Nutzen statt Abfall: Potenzial von Reistrohwerten in der philippinischen Landwirtschaft
EditTrotz fortschreitender Industrialisierung bleibt die Philippinen ein primär agrarisch geprägtes Land. Da Reis das Grundnahrungsmittel der Bevölkerung darstellt, werden etwa 35 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche, was rund 4,7 bis 4,8 Millionen Hektar entspricht, für den Reisanbau verwendet. Laut der Ernährungs- und FAO belegt das Land weltweit den achten Platz unter den größten Reisproduzenten und trägt etwa 2,8 Prozent zur globalen Reisproduktion bei.
Die tatsächliche Anbaufläche schwankt jedoch saisonal, da viele Reisfelder ausschließlich vom Regen abhängen oder nicht durchgehend bewässert werden können. Pro Anbauzyklus liegt die Fläche üblicherweise zwischen 1,08 Millionen und 2,12 Millionen Hektar. Nach der Ernte bleibt eine große Menge an Reistroh, das sogenannte „Dayami“, zurück. Das in Nueva Ecija ansässige Philippine Rice Research Institute (PhilRice) beziffert die jährliche Menge an Reistroh auf etwa 11,3 Millionen Tonnen, während andere Quellen Schätzungen von bis zu 20 Millionen Tonnen angeben.
Diese enormen Mengen stellen eine ökologische Herausforderung dar, wenn sie unsachgemäß entsorgt werden. Obwohl das philippinische Reinluftgesetz (Philippine Clean Air Act) und das Gesetz über die Abfallwirtschaft (Solid Waste Management Act) das Verbrennen von Rückständen verbieten, griffen Landwirte in der Vergangenheit oft zum Abbrennen auf den Feldern, um das Land schnell für die nächste Aussaat vorzubereiten. Diese Praxis wird heute zunehmend kritisch gesehen, da sie Treibhausgasemissionen verursacht, die Luft verschmutzt und wichtige Nährstoffe im Boden zerstört.
Wissenschaftler und Innovatoren suchen daher nach Wegen, das Stroh als wertvolle Ressource statt als Abfall zu nutzen. Eine Methode ist die Einarbeitung in den Boden, wodurch lebenswichtige Nährstoffe wie Stickstoff, Kalium und Silizium natürlich recycelt werden. Dies verbessert die Bodenstruktur, die Feuchtigkeitsspeicherung und langfristig die Erträge. Das PhilRice empfiehlt, das Stroh mindestens 30 Tage vor der nächsten Pflanzung einzuarbeiten, um eine ordnungsgemäße Zersetzung zu gewährleisten und das Risiko von toxischen organischen Säuren für junge Setzlinge zu minimieren.
Um den Zersetzungsprozess zu beschleunigen, wird der Einsatz von mikrobiellen Zusätzen wie Trichoderma empfohlen, die in landwirtschaftlichen Geschäften erhältlich sind. Alternativ kann das Stroh mit tierischem Dung oder Calciumoxid (Löschkalk) gemischt werden. Eine weitere Anwendung ist die Nutzung als Mulchschicht für den Gemüseanbau. Eine etwa 5 bis 10 Zentimeter dicke Schicht aus getrocknetem Reistroh hilft dabei, Unkraut zu unterdrücken und die Bodenfeuchtigkeit zu halten, wobei ein kleiner Abstand zu den Pflanzenstängeln gelassen werden sollte, um Fäulnis zu vermeiden.



