Kritik an Marcos' digitalem Katastrophenschutz: Experten fordern Fokus auf Korruption und Grundversorgung
EditIn seiner fünften Lagebericht an die Nation (State of the Nation Address, SONA) am 27. Juli 2026 stellte Präsident Ferdinand Marcos Jr. eine strategische Neuausrichtung des Katastrophenschutzes vor. Anstatt lediglich auf Ereignisse zu reagieren, wolle die Regierung künftig auf ein „prädiktives“, also vorhersagendes System setzen, das durch digitale Werkzeuge unterstützt wird. Dazu gehören unter anderem mobile Energiesysteme für Notstrom, staatliche Notfall-Kommunikationssysteme sowie satellitengestützte Mobilfunkdienste des Privatsektors.
Um die Effizienz zu steigern, setzt die Regierung auf digitale Hilfsmittel, automatisierte Produktion und die strategische Vorlagerung von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern in lokalen Verwaltungseinheiten. Marcos betonte, dass Strategien wie die Nutzung privater Lieferketten und dezentrale Lagerzentren bereits in der Vergangenheit in den Visayas und auf Mindanao ihre Wirksamkeit bewiesen hätten.
Umweltgruppen und Aktivisten äußerten jedoch Bedenken hinsichtlich dieses technologisch orientierten Ansatzes. Die MCJ warnte davor, dass digitale Systeme die lokalen Gemeinschaftsnetzwerke nicht ersetzen dürften. Wenn Strom-, Kommunikations- und Transportnetze während einer Katastrophe ausfallen, könnten rein digitale Ansätze dazu führen, dass betroffene Gemeinschaften übersehen werden. MCJ wies zudem darauf hin, dass Armut darüber entscheide, wer Warnungen empfangen und wer evakuieren könne. Für Familien in prekären Lebensverhältnissen reichten Notfallpakete und Bargeld allein nicht aus, um nach einer Katastrophe wieder Fuß zu fassen.
Die Gruppe forderte zudem die schnellstmögliche Fertigstellung der versprochenen Katastrophen-Ressourcenzentren in Mindanao. Dies sei besonders dringlich, da das Sozialministerium (DSWD) nach dem Erdbeben auf Mindanao am 8. Juni fast 95.000 Vertriebene verzeichnete. Eine echte proaktive Hilfe müsse dauerhaften Wohnraum, die Wiederherstellung der Lebensgrundlagen sowie funktionierende Schulen und Gesundheitsdienste umfassen.
Auch die Aktivistengruppe Bagong Alyansang Makabayan (BAYAN) aus Zentral-Visayas kritisierte die Regierungsstrategie. Der Vorsitzende Jaime Paglinawan erklärte, dass die Vorlagerung von Hilfsgütern nicht ausreiche, wenn der Staat es versäume, effektiven Hochwasserschutz und Maßnahmen zur Katastrophenminderung umzusetzen. BAYAN warf der Regierung vor, dass Korruption bei Hochwasserschutzprojekten die Auswirkungen von Naturkatastrophen verschärfe. Die Gruppe forderte eine umfassende Untersuchung von Regierungsbeamten und Bauunternehmern, die in Korruptionsskandale verwickelt sein sollen, anstatt nur begrenzte Ermittlungen gegen einzelne Verdächtige durchzuführen.





