Philippinisches Theater boomt während Kinos mit Streaming-Diensten kämpfen
EditWährend das Theaterwesen auf den Philippinen durch ein dichtes Programm aus internationalen Musicals, Komödien, lokalen Produktionen und experimentellen Shows einen Aufschwung verzeichnet, haben Kinobetreiber zunehmend Schwierigkeiten, Zuschauer von den heimischen Streaming-Plattformen wegzulocken.
Ein wesentlicher Faktor für diesen Trend ist die Art des Erlebnisses. Während Kinokarten üblicherweise etwa 400 Pesos kosten, liegen die Preise für Theateraufführungen deutlich höher. Tickets für Bühnenproduktionen beginnen bei etwa 1.000 Pesos und können für Premium-Plätze bis zu 6.000 oder 8.000 Pesos steigen. Trotz dieser Preisunterschiede zeigt sich eine Bereitschaft des Publikums, für Live-Erlebnisse hohe Summen auszugeben, während bei Spielfilmen oft abgewartet wird, bis diese online verfügbar sind.
Dieser Kontrast verdeutlicht einen Wandel in der Unterhaltungskultur: Passives Konsumieren verliert an Bedeutung, während einzigartige, unersetzbare Erlebnisse der Hauptgrund sind, warum Menschen bereit sind, Geld für Unterhaltung außerhalb des Hauses auszugeben. Das Theater profitiert laut Branchenbeobachtungen von der Exklusivität, der Dringlichkeit und der Unmittelbarkeit der menschlichen Präsenz, die durch Algorithmen oder Pausenfunktionen nicht ersetzt werden kann.
Aktuelle Erfolge wie das Musical „Bongga Ka, ‘Day!: The Annie Batungbakal Musical“ oder die Kinderproduktion „Cinderella“ von Repertory Philippines unterstreichen diesen Trend. Auch Produktionen wie „A Midsummer Night’s Dream“ von Repertory Philippines sowie die Aufführungen von „Pinocchio“ durch das Ephesus Teatron in Einkaufszentren waren erfolgreich. Die kommenden Spielpläne versprechen eine Fortsetzung dieser Dynamik.
GMG Productions plant für November die Inszenierung von „The Play That Goes Wrong“, gefolgt von „Heathers: The Musical“ und „Chicago“ im Jahr 2027. Die neue Theatergruppe CueCraft Entertainment hat zudem die Aufführung von Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ in Manila angekündigt. Für das Jahr 2027 hat das Festival „Puregold Teatro Panalo“ bereits 12 Originalwerke für ein Einakter-Festival ausgewählt.
Um dem Rückgang entgegenzuwirken, versuchen Kinobetreiber, den Kinobesuch wieder als besonderes Ereignis zu etablieren. Das Film Development Council of the Philippines (FDCP) bietet beispielsweise erschwinglichere Tickets für 250 Pesos an. Kulturelle Partnerschaften wie das spanische Filmfestival „PELÍCULA>PELIKULA“ oder das deutsche „KinoFest“ bieten zudem kostenlose Eintritte für Filmbegeisterte an.
Spezialisierte Veranstaltungen wie das QCinema International Film Festival, das vom 13. bis 22. November stattfindet, setzen auf internationale Arthouse-Titel, die unter anderem bei den Filmfestspielen in Cannes, Berlin oder Venedig ausgezeichnet wurden. Auch das Programm „National Theatre Live“ des Cultural Center of the Philippines verdeutlicht, dass das Publikum bereit ist, für prestigeträchtige Inhalte Geld auszugeben. So werden dort aufgezeichnete britische Produktionen wie „The Fifth Step“ und „The Audience“ am 27. Oktober in lokalen Einkaufszentren gezeigt. Große Blockbuster wie Marvels „Avengers: Doomsday“ versuchen derweil weiterhin, die besondere Wirkung der großen Leinwand zu nutzen. Letztlich zeigt die Situation, dass das boomende Theater keine bloße Konkurrenz zum Kino ist, sondern dessen Spiegel: Das Publikum sucht nach geteilten, öffentlichen Erlebnissen, sofern der Mehrwert klar erkennbar ist.






Keine Werbeblöcke mehr mit Supporter-Abo!