes Bild der Regierungsleistung ab. Während die Administration im vergangenen Jahr mit ehrgeizigen Versprechen wie dem 20-Peso-Reis, der Kostenfreiheit bei Krankenhausrechnungen und niedrigen Stromtarifen antrat, zeigen aktuelle Wirtschaftsdaten eine schwierige Lage.
Besonders die Inflation stellt eine erhebliche Belastung für die Bevölkerung dar. Nachdem die Inflationsrate im Juni 2025 noch bei 1,4 Prozent gelegen hatte, stieg sie bis Juni 2026 auf 6,4 Prozent an. Damit liegt sie deutlich über dem Zielbereich der Zentralbank von zwei bis vier Prozent. Auch die Kerninflation erreichte mit 4,4 Prozent den höchsten Stand seit 31 Monaten, was auf einen breiteren Preisdruck hindeutet.
Bei der Umsetzung der Regierungsziele zeigt sich eine uneinheitliche Bilanz. Von mehr als 160 zugesagten Maßnahmen wurden etwa ein Viertel realisiert. Während der Maharlika Investment Fund sowie Infrastrukturprojekte wie die Panguil-Bay-Brücke und die Erweiterung der LRT-1 nach Cavite im Rahmen der „Build Better More“-Strategie umgesetzt wurden, verzeichnete der öffentliche Bausektor im ersten Quartal 2026 einen Rückgang von 31,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem bleibt das Versprechen des günstigen Reises weitgehend auf Kadiwa-Läden beschränkt und erreicht nicht den breiten Markt.
Zusätzliche wirtschaftliche Faktoren beeinflussen die Lage, darunter die jüngste Anhebung des Mindestlohns in Metro Manila um 85 Peso. Entscheidungsträger beobachten diese Entwicklung genau, um eine weitere inflationäre Spirale zu verhindern. Auch die Energiekosten belasten weiterhin Haushalte und die Industrie.
Ein prägendes Element der vergangenen Regierungszeit war zudem die rhetorische Zuspitzung des Präsidenten gegen Korruption. Mit der Aufforderung an Ausbeuter, sich zu schämen („Mahiya naman kayo“), richtete sich Marcos gegen die Veruntreuung von Mitteln bei Infrastruktur- und Hochwasserschutzprojekten. Für die kommenden Monate wird die entscheidende Frage sein, ob die Regierung die versprochene Leistung erbringen kann, um die Lebenshaltungskosten und die soziale Resilienz des Landes zu verbessern.