Gesellschaft: Metro Manila

Studie beleuchtet die Lebensrealität junger Eltern auf den Philippinen

Eine aktuelle Untersuchung der Ateneo de Manila University gibt Einblicke in die komplexen Lebensumstände jugendlicher Eltern auf den Philippinen. Mithilfe der sogenannten „Photovoice“-Methode, bei der die Betroffenen ihre Erfahrungen durch eigene Fotografien dokumentieren, konnten Forscher die Herausforderungen zwischen Adoleszenz und Elternschaft sichtbar machen. Die Methode ermöglichte es den Teilnehmenden, ihre Perspektiven einzubringen, um die Entwicklung künftiger Unterstützungsprogramme direkt an ihren Bedürfnissen auszurichten.

Female doctor supporting smiling male patient in clinicpaegagz
Symbolbild: Envato

Die Problematik der frühen Elternschaft ist auf den Philippinen nach wie vor gravierend. Im Jahr 2022 wurden schätzungsweise 150.000 Schwangerschaften bei Teenagern verzeichnet. Besonders besorgniserregend ist zudem ein Anstieg der Geburtenraten bei Mädchen unter 15 Jahren um 35 Prozent. Studien weisen darauf hin, dass es oft eine Lücke zwischen bestehenden Gesetzen oder Programmen und der tatsächlichen Lebensrealität der jungen Eltern gibt, die häufig mit Stigmatisierung und schwer zugänglichen oder unpassenden Hilfsangeboten konfrontiert sind.

Die Studie wurde von den Wissenschaftlern Dr. Liane Alampay, Dr. Bernice Landoy Mamauag und Jennel Reyes in Zusammenarbeit mit der Organisation Masayang Pamilya Organization, Inc. durchgeführt. Ziel war es, eine Bedarfsanalyse zu erstellen, die als Grundlage für die Entwicklung gezielter Elternschaftsprogramme für jugendliche Eltern dienen soll. An der Untersuchung nahmen neun junge Eltern im Alter zwischen 15 und 20 Jahren aus einkommensschwachen Gemeinden in zwei Provinzen in Zentral-Luzon teil. Diese Regionen wurden von der Partnerorganisation als Schwerpunktgebiete ausgewählt, da sie hohe Raten an Teenager-Schwangerschaften aufweisen. An dem Datenerhebungsprozess war auch die Forscherin Nina Capulong beteiligt.

Bei der Datenerhebung wurden die Teilnehmer gebeten, Bilder zu wählen oder aufzunehmen, die für sie eine tiefere Bedeutung haben. Dabei ging es nicht um technische Perfektion, weder um Beleuchtung noch um Bildkomposition, sondern um den Ausdruck persönlicher Erfahrungen. Die Fotos offenbarten Themen wie den Stress in Partnerschaften, die Rolle von Gleichaltrigen als emotionale Stütze, Veränderungen in der Familienstruktur sowie die Schwierigkeit, die Anforderungen der Kinderbetreuung mit Schule oder Beruf zu vereinbaren. Einige Teilnehmer nutzten dabei auch symbolische Darstellungen: Während Buntstifte als Sinnbild für die Familie dienten, stand ein Permanentmarker für die bleibenden Auswirkungen sexueller Interaktionen.

Die Forscher identifizierten acht zentrale Themenbereiche: den Umgang mit Konflikten in Beziehungen, den Wunsch nach besserem Wissen über Erziehung, den Einfluss von sozialen Medien auf das Sexualwissen, die Rolle des sozialen Umfelds, die Unterstützung und Belastung in Familienbeziehungen, die Verschiebung normaler jugendlicher Prioritäten, die Balance zwischen verschiedenen Rollen sowie die umweltbedingten Faktoren für frühe sexuelle Kontakte. Basierend auf der Lebenslauf-Theorie (Life Course Theory) zeigten die Ergebnisse, dass die Übergänge in die Elternschaft stark von den strukturellen Bedingungen in ressourcenarmen Kontexten geprägt sind. Die jungen Eltern agierten dabei trotz der Einschränkungen eigenständig: Während einige versuchten, ihre Bildung oder Erwerbstätigkeit fortzusetzen, etwa eine Teilnehmerin, die gleichzeitig Erstsemesterin im College und Kellnerin war -, berichteten andere von der Notwendigkeit, ihre Erziehungskompetenzen zu verbessern.

Ein besonderes Augenmerk legten die Ergebnisse auf die Rolle der Väter. Diese wurden in den Erzählungen widersprüchlich dargestellt: Sie fungieren sowohl als Quelle von Stress als auch als wichtige Unterstützung. Mehrere Mütter berichteten von Konflikten, die durch ungleiche Aufgabenverteilung, finanzielle Kontrolle sowie verbalen und körperlichen Streit geprägt waren, wobei die noch in der Entwicklung befindliche emotionale Selbstregulierung der Jugendlichen die Spannungen verstärkte. Andererseits zeigten sich Fälle, in denen die Beteiligung der Väter an der Pflege der Kinder es den Müttern erst ermöglichte, ihre Ausbildung fortzuführen. Die Studie plädiert daher für geschlechtersensible Strategien, die auch junge Väter stärker in Unterstützungsprogramme einbinden, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen und die Belastung für die Mütter zu verringern.

Abschließend unterstreicht die Arbeit den Bedarf an leichter zugänglicher Beratung, besserer Kommunikation zur Konfliktlösung sowie umfassender Aufklärung über sexuelle und reproduktive Gesundheit. Die Forschungsergebnisse mit dem Titel „Using Photovoice and Life Course Theory to Understand the Lived Experiences of Filipino Teenage Parents“ wurden von Nina Linly Capulong, Liane Peña Alampay, Bernice Landoy Mamauag und Jennel Drezza Fe C. Reyes im August 2026 in der Fachzeitschrift „Journal of Research on Adolescence“ veröffentlicht.