Gesellschaft: Davao Region

Dugongs in den Philippinen am Rande des Aussterbens

Die Bestände der Dugongs, im lokalen Sprachgebrauch auch als „Baboy-dagat“ oder Meeresschweine bekannt, befinden sich in den Gewässern der Philippinen in einer kritischen Lage. Experten warnen vor einem realen Kollaps der Population, der besonders im Davao-Golf und in anderen Regionen des Landes sichtbar wird.

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Symbolbild: Envato

Im April 2026 wurden in der Provinz Davao Oriental mehrere tote Dugongs entdeckt: Am 1. April in Lupon, am 6. April in Boston und am 17. April in Lucatan, Tarragona. Der Meeresbiologe Darrel Dean Blatchley, der diese Todesfälle überwacht, betont, dass es sich hierbei nicht um natürliche Schwankungen handelt, sondern um einen laufenden Zusammenbruch der Art. Die Dugongs gehören zu den verletzlichsten Meeressäugern weltweit, da sie sich nur langsam fortpflanzen und extrem abhängig von fragilen Seegras-Ökosystemen sind.

Der Davao-Golf, ein 308.000 Hektar großes Gebiet, das sich von der Philippinischen See bis nach Mindanao erstreckt, gilt laut dem World Wildlife Fund (WWF) als eines der artenreichsten marinen Ökosysteme der Welt. Lorenzo „Lory“ Tan, stellvertretender Vorsitzender des National Advisory Council des WWF-Philippines, bezeichnet den Golf als eines der am dichtesten besiedelten marinen Habitate der Philippinen. Er ist Lebensraum für die letzten verbliebenen Dugong-Bestände des Landes sowie für fünf der sieben vorhandenen Schildkrötenarten. Doch genau die wirtschaftliche Nutzung dieses Gebiets gefährdet die Tiere.

Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig. Lorenzo Tan führt die Ausbeutung der Umwelt auf die zunehmende Armut zurück, die Fischer dazu zwingt, zerstörerische Methoden anzuwenden, um zu überleben. Neben der Nahrungsknappheit durch sinkende Fischerträge sind Dugongs häufig Opfer von Unfällen mit Schiffsschrauben oder verfangen sich in Fischnetzen. Ein weiteres massives Problem ist der Verlust ihrer Nahrungsgrundlage: Die Tiere sind auf spezifische Seegrasarten angewiesen. Da die Seegrasflächen schrumpfen, müssen die Dugongs längere Wege zurücklegen, was ihren Energieverbrauch erhöht und sie weiteren Gefahren aussetzt.

Der Rückgang der Population ist kein lokales Phänomen des Davao-Golfs. Auch in Ost-Mindanao, Sarangani, Panay, Aurora und Palawan, wo sich die letzte bedeutende Bastion der Art befindet, wird ein Rückgang beobachtet. Seit 1998 wurde in den Philippinen keine landesweite Bestandsaufnahme mehr durchgeführt, weshalb über den genauen Status der Populationen seit fast drei Jahrzehnten keine Gewissheit besteht.

Wissenschaftlich gesehen sind Dugongs (Dugong dugon) eng mit Elefanten verwandt. Sie gehören zur Ordnung der Seekühe und sind aufgrund ihrer langsamen Fortpflanzung besonders gefährdet. Weibchen werden erst im Alter von 9 bis 15 Jahren geschlechtsreif und bringen meist nur ein einzelnes Kalb zur Welt. Die IUCN stuft die Art als „gefährdet“ ein.

Der Schutz der Tiere ist in den Philippinen gesetzlich verankert. Seit 1982 wird die Art als gefährdet gelistet. Durch eine Verwaltungsanordnung wurde der Dugong als geschütztes Meeressäugetier deklariert, was die Jagd, den Besitz und den Transport der Tiere sowie ihrer Nebenprodukte unter Strafe stellt. Das Umweltministerium (Department of Environment and Natural Resources, DENR) stuft die Art in einer neueren Anordnung von 2004 sogar als „vom Aussterben bedroht“ ein. Das DENR ist die zuständige Behörde für die Erstellung und Umsetzung von Schutzprogrammen für die Wildtiere des Landes.

Das PCP, ein ausführendes Organ des Biodiversity Management Bureau, betont, dass der Schutz der Dugongs nicht allein durch die Regierung gelingen kann. Das Projekt ruft die Bevölkerung dazu auf, illegale Fischerei an das DENR, das Bureau of Fisheries and Aquatic Resources oder lokale Behörden zu melden. Zudem wird dazu aufgerufen, die Lebensräume durch Vermeidung von Wasserverschmutzung und ein umweltbewusstes Verhalten zu schützen. Der Erhalt der Dugongs und Meeresschildkröten ist entscheidend für die Gesundheit der marinen Ökosysteme, da sie als „Rasenmäher“ der Seegraswiesen die Lebensbedingungen für zahlreiche Fischarten stabilisieren.