Gesellschaft: Iloilo

Journalistin Kara David fordert ethische Berichterstattung: Kinderwohl vor der Schlagzeile

Die erfahrene Rundfunkjournalistin Kara David hat philippinische Medienvertreter dazu aufgerufen, das Wohl von Kindern über das Streben nach sensationellen Geschichten zu stellen. In einem Webinar über Kinderrechte in der Forschung und den Medien am Mittwoch, den 5. August, betonte die Dokumentarfilmerin des GMA Network und Professorin an der University of the Philippines, dass ethische Berichterstattung den Schutz junger Menschen vor weiteren Schäden priorisieren müsse. Einschaltquoten, Auszeichnungen oder die Reichweite in sozialen Netzwerken dürften dabei nicht im Vordergrund stehen.

Kara David
Quelle: Google

David erläuterte, dass sie und ihr Team im Laufe ihrer Karriere bewährte Praktiken für die Berichterstattung über Minderjährige entwickelt hätten. Sie nannte dabei vier Leitprinzipien: den Schutz vor Schaden und Ausbeutung, die Priorisierung der Kinder, die Investition in die Zukunft der Kinder sowie die Gewährleistung, dass kein Kind zurückgelassen wird. Zu Beginn ihrer Tätigkeit in den Medien habe sie nur über sehr grundlegende Kenntnisse bezüglich der Rechte von Kindern verfügt, doch die Erfahrung durch zahlreiche Interviews habe zur Entwicklung dieser Parameter geführt.

Als Beispiel für eine kindgerechte Berichterstattung führte sie eine Dokumentation aus dem Jahr 2024 über sexuellen Missbrauch in Maguindanao an. Um eine Retraumatisierung der jungen Opfer zu vermeiden, entschied sich das Team bewusst gegen Interviews mit den Betroffenen. Stattdessen wurden Schauspieler eingesetzt, um die Identitäten der Kinder zu schützen. Vor den Dreharbeiten wurden zudem die Erlaubnis der Eltern eingeholt und Sozialarbeiter des Department of Social Welfare and Development (DSWD) während der gesamten Produktion hinzugezogen.

Zudem habe das Team Experten konsultiert, darunter die National Commission on Indigenous Peoples sowie einen Kinderpsychiater des Philippine General Hospital, um die richtige Herangehensweise zu bestimmen. Die Dokumentation konzentrierte sich stattdessen auf die Mütter der Opfer und deren Kampf um Gerechtigkeit, anstatt den Missbrauch durch grafische Zeugenaussagen oder Nachstellungen zu sensationalisieren. David bezog sich dabei auf die Forderung der UN-Sondersitzung für Kinder, die Kinder stets an erste Stelle zu setzen. Sie bezeichnete es als den eigentlichen Erfolg der Produktion, dass eine Mutter trotz massiven Drucks aus ihrem Stamm und der Gemeinschaft rechtliche Schritte gegen den Täter einleitete. Die Dokumentation war zudem Finalistin bei den Cannes TV Awards.

Ein weiteres Beispiel war die Geschichte von Anthony, einem Kindermitarbeiter aus Eastern Samar. Bei diesem Projekt wurden die Zustimmung der Eltern, der Lehrer und der Sozialarbeiter eingeholt. David erklärte, dass es ihr Ziel sei, Kindern trotz Armut oder Missbrauch ihre Kindheit zu zeigen und sie als Kinder mit dem Recht auf Spiel, Bildung und Träume darzustellen. Diese Dokumentation war der erste philippinische Beitrag, der für einen International Emmy Award nominiert wurde, im Jahr 2012. Zudem ermöglichte sie es über Davids Stiftung „Project Malasakit“, die Ausbildung des Jungen zu unterstützen, der später einen Bachelor in Politikwissenschaft erwarb.

Über die klassische Journalistik hinaus richtete sich der Appell auch an Content-Ersteller in sozialen Medien. David mahnte, dass jeder, der soziale Medien nutzt, technisch gesehen Teil der Medien sei und daher ethische Mindeststandards einhalten müsse. Sie empfahl die Nutzung der Leitfäden des Council for the Welfare of Children für Medienpraktiker, um Schäden durch unbedachte Veröffentlichungen zu vermeiden. Sie betonte, dass Menschen in sozialen Netzwerken vor dem Posten nachdenken und sich zumindest ein wenig informieren sollten, um keine Schäden anzurichten.

Die Forderungen der Journalistin decken sich mit der bestehenden Gesetzgebung auf den Philippinen. Die Gesetze Republic Act 7610 (Special Protection of Children Against Abuse, Exploitation and Discrimination Act) und Republic Act 9344 (Juvenile Justice and Welfare Act) untersagen die Offenlegung der Identität von Kindern in Fällen von Missbrauch oder Straftaten. Mit dem im Jahr 2022 verabschiedeten Republic Act 11930 (Anti-Online Sexual Abuse or Exploitation of Children and Anti-Child Sexual Abuse or Exploitation Materials Act) wurden diese Beschränkungen auch auf digitale Plattformen ausgeweitet, auf denen der Großteil des Medienkonsums stattfindet. David erinnerte zudem daran, dass Journalisten nicht die Geschichte selbst seien, sondern die Geschichte wichtig sei.

Abschließend verwies David auf ihre persönliche Verantwortung, die über die Kamera hinausgehe. Sie berichtete von einem Mädchen namens Eka, deren Familie sie dokumentiert hatte und die sie nach dem Tod beider Elternteile schließlich selbst unter ihre Obhut nahm. Sie hoffte, dass die Macht des Geschichtenerzählens genutzt werde, um eine sicherere Zukunft für die Jugend zu schaffen.