Wirtschaft: Metro Manila

Reform der Strompreise: Präsident Marcos fordert Abschaffung der Systemverlust-Gebühren

Präsident Ferdinand Marcos Jr. hat in seiner fünften Ansprache an die Nation (State of the Nation Address, SONA) eine grundlegende Änderung des Gesetzes zur Reform der Elektrizitätswirtschaft aus dem Jahr 2001 (Electric Power Industry Reform Act, EPIRA) gefordert. Die geplante Reform soll es Verteilungsunternehmen und Elektrizitätsgenossenschaften untersagen, sogenannte Systemverlust-Gebühren sowie die darauf entfallende Mehrwertsteuer auf die Stromrechnungen der Verbraucher umzulegen.

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Quelle: PIA

Systemverluste stellen die Differenz zwischen der Menge an Strom, die übertragen wird, und der Menge, die letztlich an die Kunden abgerechnet werden kann. Man unterscheidet hierbei zwischen technischen Verlusten, die unvermeidlich während des Transports über Stromleitungen, Transformatoren und andere technische Anlagen entstehen, und nicht-technischen Verlusten. Letztere resultieren aus Stromdiebstahl, illegalen Anschlüssen, defekten Zählern oder anderen Formen des unbefugten Verbrauchs.

Nach der derzeitigen Gesetzgebung ist es den Versorgungsunternehmen gestattet, nur einen Teil dieser Verluste über die Kundenrechnungen zu refinanzieren. Die Obergrenzen für diese Refinanzierung werden von der Regulierungsbehörde Energy Regulatory Commission (ERC) festgelegt. Für private Verteilungsunternehmen liegt dieser Deckel bei 6,5 Prozent, während Elektrizitätsgenossenschaften je nach Fall zwischen 8,5 und 12 Prozent liegen dürfen. Verluste, die über diese festgelegten Grenzwerte hinausgehen, müssen die Versorgungsunternehmen nach aktueller Regelung selbst tragen.

Die Abschaffung der Systemverlust-Gebühr würde die monatlichen Stromkosten für die Haushalte unmittelbar senken. Zudem würde sie den Grundsatz stärken, dass Kunden nicht für betriebliche Ineffizienzen oder Stromdiebstahl aufkommen müssen, für die sie weder die Verantwortung tragen noch Kontrolle darüber haben. Das Präsidentenpalast (Malacañang) unterstützt diesen Vorschlag. Claire Castro, Pressereferentin des Palastes, erklärte, die Regierung strebe eine Politik an, die den Verbrauchern Entlastung verschafft und gleichzeitig die Fairness gegenüber allen betroffenen Sektoren gewährleistet.

Das Energieministerium (Department of Energy, DOE) befürwortet ebenfalls eine Überprüfung des bestehenden Gesetzes, betont jedoch die Notwendigkeit einer engen Abstimmung zwischen der Gesetzgebung, den Regulierungsbehörden und den Akteuren der Branche. Das DOE merkte an, dass nicht-technische Verluste durch eine konsequentere Durchsetzung von Vorschriften reduziert werden könnten. Technische Verluste ließen sich hingegen nur schrittweise durch Investitionen in modernere und effizientere Verteilungssysteme minimieren.

Die Debatte über die Reform wirft jedoch die Frage nach der Kostenübernahme auf. Die ERC warnte davor, dass die Kosten für den bereits produzierten Strom, der während der Verteilung verloren geht, nicht einfach verschwinden. Wenn die Verbraucher diese Kosten nicht mehr tragen, muss eine andere Instanz dafür aufkommen, dies könnten die Verteilungsunternehmen, die Elektrizitätsgenossenschaften, der Staat oder ein anderer von den Gesetzgebern festzulegender Mechanismus sein.

Manuel V. Pangilinan, Vorsitzender der Manila Electric Co., teilte diese Bedenken und wies darauf hin, dass jedes Stromnetz mit technischen Verlusten konfrontiert ist. Die Kernfrage der Diskussion sei nicht die Existenz dieser Verluste, sondern die Frage, wer letztlich die finanzielle Last trägt. Sollten die Versorgungsunternehmen die Kosten, die sie derzeit über die Kunden refinanzieren, selbst absorbieren müssen, könnten ihnen die Mittel für die Instandhaltung, die Erneuerung veralteter Ausrüstung oder den Ausbau der Stromnetze fehlen. Während größere Versorgungsunternehmen möglicherweise über die nötige finanzielle Flexibilität verfügen, könnten kleinere Genossenschaften unter erhebliche finanzielle Engpässe geraten.

Die Philippine Rural Electric Cooperatives Association (Philreca) hob hervor, dass viele Elektrizitätsgenossenschaften geografisch weit verstreute oder bergige Gebiete versorgen. In solchen Regionen führen längere Leitungswege naturgemäß zu höheren technischen Verlusten. Da diese Genossenschaften weniger Kunden über weite Gebiete hinweg bedienen, könnte die Übernahme zusätzlicher Kosten ihre Betriebsfähigkeit gefährden oder notwendige Investitionen verzögern.

Der langfristige Erfolg einer solchen Reform wird maßgeblich davon abhängen, wie der Kongress die Änderungen strukturiert, ob der Staat alternative Finanzierungen bereitstellt und ob es den Versorgern gelingt, die tatsächlichen Systemverluste zu senken. Eine nachhaltige Lösung könnte darin liegen, das Stromnetz zu modernisieren, Stromdiebstahl konsequent zu bekämpfen und die betriebliche Effizienz zu steigern, anstatt die Kosten lediglich zwischen den verschiedenen Sektoren zu verschieben. Auch die Verbraucher können beitragen, indem sie illegale Anschlüsse oder Manipulationen an Zählern den Behörden oder Versorgern melden.