Traditionelle Webkunst auf den Philippinen: Junge Generation rettet kulturelles Erbe
EditDie traditionelle Webkunst auf den Philippinen erlebt eine Renaissance, da immer mehr junge Menschen versuchen, die schwindenden Handwerkstraditionen wiederzubeleben. Während der Aufstieg der Fast Fashion in den letzten Jahrzehnten viele traditionelle Handwerke verdrängt hat, zeigt die jüngste Entwicklung ein neues Interesse an handgewebten Produkten.
Im Zentrum dieser Entwicklung steht die 16. Likhang Habi Market Fair, eine Messe, die das Interesse an lokalen Textilien fördert und die Verbindung zwischen Handwerk und Identität stärkt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Philippine Textile Council, bekannt als HABI. Ziel der Messe ist es, junge Kreative dazu zu ermutigen, die lokale philippinische Kunst zu fördern.
Die 21-jährige Weberin Algene Fernandez gehört zur vierten Generation ihrer Familie, die in diesem Handwerk tätig ist. Sie betont, dass hinter jedem handgefertigten Stück die Menschen stehen, die viel Zeit, Mühe und Opfer in die Herstellung investieren. Diese menschliche Komponente wird auch von der ehrenamtlichen Präsidentin von HABI, Adelaida Lim, hervorgehoben. Sie fordert dazu auf, die Weber nicht nur als Landwirte zu betrachten, die diese Arbeit verrichten, sondern sie als geschätzte Kunsthandwerker, Kreative und Filipinos anzuerkennen. Früher zögerten viele Weber, ihr Wissen weiterzugeben, da sie sich oft nur als einfache Handwerker sahen, doch heute hat sich diese Zurückhaltung in Stolz verwandelt.
Ein wesentlicher Teil der Messe besteht darin, den direkten Austausch zwischen Käufern und Kunsthandwerkern zu ermöglichen. Dieser Kontakt dient oft der Aufklärung: Kunden entwickeln durch die Interaktion ein tieferes Verständnis für die Schwierigkeit der Herstellung und schätzen die Produkte stärker. Mia Villanueva, die amtierende Präsidentin von HABI, beschreibt die Weberei als eine Form der lebendigen Geschichte, in der Textilien oft eine tiefe Symbolik tragen, die junge Menschen erlernen müssen. Käufer erfahren durch den Kontakt nicht nur etwas über die Arbeit, sondern auch über die Geschichten, Erinnerungen, Lebensgrundlagen und die gesamten Gemeinschaften, die hinter jedem Stück stehen, jedes Textil repräsentiert somit ein ganzes Dorf.
Um die nächste Generation gezielt zu fördern, wurde kürzlich der Lourdes Montinola Piña Weaving Competition ins Leben gerufen. Dieser Wettbewerb richtet sich an Weber unter 30 Jahren. Adelaida Lim merkte an, dass durch diesen Wettbewerb neue Techniken wiederentdeckt wurden und das allgemeine Qualitätsniveau gestiegen sei; einer der Gewinner war sogar erst acht Jahre alt. Auch Rambie Lim, ein Gründungsmitglied von HABI und Vertreter des Rurungan Collective, sieht im Weben eine Möglichkeit für junge Filipinos, sich mit ihren Wurzeln zu verbinden, da viele Traditionen der älteren Generationen fast in Vergessenheit geraten waren.
Neben dem kulturellen Aspekt spielt die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle. Während die globale Textilindustrie stark auf synthetische Stoffe wie Polyester setzt, die Mülldeponien verstopfen und Wasserwege verschmutzen, nutzen die traditionellen philippinischen Webgemeinschaften natürliche Fasern wie Baumwolle und Abaca. Adelaida Lim erläutert, dass diese Materialien biologisch abbaubar sind und die Webindustrie somit eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen kann. Sie sieht die Verantwortung der nächsten Generation darin, nicht nur gegenüber den Filipinos, sondern gegenüber der gesamten Umwelt zu handeln. Dies spricht insbesondere eine umweltbewusste junge Zielgruppe an.
Die Zukunft der Bewegung liegt laut Maribel Ongpin, der ehrenamtlichen Vorsitzenden von HABI, in der kontinuierlichen Förderung und Sichtbarkeit. Durch die erste Aufmerksamkeit und den Kontakt mit der Außenwelt habe sich das Interesse der Jugend sowie der Modedesigner geweitet, was die Entwicklung zu einer breiteren Bewegung vorantreibe. Laut Rambie Lim, einem Gründungsmitglied von HABI, war das Weben zu Zeiten der Gründung des Verbandes fast ausgestorben. Heute zeige sich jedoch ein deutliches Wachstum und ein steigendes Interesse seitens jüngerer Weberinnen und Weber. Sammlerinnen wie Toni Rose Jazmin unterstreichen die Bedeutung, indem sie Textilien aus Provinzen wie Bicol, Camarines Sur, Abra, Kalinga und Bukidnon hervorheben, wobei sie betont, dass jeder Faden eine eigene Geschichte erzählt.





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