Proteste und Festnahmen vor der fünften Rede des Präsidenten Marcos
EditIm Vorfeld der fünften Lagebericht-Rede (State of the Nation Address, SONA) von Präsident Ferdinand Marcos Jr. am Montag, den 27. Juli 2026, kam es in Manila zu Protesten und gewaltsamen Festnahmen. Aktivistengruppen und zivilgesellschaftliche Organisationen forderten von den Behörden Antworten auf die Vorgehensweise der Polizei. Videomaterial dokumentierte, wie Beamte Demonstranten gewaltsam festnahmen und in einen Bus des Bureau of Jail Management and Penology (BJMP), der für den Gefängnistransport zuständig ist, luden.
Die Menschenrechtsgruppe Karapatan kritisierte die Situation scharf. Cristina Palabay, die Generalsekretärin der Organisation, erklärte, dass landesweit weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht stattfinden würden. Sie verwies zudem auf die mangelnde Rechenschaftspflicht bei Korruptionsfällen. Obwohl Präsident Marcos Jr. im Vorjahr Korruption bei Hochwasserschutzprojekten thematisiert hatte, seien laut Palabay bisher nur wenige Einzelpersonen belangt worden, während eine echte Aufarbeitung bis in höchste Regierungsebenen ausbliebe.
Auch der Bildungssektor äußerte deutliche Kritik. Benjo Basas, nationaler Präsident der Teachers' Dignity Coalition (TDC), betonte, dass die jährliche Rede nicht nur der Ankündigung neuer Programme dienen dürfe, sondern eine ehrliche Bilanz bereits gemachter Versprechen erfordere. Er verwies darauf, dass Lehrer seit der SONA 2025 auf die versprochenen Laptops warten. Die TDC fordert zudem eine pauschale Gehaltserhöhung von 15.000 Pesos für Lehrkräfte und Personal im Bildungswesen sowie bessere Arbeitsbedingungen und Schulinfrastruktur.
Zusätzlich demonstrierten etwa 300 Kleinfischer vor dem Landwirtschaftsministerium (Department of Agriculture, DA). Die Gruppen KKAMPI und BFAR, wonach sich der Sektor erholt habe. Die Fischer warfen der Regierung vor, eher Unternehmensinteressen zu schützen, die kleine Fischergemeinschaften verdrängen. Auch die Koalition Sanlakas kritisierte die wirtschaftspolitische Strategie des Präsidenten. Der dortige Generalsekretär, Aaron Pedrosa, bezeichnete die Fokussierung auf kurzfristige Geldtransfers als bloße „Pflasterlösung“ für die tieferliegenden Probleme bei der Existenzsicherung und Beschäftigung.

