Bilanz nach einem Jahr: Folgen des Korruptionsskandals um Hochwasserschutzprojekte
Ein Jahr nach dem massiven Korruptionsskandal um milliardenschwere Hochwasserschutzprojekte zeigt sich ein gemischtes Bild der Antikorruptionskampagne von Präsident Ferdinand Marcos Jr. Während der Präsident im Jahr 2025 während seiner Rede zur Lage der Nation (State of the Nation Address, SONA) mit den Worten „Mahiya naman kayo“ (Schämt euch) gegen korrupte Beamte vorging und umfassende Untersuchungen anordnete, sind die Konsequenzen für die Beteiligten sehr unterschiedlich ausgefallen.
Einige hochrangige Politiker konnten die politische Krise überstehen. Bildungsminister Sonny Angara behielt sein Amt trotz Verwicklungen in ein mutmaßliches Schmiergeldkomplikt bei Infrastrukturprojekten. Er wies die Vorwürfe als haltlose Gerüchte zurück, für die es keine dokumentarischen Beweise gebe, und zeigte sich zuversichtlich, dass die Anschuldigungen vor Gericht keinen Bestand haben würden.
Auch die ehemalige Budgetministerin Amenah Pangandaman gelang eine politische Rückkehr. Nachdem sie während der Kontroverse um die sogenannten „Angara 5“-Budgetposten zurückgetreten war, wurde sie Anfang dieses Monats vom Präsidentenamt (Malacañang) zur Vorsitzenden und CEO der staatlichen Al-Amanah Islamic Investment Bank ernannt.
Andere Beamte verließen ihre Positionen unter Druck oder aufgrund der Ermittlungen. Der ehemalige Exekutivsekretär Lucas Bersamin trat im November 2025 freiwillig zurück, was offiziell mit einem Sinn für Anstand begründet wurde, während die Untersuchungen zu den Hochwasserschutzprojekten zunahmen. Zudem suchten mehrere Beamte, darunter der ehemalige stellvertretende Bildungsunterstaatssekretär Trygve Olaivar, aufgrund der verstärkten Prüfung mutmaßlicher Budgetmanipulationen den vorzeitigen Ruhestand oder reichten Rücktritte ein.
Die härtesten rechtlichen Konsequenzen treffen die operativen Akteure. Adrian Bersamin, ehemaliger stellvertretender Unterstaatssekretär im Büro für die Verbindung des Präsidenten zur Legislative, sieht sich nun Anklagen wegen Korruption und Plünderung gegenüber. Whistleblower identifizierten ihn als mutmaßlichen Auszahlungsbeauftragten des Schmiergeldnetzwerks. Auch Trygve Olaivar steht vor strafrechtlichen Ermittlungen. Der ehemalige stellvertretende Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium, Roberto Bernardo, konnte eine Strafverfolgung vermeiden, indem er als Kronzeuge aussagte und den Ermittlern Einblicblick in die Funktionsweise der mutmaßlichen Kickback-Strukturen gab. Das Büro des Ombudsmanns hat bereits mehrere Strafanzeigen gegen Abgeordnete, Bauunternehmen und Regierungsbeamte beim Sandiganbayan-Sondergericht eingereicht.
Quellen
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