Kritik an Marcos nach fünfter Lagebesprechung: Versprechen und Realität klaffen auseinander
EditNach der fünften jährlichen Lagebesprechung (State of the Nation Address, SONA) von Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 27. Juli 2026 äußerten verschiedene gesellschaftliche Gruppen in den Philippinen deutliche Kritik. Während der Präsident in seiner Rede Regierungsfortschritte und zukünftige Pläne hervorhob, bemängelten Vertreter verschiedener Sektoren das Fehlen konkreter Maßnahmen für langjährige Probleme.
Marcos betonte in seiner Ansprache insbesondere Regierungsprogramme zur Unterstützung von Landwirten und Fischern. Er verwies auf Initiativen wie das Programm „Benteng Bigas Meron Na“, die KADIWA-Zentren sowie die „Presidential Assistance to Farmers, Fisherfolk, and Families“. Laut dem Präsidenten hätten diese Maßnahmen Millionen von Filipinos geholfen, die unter hohen Lebensmittel- und Kraftstoffpreisen leiden. Vertreter der Landwirtschaftsgruppen widersprachen dieser Darstellung jedoch und erklärten, dass die Vorteile dieser Programme bei ihnen noch nicht angekommen seien. Audrey de Jesus von der IBON Foundation wies darauf hin, dass Landwirte trotz Armut, niedriger Abnahmepreise und Landverlusten mit Regierungsversprechen konfrontiert seien, während gleichzeitig Millionen von Pesos durch Korruption verloren gingen.
Auch im Bereich der Grundversorgung wurden Diskrepanzen gemeldet. Mercy Wabe, eine indigene Person mit Behinderung aus Cagayan de Oro, gab an, dass das von Marcos erwähnte Programm, das angeblich 12 Millionen Filipinos zugutekam, viele indigene Gemeinschaften nicht erreiche. In ihrer Region koste Reis weiterhin mindestens 50 Pesos pro Kilo.
Der Bildungssektor äußerte ebenfalls Zweifel an den angekündigten Plänen. Marcos sprach davon, das Curriculum der Senior High School durch verstärkte Praxisphasen (Work Immersion) zu verbessern, um die Beschäftigungsfähigkeit der Schüler zu erhöhen. Matt Gonzaga von der Gruppe Pamatan-on Kontra Kurapsyon hinterfragte jedoch, ob dies lediglich der Bereitstellung unbezahlter Arbeitskräfte diene, anstatt die strukturellen Probleme der Schulen, wie mangelnde Einrichtungen und Ressourcen, anzugehen. Zudem wurde das „Presidential Scholars“-Programm kritisiert, das 100.000 Pesos an jeweils fünf Schüler pro Barangay vorsieht. Kritiker forderten, dass die Unterstützung breiter gefächert sein müsse, anstatt nur einer kleinen Auswahl an Studenten zugänglich zu sein.
Zusätzlich äußerten indigene Gruppen, unter anderem bei einer Versammlung von LILAK Purple Action, dass die Bedürfnisse ihrer Gemeinschaften in der Rede nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Besonders indigene Menschen mit Behinderungen fühlten sich in den aktuellen Regierungsplänen nicht als Teil der zu schützenden Bevölkerungsgruppen gesehen.



