Politik

Geringe Zahl verabschiedeter Gesetze vor Marcos' Rede zur Lage der Nation

Präsident Ferdinand Marcos Jr. steht kurz vor seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation (State of the Nation Address, SONA) am 27. Juli, verfügt jedoch über nur wenige legislative Erfolge aus dem vergangenen Jahr. Recherchen von Rappler zeigen, dass die Anzahl der Gesetzesentwürfe, die im vierten Jahr seiner Amtszeit den Kongress durchlaufen haben, im Vergleich zu den ersten drei Jahren ein Rekordtief erreicht hat.

President Ferdinand Marcos der Philippinen – am Rednerpult stehend
Quelle: Google

Das Legislative-Executive Development Advisory Council (LEDAC), das die Prioritäten der Regierung festlegt, hatte für das erste Jahr des 20. Kongresses insgesamt 52 vorrangige Maßnahmen gelistet. Davon sollten 21 bis Juni 2026 verabschiedet werden. Tatsächlich wurde jedoch nur ein einziges Gesetz verabschiedet: die BARMM auf September dieses Jahres.

Weitere wichtige Vorhaben stecken in der Schwebe. Ein Entwurf zur Änderung des Gesetzes über den universellen Zugang zu qualitativ hochwertiger tertiärer Bildung (Universal Access to Quality Tertiary Education Act) liegt bereits als Bericht des Konferenzkomitees vor, wartet aber noch auf die Unterschrift des Präsidenten. Drei weitere Vorschläge wurden zwar sowohl vom Repräsentantenhaus als auch vom Senat genehmigt, konnten aber aufgrund widersprüchlicher Bestimmungen noch nicht in einer gemeinsamen Sitzung des Bikameral-Komitees vereinbart werden. Dies betrifft das Gesetz gegen den Online-Missbrauch und die Ausbeutung von OSAEC sowie gegen Material zur sexuellen Ausbeutung von CSAEM und AICS.

Experten führen die geringe Produktivität auf verschiedene Faktoren zurück. Arjan Aguirre, Professor für Politikwissenschaft an der Ateneo de Manila University, erklärt, dass die erste Sitzungsperiode eines neu gewählten Kongresses nach den Wahlen zur Mitte der Amtszeit (Midterms) erfahrungsgemäß eine Phase geringerer Aktivität sei. Zudem habe die Instabilität in der Führung des Senats die Situation verschärft. Nach dem Sturz von Tito Sotto durch die Fraktion um Senator Alan Peter Cayetano im Mai kam es zu einer unproduktiven Phase, in der Ausschusssitzungen selten stattfanden und Plenarsitzungen aufgrund von Boykotten wiederholt ausgesetzt wurden.

Diese internen Machtkämpfe im Senat hätten die Kapazitäten für ernsthafte Gesetzgebung massiv eingeschränkt. Da die Regierung auf einen stabilen Partner im Senat angewiesen ist, um Prioritäten durchzusetzen, habe die Unruhe in der oberen Kammer die koordinierte Arbeit behindert. In der Vergangenheit galt das Repräsentantenhaus oft als loyaler gegenüber dem Präsidenten, während wichtige Gesetzesvorhaben im Senat häufig ins Stocken gerieten.

Quellen