Wirtschaft

IBON Foundation warnt vor wirtschaftlicher Realität trotz Status als Schwellenland

Die philippinische Denkfabrik IBON Foundation warnt vor der neuen Einstufung des Landes als Land mit mittlerem Einkommen (Upper-Middle-Income, UMIC) durch die Weltbank. Diese statistische Neuklassifizierung spiegele nicht die täglichen Lebensbedingungen von Millionen von Filipinos wider und verschleiere tiefgreifende strukturelle Probleme in der Beschäftigung, der Ungleichheit und der industriellen Entwicklung, kritisierte die Organisation.

Aerial view of Manila Cathedral
Symbolbild: Envato

Während die Regierung unter Präsident Ferdinand Marcos Jr. die Einstufung als Vertrauensbeweis für ihre Wirtschaftspolitik wertet, bezeichnete Sonny Africa, der Exekutivdirektor der IBON Foundation, die Klassifizierung als rein statistisches Konstrukt. Das aktuelle Wachstumsmodell könne zwar die wirtschaftliche Gesamtleistung steigern, sei jedoch nicht in der Lage, für die Mehrheit der Bevölkerung menschenwürdige Arbeit mit existenzsichernden Löhnen zu schaffen.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl die offiziellen Arbeitslosenquoten niedrig erscheinen, zeigt eine Analyse der IBON Foundation, dass Beschäftigung oft nur ein Mittel zur bloßen Existenzsicherung ist. Rund 78 Prozent der Erwerbstätigen, etwa 38,7 Millionen Menschen, seien im informellen Sektor tätig. Dazu zählen Selbstständige, unbezahlte Familienmitarbeiter und Arbeitskräfte in nicht registrierten Betrieben, die unter instabilen Bedingungen arbeiten.

Zudem habe die Kaufkraft der arbeitenden Klasse massiv abgenommen. Schätzungen zufolge ist der Wert des durchschnittlichen Mindestlohns heute um 21 Prozent geringer als im Jahr 1989. Laut den Daten der Gruppe leben weiterhin etwa 14,4 Millionen Familien, was rund 62 Prozent der Bevölkerung entspricht, in Armut oder unter prekären Einkommensverhältnissen. Dies stehe im starken Kontrast zur massiven Konzentration von Reichtum bei großen Konglomeraten.

Die Denkfabrik sieht die Ursache in einer jahrzehntelangen Deindustrialisierung und dem Niedergang produktiver Sektoren. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist auf 17,4 Prozent gesunken, den niedrigsten Wert seit 1949. Auch der Agrarsektor habe mit einem Anteil von 7,9 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht. Ohne eine gezielte Förderung der heimischen Industrie und der Landwirtschaft könne das Land keine qualitativ hochwertigen und sicheren Arbeitsplätze generieren.

Quellen

Dieser Beitrag wurde auf Grundlage der unten verlinkten Quellen und Belege redaktionell auf Deutsch aufbereitet.