Impeachment-Verfahren gegen Sara Duterte vor politischem Hintergrund
EditDas laufende Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte findet vor einem schwierigen politischen Umfeld statt, in dem sie in Umfragen deutlich höhere Vertrauens- und Zustimmungswerte erzielt als Präsident Ferdinand Marcos Jr. Diese Diskrepanz könnte weitreichende Folgen für die politische Stabilität haben, sobald das Impeachment-Gericht sein Urteil verkündet. In der Bevölkerung herrscht zudem das Narrativ vor, dass der Palast im Hintergrund agiere, um eine Verurteilung durch das Gericht sicherzustellen.
Aktuelle Erhebungen verdeutlichen den Rückstand des Präsidenten. Laut einer Umfrage von Social Weather Stations (SWS) vom 21. bis 27. September schenkten 56 Prozent der Filipinos der Vizepräsidentin „großes Vertrauen“, während dieser Wert bei Marcos lediglich bei 36 Prozent lag. Parallel dazu zeigte eine Umfrage von Pulse Asia eine Zustimmungsrate von 54 Prozent für Duterte, verglichen mit 30 Prozent für den Präsidenten, während 49 Prozent die Leistung von Marcos ablehnten.
Im Verfahren selbst kam es zu einer strategischen Änderung der Anklagepunkte, was möglicherweise dazu diente, den Prozess zu beschleunigen. Am 13. Oktober, dem 39. Tag des Prozesses, zog die Anklage des Repräsentantenhauses die Vorwürfe bezüglich geheimer Gelder, Bestechung und schwerer Drohungen zurück. Übrig blieb Artikel II, der sich mit unerklärlichem Vermögen und nicht offengelegten Vermögenswerten befasst. Der vorsitzende Senator Francis Escudero genehmigte diesen Antrag unter Verweis auf das Verfahren gegen den ehemaligen Obersten Richter Renato Corona im Jahr 2012.
Die Verteidigung widersprach diesem Vergleich und argumentierte, dass im Fall Corona die Anklagepunkte bereits vor der Beweisaufnahme fallen gelassen wurden, während im aktuellen Fall die Senatoren die Vorwürfe gegen ihre Mandantin bereits gehört hatten. Das Gericht hat den 9. November als Termin für den Beginn der Beweisaufnahme durch die Verteidigung festgelegt.
Der Zeitplan des Verfahrens steht unter zusätzlichem Druck durch internationale Verpflichtungen. Die Philippinen veranstalten im nächsten Monat den ASEAN-Gipfel. Präsident Marcos hat für den Zeitraum vom 16. bis 18. November Sonderfeiertage in Metro Manila ausgerufen. Malacañang bestätigte zudem die Teilnahme des US-Präsidenten Donald Trump, der laut dem Weißen Haus am 16. November eintreffen wird. Eine Regierung, die während des Besuchs ausländischer Staatsgäste ruhige Straßen und positive Schlagzeilen wünscht, könnte ein Interesse daran haben, das Verfahren zeitnah abzuschließen, bevor der Kongress Mitte Dezember in die Weihnachtspause geht.
Es besteht die Sorge, dass ein überstürztes Urteil, um die politische Unruhe während des Gipfels zu minimieren, von der Öffentlichkeit als ungerecht empfunden werden könnte. Für Anhänger der Vizepräsidentin wird das Verfahren oft als gezielte Bestrafung wahrgenommen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass ihr Vater sich in einer ausländischen Haftanstalt befindet. Ein Urteil, das als einseitig gilt, könnte die politische Unterstützung für die beteiligten Senatoren bei künftigen Wahlen gefährden, da sie die Konsequenzen ihrer Entscheidung gegenüber dem Wähler tragen müssen.






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