Massiver Rückgang der Milkfish-Produktion in Iloilo: Forscher warnen vor Krise im Aquakultursektor
EditDie Produktion von Milkfish (Bangus) in der philippinischen Provinz Iloilo ist drastisch eingebrochen. Laut einer aktuellen Untersuchung der University of the Philippines Visayas (UP Visayas) sank die Ernte von 14.731,8 Tonnen im Jahr 2020 auf lediglich 2.747,25 Tonnen im Jahr 2023. Dies entspricht einem Rückgang von über 81 Prozent.
In einem Diskussionspapier des University of the Philippines Center for Integrative and Development Studies, das am 14. Oktober veröffentlicht wurde, identifizieren Forscher mehrere Hauptursachen für diesen Niedergang. Zu den treibenden Faktoren gehören verlassene, unterentwickelte oder untergenutzte Fischteiche (AUU-Teiche), steigende Produktionskosten sowie eine fortschreitende Verschlechterung der Küstenumwelt. Die Wissenschaftler Victor Marco Emmanuel N. Ferriols, Lynn Angelo A. Bonitillo, Zckie P. Pahila vom Institut für Aquakultur am College of Fisheries and Ocean Sciences sowie James David M. Lopez vom Regional Research Center weisen darauf hin, dass der Abwärtstrend bereits vor der COVID-19-Pandemie begann. Die Pandemie habe die bestehenden Probleme durch Unterbrechungen in der Lieferkette und eingeschränkte Mobilität lediglich verschärft, anstatt den langfristigen Rückgang des Sektors allein zu erklären.
Da die Aquakultur in Iloilo massiv auf Brackwasserteiche angewiesen ist, wiegt der Rückgang besonders schwer. Die Studie stellte fest, dass nahezu die gesamte Milkfish-Produktion der Provinz aus diesen Teichen stammt, während alternative Systeme wie Meereskäfige oder Netze in den untersuchten Jahren mit weniger als einem Prozent zur Gesamtproduktion beitrugen. Ergänzend dazu meldete die Philippine Statistics Authority (PSA) bereits im Februar 2025, dass die gesamte Fischereiproduktion in Iloilo im ersten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 41,1 Prozent gesunken war. Der Bereich der Aquakultur verzeichnete dabei einen Rückgang von 29,1 Prozent, während die Produktion in Brackwasserteichen sogar um 41,9 Prozent einbrach.
Die Forscher führen die Problematik auf ein komplexes Geflecht von Belastungen zurück. Umweltzerstörung und extreme Wetterereignisse wie Taifune, Sturmfluten, Überschwemmungen und Hitzeperioden beschädigen die Teichdeiche, stören das Wassermanagement und können dazu führen, dass Fischbestände entweichen. Hitzeereignisse können zudem das Wachstum von natürlichem Futter in den Teichen beeinträchtigen. Zudem führen die Nutzung ehemaliger Mangrovenflächen mit sauren Sulfatböden, eine langjährige Nutzung sowie eine unzureichende Teichvorbereitung und die Ansammlung organischer Stoffe zu einer schlechteren Wasserqualität und einer höheren Krankheitsanfälligkeit der Fische. Wirtschaftlich kämpfen die Betreiber mit steigenden Kosten für Futter, Setzlinge, Treibstoff und Arbeitskräfte sowie mit schwankenden Verkaufspreisen. Zudem wird ein verstärkter Wettbewerb durch günstigere Lieferungen aus Provinzen wie Pangasinan, Pampanga und Bulacan beklagt.
Ein weiteres strukturelles Problem stellt die schwache Durchsetzung staatlicher Pachtverträge für Fischteiche (Fishpond Lease Agreements, FLA) dar. Die Forscher kritisieren, dass die Bedingungen dieser Verträge, insbesondere im Hinblick auf die Produktivität und die ordnungsgemäße Nutzung, historisch kaum kontrolliert werden. Dies führt dazu, dass brachliegende oder unterperformende Teiche über lange Zeiträume verpachtet bleiben, ohne dass Anreize für eine Sanierung oder eine Neuvergabe der Flächen bestehen. Zudem erschweren veraltete oder unvollständige Daten über die tatsächliche Teichnutzung fundierte politische Entscheidungen.
Gleichzeitig sehen die Experten in den verlassenen Teichen eine Chance für die ökologische Erholung. Da in der Vergangenheit bis zu 95 Prozent der ursprünglichen Mangrovenbedeckung in Iloilo für Aquakulturen umgewandelt wurden, bietet die Aufgabe der Teiche Raum für die Regeneration von Küstenökosystemen. In Leganes etwa, nördlich von Iloilo City, konnte durch die Rückführung von Teichen in Mangrovenhabitate eine Zunahme der Mangrovenbedeckung um 60 bis 70 Prozent innerhalb von drei Jahren beobachtet werden, wie Satellitenbilder des ehemaligen UP Visayas Brackwasser-Aquakulturzentrums zeigten. In diesen Gebieten wurden bereits fünf Mangrovenarten und eine Strandwaldart sowie elf Fischarten und neun Krebstierarten nachgewiesen. Solche regenerierten Gebiete können den Küstenschutz verbessern, die Biodiversität fördern und den Ökotourismus unterstützen, wie etwa das Beispiel des Leganes Integrated Katunggan Ecoparks zeigt.
Die Autoren der Studie empfehlen einen dreistufigen Ansatz: die Sanierung noch lebensfähiger Teiche, die ökologische Wiederherstellung nicht mehr nutzbarer Flächen und die Förderung integrierter Systeme wie die Aquasilvikultur, die Aquakultur und Mangrovenhabitate kombiniert. Zudem fordern sie eine engere Zusammenarbeit zwischen den Fischerei- und Umweltbehörden, eine strengere Überwachung der Pachtverträge sowie eine bessere Bereitstellung von Produktions- und Raumdaten. Die Forscher betonten abschließend, dass brachliegende Teiche nicht allein nach ihrer Fischproduktion bewertet werden sollten, da ihre ökologische Erholung auch benachbarte Fischereien durch die Wiederherstellung von Brut- und Aufzuchtgebieten unterstützen kann.






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