Impeachment-Verhandlung: OVP-Stabschef erklärt fehlende Belege für Einkäufe durch Informanten
EditIn der laufenden Impeachment-Anhörung vor dem Senat hat Lemuel Ortonio, der OVP, ausgesagt, dass die mit vertraulichen Mitteln beschafften Vorräte nicht direkt durch das OVP, sondern durch Informanten und Agenten eingekauft wurden. Dabei handelte es sich um medizinische Güter und Lebensmittel, deren Beschaffung zuvor von der staatlichen Rechnungsprüfungsbehörde (Commission on Audit, COA) beanstandet worden war.
Gegenüber der Anwältin der Anklage, Mae Divinagracia, erläuterte Ortonio, dass das Geld laut den Berichten des Sicherheitsbeauftragten Oberst Raymund Lachica unmittelbar an die Informanten und Agenten weitergegeben wurde, welche die Käufe tätigten. Er bestätigte, dass weder Lachica noch die damalige spezielle Auszahlungsbeauftragte des OVP, Gina Acosta, offizielle Quittungen für diese Anschaffungen, zu denen auch Stühle gehörten, vorgelegt hatten. Auf die explizite Nachfrage des vorsitzenden Senators Francis Escudero, ob es irgendwelche Belege für diese Transaktionen gebe, antwortete Ortonio, dass ihm nach den ihm vorliegenden Informationen keine offiziellen Quittungen bekannt seien. Er konnte zudem nicht belegen, ob die vorhandenen Empfangsbestätigungen darauf hindeuteten, dass das Bargeld tatsächlich für Lebensmittel oder Medikamente verwendet worden war.
Senator Escudero merkte an, dass die Verwendung der vertraulichen Mittel in diesem Fall stark von der regulären Budgetnutzung des OVP abweiche, da beim Kauf von Medikamenten aus dem regulären Haushalt stets Quittungen eingereicht würden. Ortonio trat während der Befragung als feindlicher Zeuge für die Anklage auf.
Ein weiterer zentraler Punkt der Anhörung war die zeitliche Abfolge der Mittelverwendung. Die Anklage präsentierte ein Schreiben des OVP vom 30. November 2023, mit dem die Behörde der COA widersprach, dass 125 Millionen Pesos an vertraulichen Mitteln innerhalb von nur 11 Tagen ausgegeben worden seien. Das OVP behauptete in dem Brief, die Bargeldvorschüsse seien dazu dienten, Zahlungen für bereits eingegangene Verpflichtungen zu erleichtern. Die Mittel seien demnach über einen Zeitraum von drei Monaten geplant, umgesetzt und ausgezahlt worden und nicht innerhalb von 11 Tagen, wie es die Prüfungsfeststellungen nahelegten. Als Ortonio auf die genaue Bedeutung der Formulierung zur Erleichterung bereits bestehender Verpflichtungen angesprochen wurde, wich er aus. Er gab an, dies nicht spezifisch sagen zu können, da die Vereinbarungen vor Ort getroffen worden seien und er keine persönlichen Kenntnisse über die Details besitze; die Informationen stammten von seinem Sicherheitsbeauftragten.
Zudem bestätigte Ortonio, dass das OVP beim Antrag auf vertrauliche Mittel beim Ministerium für das Budget und das Management (Department of Budget and Management, DBM) im August 2022 keinen physischen oder finanziellen Plan vorgelegt hatte. Ein erst einen Monat später eingereichter Plan beschränkte sich auf die vage Komponente eines „Programms für gute Regierungsführung“ ohne die Nennung spezifischer Aktivitäten. Unter Befragung durch Divinagracia gab Ortonio zu, dass dieses Programm unter anderem medizinische Hilfe und Beihilfen für Beerdigungen umfasste. Diese Leistungen waren jedoch bereits durch einen separaten Posten im OVP-Budget 2022 in Höhe von 621 Millionen Pesos abgedeckt. Ortonio erklärte abschließend, dass er die Liquidationsberichte zwar gesehen, aber nicht studiert habe, sondern sich bei der Ausarbeitung auf die Informationen von Gina Acosta und Oberst Lachica verlassen habe.





