Die psychische Last der Familienverdiener in der philippinischen Gesellschaft
EditIn vielen philippinischen Haushalten folgt der Erhalt des monatlichen Gehalts einem festen Muster: Bevor die Hauptverdiener sich selbst eine Freude bereiten können, werden die hart erarbeiteten Mittel unmittelbar für Fixkosten wie Stromrechnungen, Miete und Lebensmittel sowie für die Studiengebühren von Geschwistern oder Notfallreserven für Verwandte aufgeteilt. Am Ende bleibt den Verantwortlichen oft kaum genug Geld übrig, um die eigenen Fahrtkosten für die darauffolgende Woche zu decken.
Trotz dieser finanziellen Enge antworten viele Betroffene auf die Frage nach ihrem Befinden oft mit einem Lächeln und der Aussage, dass sie es noch bewältigen können. Janeth L. Lacostales, Dozentin am Barili Campus der Cebu Technological University, thematisiert in einem Kommentar für SunStar Philippines die Rolle dieser Personen als stille Säulen der Familie.
In Krisenzeiten werden sie als unerschöpfliche Quelle für finanzielle Sicherheit und moralische Unterstützung betrachtet. Da sie ihre Lasten oft mit großer Würde tragen, besteht in der Gesellschaft die Tendenz, das tatsächliche Gewicht dieser Verantwortung zu unterschätzen. Lacostales kritisiert zudem, dass die gesellschaftliche Romantisierung familiärer Verpflichtungen dazu führt, dass die persönlichen Opfer der Verdiener oft übersehen werden.
Um das Wohl der Familie zu sichern, stellen viele ihre eigenen Träume, persönlichen Beziehungen oder Hobbys zurück. Diese Lebensweise kann zu einer tiefen, stillen Einsamkeit führen. Zudem wächst bei vielen die geheime Angst, dass ihr Wert innerhalb der Familie ausschließlich an ihr Einkommen gekoppelt ist. Viele sehnen sich nach einer Atempause ohne die ständige Sorge um die Rechnungen des nächsten Monats, fühlen sich jedoch durch die Angst, die Familie zu enttäuschen, in einem endlosen Kreislauf gefangen.
Zur Unterstützung dieser Menschen sei keine finanzielle Rückzahlung erforderlich, sondern vielmehr echte Empathie und Wertschätzung. Lacostales schlägt vor, durch einfache Gesten wie ein aufrichtiges Interesse an ihrem Wohlbefinden, ohne dass direkt im Anschluss eine Geldanfrage folgt, eine Einladung auf einen Kaffee oder ein herzliches Dankeschön die enorme Last zu lindern. Es sei wichtig, den Betroffenen zu vermitteln, dass ihr Wert als Mensch nicht allein durch ihre finanzielle Leistung definiert wird.






Keine Werbeblöcke mehr mit Supporter-Abo!