Marcos steht vor politisch schwieriger Rede zur Lage der Nation
Präsident Ferdinand Marcos Jr. hält am Montag, den 27. Juli 2026, seine vorletzte Rede zur Lage der Nation (State of the Nation Address, SONA). Die bevorstehende Ansprache gilt als einer der politisch am stärksten gespaltenen Momente seiner bisherigen Amtszeit.
Der Präsident steht unter erheblichem Druck, da die Präsidentschaftswahlen 2028 näher rücken und seine Amtszeit in zwei Jahren endet. Die politische Lage ist durch interne Spannungen geprägt: Seine ehemalige politische Partnerin, Vizepräsidentin Sara Duterte, wurde zweimal angeklagt und steht wegen mutmaßlicher Veruntreuung öffentlicher Gelder vor Gericht. Zudem sind mehrere ehemalige Verbündete von Marcos in Korruptionsvorwürfe verwickelt, die das staatliche Hochwasserschutzprogramm betreffen, ein Thema, das der Präsident selbst in den Fokus der nationalen Aufmerksamkeit gerückt hat.
Die kommende SONA wird zudem das erste Mal sein, dass Marcos vor dem Kongress spricht, nachdem die Kontroversen um die Hochwasserschutzmaßnahmen zahlreiche Beamte belastet haben. Darunter befindet sich auch sein Cousin, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses und Abgeordnete des 1. Distrikts von Leyte, Martin Romualdez.
Ein zentraler Pfeiler seiner Regierungsarbeit bleibt das Infrastrukturprogramm „Build Better More“. Marcos hat in der Vergangenheit weitreichende Versprechen für den Ausbau von Straßen, Brücken, Schienenwegen, Flughäfen, Häfen und Wohnraum abgegeben. Die Umsetzung dieser Projekte steht jedoch teilweise unter Beobachtung. So beanspruchte das Cabagan-Sta. Maria Bridge Projekt in Isabela zehn Jahre Bauzeit, bevor es im Februar 2025 beschädigt wurde. Nach einem Teilkollaps aufgrund von Überlastung wurde die Brücke am 2. März wieder für leichte Fahrzeuge freigegeben.
Weitere Großprojekte sind in der Umsetzung: Die Sanierung der Guadalupe-Brücke in Makati soll bis zum Ende seiner Amtszeit im Februar 2028 abgeschlossen sein. Die Bataan-Cavite Interlink Bridge, die die Reisezeit zwischen Mariveles und Naic von fünf Stunden auf 45 Minuten verkürzen soll, DPWH voraussichtlich nicht vor Ende der Amtszeit von Marcos fertiggestellt sein. Der Baubeginn der 32 Kilometer langen Brücke wird für vor Ende 2025 erwartet.
Auch im Schienenverkehr sind bedeutende Vorhaben geplant. Das Metro Manila Subway Project, das mit Unterstützung der japanischen Agentur JICA finanziert wird, soll 2028 eine Testfahrt absolvieren, während die vollständige Fertigstellung für 2032 vorgesehen ist. Marcos gab im Februar 2026 an, dass das Projekt im Zeitplan liegt, nachdem er den ersten Spatenstich für die Stationen Kalayaan Avenue und Bonifacio Global City in Taguig City geleitet hatte.
Rückblickend auf seine bisherige Amtszeit deckten die SONA-Reden von 2022 bis heute ein breites Spektrum ab. Nach dem Sieg in einer tief gespaltenen Wahl konzentrierte sich Marcos zunächst auf die Bewältigung der COVID-19-Pandemie, das Ende der Lockdowns sowie die Rückkehr zum Präsenzunterricht. Er versprach zudem den Ausbau des Gesundheitssystems durch regionale Kliniken und die bessere Ausbildung medizinischer Fachkräfte. In seinen Reden thematisierte er zudem die Bekämpfung der Inflation und des Agrarschmuggels sowie die Umsetzung des Maharlika Investment Fund.
In der Außenpolitik vertrat Marcos eine klare Linie: Er erklärte, dass die Philippinen kein Territorium aufgeben würden, insbesondere angesichts der Spannungen im Westphilippinischen Meer. Gleichzeitig betonte er die diplomatische Haltung, dass die Philippinen ein Freund aller und der Feind von niemandem bleiben wollen. Zu seinen legislativen Prioritäten gehörten unter anderem Reformen zur Budgetmodernisierung, das E-Government-Gesetz, das Internet-Transaktionsgesetz sowie die Schaffung einer nationalen Behörde zur Prävention und Verwaltung von Krankheiten.