Genetisch modifizierter Tabak als Hoffnungsträger im Kampf gegen Diabetes
EditWissenschaftler untersuchen das Potenzial von genetisch verändertem Tabak, um die Produktion erschwinglicher Medikamente gegen Diabetes zu ermöglichen. Durch eine Methode, die als „Molecular Farming“ bezeichnet wird, können Tabakblätter als sogenannte „grüne Biofabriken“ genutzt werden. Dabei wird das Erbgut der Pflanze (Nicotiana tabacum) so angepasst, dass sie medizinische Wirkstoffe statt schädlicher Substanzen produziert.
Dieser Forschungsansatz gewinnt angesichts steigender Diabetes-Zahlen auf den Philippinen an Bedeutung. Laut Prognosen der International Diabetes Federation (IDF) werden bis zum Jahr 2030 etwa fünf Millionen Filipinos an Diabetes leiden. Diese Zahl könnte bis 2045 sogar auf sieben Millionen ansteigen.
Die Vorteile der Tabakpflanze für die Arzneimittelherstellung liegen in ihrer hohen Biomasseproduktion und der einfachen genetischen Modifizierbarkeit, was die Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsverfahren senken kann. Eine in der Fachzeitschrift BMC Biotechnology veröffentlichte Studie beschreibt beispielsweise, dass europäische Forscher Tabakpflanzen entwickelt haben, die das entzündungshemmende Protein Interleukin-10 (IL-10) produzieren. Dies könnte Patienten mit insulinabhängigem Typ-1-Diabetes oder anderen Autoimmunerkrankungen zugutekommen.
Auch die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) berichten von Fortschritten: Wissenschaftlern ist es gelungen, menschliche Insulin-Gene in die Chloroplasten von Tabak einzuschleusen. In Studien mit diabetischen Mäusen konnte durch die Gabe von gefriergetrocknetem, insulinreichem Tabakpulver der Blutzucker- und Urinzuckerwert stabilisiert werden. Für die Behandlung von Typ-2-Diabetes wurden zudem Exendin-4-Fusionsproteine in transgenem Tabak gewonnen, die in Tierversuchen die Glukosetoleranz bei oraler Einnahme verbesserten.
Neben der modernen Biotechnologie weist die National Tobacco Administration (NTA), die zuständige Regulierungsbehörde für die Tabakindustrie auf den historischen und vielfältigen Nutzen der Pflanze hin. Bereits indigene Völker in Südamerika nutzten Tabak in der traditionellen Medizin. In Asien wurde die Pflanze häufig zur Linderung von Zahnschmerzen, Zahnfleischproblemen oder Halsschmerzen verwendet.
Die NTA betont zudem, dass Tabak weit mehr als nur ein Rohstoff für Zigaretten sei. Nikotin wird beispielsweise in der Medizin bei der Behandlung von Tetanus- oder Strychninvergiftungen durch Injektionen eingesetzt. Zudem dient die Pflanze als Quelle für Isopreneinheiten, die für die Herstellung des Herzmedikaments UQ-10 benötigt werden. Selbst Tabakabfälle gelten aufgrund ihrer biologischen Abbaubarkeit als potenzielle umweltfreundliche Alternativen zu synthetischen Pestiziden und Düngemitteln.



